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Neuss
Yamaha lenkt deutschen Markt von Neuss aus

Neuss. Marketing und Vertrieb steuer der japanische Konzern von seiner Zentrale in Uedesheim aus - geschraubt wird aber auch. Von Andreas Gruhn

Der Fahrtwind kommt in Neuss aus dem Strömungskanal. Die Luft schießt aus dem Gebläse, und das Motorrad beschleunigt mit 200 PS im Stand die Antriebsrolle des Prüfstandes. Eigentlich kennt Jörg Hoppmann die Yamaha R1 in und auswendig. Dennoch wird die fast 23 000 Euro teure Maschine auf seinem Prüfstand in der Neusser Deutschlandzentrale des Yamaha-Konzerns erneut bis ins letzte Detail untersucht. "Die Kraft wird abgenommen, wir wollen Drehmoment und Leistung messen", sagt der Kundendienstleiter des Motorradspezialisten. Er ist fasziniert von dem Motorrad. "Wahnsinn, was die Technologie mittlerweile alles ermöglicht", sagt der passionierte Motorradfan in Diensten Yamahas.

Für den Test wird der richtige Luftdruck, Fahrtwind, die Temperatur und Luftfeuchtigkeit simuliert. Etwa eine Million Euro kostete die Einrichtung dieses Hochleistungsprüfstands in Neuss, auf den Yamaha sehr stolz ist. "Das gibt es in dieser Form nur einmal", sagt Jörg Breitenfeld, Deutschland-Chef von Yamaha. "So etwas braucht man in der Entwicklung von Hochleistungsmotoren."

In der Neusser Zentrale geht es aber nicht nur um den Rennsport. Alles, was in Deutschland unter dem Namen Yamaha passiert, geht über Neuss. Das sind natürlich vor allem Motorräder, aber auch Quads, Außenbordmotoren für Boote, Stromgeneratoren, und sogar Schneefräsen, aber auch Industrieroboter zur Platinenbestückung und 3D-Drucker. Die Yamaha Motor Deutschland GmbH beschäftigt am Standort 46 Mitarbeiter, bei der für die Roboter zuständigen Yamaha Motor Intelligent Machinery sind es 28 Beschäftigte.

Der Jahresumsatz in Deutschland soll 2015 bei den motorisierten Produkten bei rund 125 Millionen Euro liegen, davon kommen 75 Prozent aus dem Zweiradgeschäft. "Wir werden in diesem Jahr etwa 24 000 Motorräder verkaufen", sagt Breitenfeld. Damit ist Yamaha hinter Marktführer BMW die Nummer zwei in Deutschland - wie auch bei den Außenbordmotoren. "Der deutsche Markt ist für Yamaha sehr wichtig", sagt Breitenfeld. "Wir sind zwar nicht der größte Markt, die Stückzahlen in Asien und Südamerika sind viel höher. Aber wir verkaufen hier anteilig die meisten sehr großen Motorräder."

Gebaut werden die Motorräder in Neuss allerdings nicht. In der Zentrale wird das Geschäft gesteuert, die Importe aus Japan kommen in den Häfen Hamburg, Rotterdam, Marseille und Valencia an und werden an die Zentrallager weiterverteilt. Von dort aus beliefern Spediteure die Händler. Der Neusser Stammsitz ist die Schaltzentrale. Dazu gehören aber auch Werkstätten, in denen Motorräder aufbereitet werden. Wenn Testfahrzeuge oder neue Vorserienmodelle per Luftfracht aus Japan kommen, werden sie in Neuss aufgebaut, getestet und für den Rennsport weiterentwickelt. Auch dazu braucht Yamaha die Prüfstände (im Übrigen auch für Außenbordmotoren für Boote). In Seminarräumen und Werkstätten werden die rund 340 Yamaha-Händler laufend zu den neuesten Entwicklungen geschult. Händler und Mechaniker zerlegen Motoren und analysieren Neuheiten, um für die Kundenberatung präpariert zu sein. "Wir legen großen Wert darauf, dass der Handel immer auf dem neuesten Stand ist", sagt Breitenfeld. Außerdem läuft das Marketing über Neuss. Für die Fachpresse, aber auch für die Prüfer des Kraftfahrt-Bundesamtes, sind in der Großgarage mehrere hundert Maschinen fahrbereit geparkt, dazu Boote für Testfahrten.

Seit gut 50 Jahren ist Yamaha damit auf dem deutschen Markt unterwegs, aber nicht die ganze Zeit in Neuss. Nachdem anfangs Händler den Motorradimport nach Deutschland organisierten, wurde 1972 die Mitsui & Co. GmbH in Meerbusch gegründet, Anfang der 90er Jahre folgte der Umzug ins Neusser Hammfeld. 1996 erfolgte die Umbenennung in Yamaha Motor Deutschland GmbH, vier Jahre später baute die Firma ihre neue Zentrale in Uedesheim. Von dort aus steuert Yamaha den deutschen Markt. Und von dort aus fahren die Mitarbeiter auch selbst aus. "Die meisten Kollegen fahren selbst Motorrad", sagt Breitenfeld. "Motorrad ist eben etwas Hochemotionales."

Quelle: NGZ
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