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Neuss
Zahl der Singvögel deutlich gesunken

Neuss: Zahl der Singvögel deutlich gesunken
FOTO: Bernd Limburg
Neuss. 440 Vogelfreunde aus dem Rhein-Kreis beteiligten sich an der Winter-Zählaktion des Naturschutzbundes. Fast alle Arten wurden seltener gesichtet, besonders stark ist der Rückgang bei den Meisen. Von Martin van der Pütten

Viele Gartenbesitzer im Rhein-Kreis haben die eher mäßige Betriebsamkeit an ihren Futterstellen für Vögel schon seit Wochen beobachtet. Jetzt bestätigt die Zählaktion "Stunde der Wintervögel" des Naturschutzbundes (Nabu) diesen Eindruck: Es gibt in diesem Winter deutlich weniger Singvögel in den Gärten und Parks als in den vergangenen Jahren.

Die Kohl- und Blaumeisen gehören zwar immer noch zu den am häufigsten vorkommenden Arten, jedoch ist ihre Zahl im Kreis im Jahresvergleich um rund die Hälfte gesunken. Ähnlich dramatisch sehen die Werte bei den Buch- und Grünfinken aus. Nicht ganz so hoch, aber bei immerhin rund einem Viertel liegt der Rückgang bei den Spatzen und Amseln.

Das Verschwinden der Vögel lässt viele Menschen im Rhein-Kreis offenbar nicht kalt. Mit 440 Teilnehmern, die je eine Stunde lang die Vögel an einer Stelle zählten und protokollierten, verzeichnet die Nabu-Aktion einen Rekordwert. "Es freut uns, dass immer mehr Bürger mitmachen, denn umso genauer werden die Ergebnisse. Wir haben im Vorfeld auch mehr Flyer verteilt", sagt Hans-Jörg Wagner vom Nabu im Rhein-Kreis Neuss.

Er rät allen Vogelfreunden, die Tiere das ganze Jahr über zu füttern und nicht nur im Winter. "Wenn so eine Futterquelle im Frühjahr auf einmal versiegt, wenn die Vögel sich daran gewöhnt haben, ist das nicht gut", erklärt Wagner.

Die Ursachen für den starken Rückgang sind für die Naturschützer noch nicht eindeutig. Es könnte ein geringer Bruterfolg im vergangenen Frühjahr gewesen sein. Aber es spielen je nach Art auch andere Faktoren eine Rolle. Bei Zugvögeln war beispielsweise eine geringe Neigung zur Wanderung zu verzeichnen. "Das gilt vor allem für jene, die im Winter häufig Besuch von ihren Artgenossen aus dem kälteren Norden und Osten bekommen. Dazu zählen auch die meisten Meisenarten", erläutert Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Die Stare beispielsweise, die es ansonsten selbst in den Süden zieht, sind derweil in großer Zahl hier geblieben. Das zeigt auch die Zählung im Kreis, bei der die Häufigkeit der Stare um 13 Prozent gestiegen ist.

Auch Krankheiten machen laut Lachmann einigen Arten zu schaffen. So habe der Usutu-Virus den Bestand der Amseln im Rheinland und am Niederrhein dezimiert, während es in den meisten anderen Regionen in Deutschland mehr Amseln als vor einem Jahr gebe. Bei den Grünfinken habe ein Parasit seit dem Jahr 2009 einen großen Teil des Bestandes dahingerafft. Das Katzen oder Raubvögel für den Rückgang verantwortlich sind, schließt Experte Lachmann hingegen aus: "Das kann nicht stimmen, da keiner dieser potenziellen Fressfeinde im Vergleich zu den Vorjahren zugenommen hat."

Hans-Jörg Wagner hofft darauf, dass sich die Populationen der Singvögelarten im Rhein-Kreis durch einen guten Bruterfolg im Frühjahr wieder erholen. "Wir müssen abwarten, nach der nächsten Zählung wissen wir mehr", sagt er. Vom 12. bis zum 14. Mai ist es wieder so weit: Dann werden bei der Stunde der Gartenvögel die Arten gezählt, die hierzulande nicht nur überwintern, sondern auch brüten.

Quelle: NGZ
 
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