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Neuss
Zentrallager von Aldi Süd ist Vorreiter bei Klimaschutz

Neuss: Zentrallager von Aldi Süd ist Vorreiter bei Klimaschutz
Holger Schneider ist seit 1998 Geschäftsführer der Aldi-Süd- Regionalgesellschaft Mönchengladbach. Er zeigt einige der insgesamt 61.000 Quadratmeter umfassenden Photovoltaikmodule auf den Dächern des Zentrallagers an der Korschenbroicher Straße.
Neuss. Photovoltaik, Holzhackschnitzelanlage, Eisheizung: Das Logistikzentrum in Mönchengladbach - von dort werden Filialen im Rhein-Kreis Neuss beliefert - gilt konzernweit als Experimentierlabor. Das schont die Umwelt - und bringt eine jährliche Energiekosteneinsparung von 400.000 Euro. Von Jan Schnettler und Isabella Raupold (Fotos)

Der Wasserspeicher für die "Eisheizung" ist schon im Boden. "Wir kühlen mit dem System unsere Besprechungsräume", sagt Holger Schneider, Geschäftsführer der Aldi-Süd- Regionalgesellschaft Mönchengladbach an der Korschenbroicher Straße. Doch der Discounter nutzt derzeit lediglich eine abgespeckte Variante des innovativen, komplett CO2-neutralen Systems, bei dem das Wasser durch die Solaranlage auf dem Dach erwärmt wird, die Wärmepumpe dem Wasser Wärme entzieht, bis es zu Eis erstarrt ist, und das Eis schließlich mittels Solarenergie wieder aufgetaut wird. Der Grund dafür sagt viel darüber aus, wie Aldi Süd den Betrieb seines Großlagers in den vergangenen Jahren sukzessive umgestellt hat. "Es gibt bisher nur synthetische Kältemittel, um dem Wasser Wärme zu entziehen", sagt Schneider. "Wir wollen aber ein rein natürliches."

So ressourcenschonend und so klimaneutral wie möglich sein - das ist das Credo, das sich das Unternehmen im Allgemeinen und in Gladbach im Speziellen auf die Fahnen geschrieben hat. Weil man - ganz getreu der Discounter-Mentalität - fest davon überzeugt ist, dass der Einsatz der bestmöglichen Technik, entsprechende Investitionen und die Sensibilisierung der Mitarbeiter am Ende auch zu massiven Kostenersparnissen führen. Das lässt sich belegen. Die Dächer aller Hallen, die zum 17 Hektar großen Areal gehören, sind mit Photovoltaikanlagen belegt - alleine 1,6 Millionen Euro investierte man, um zwei 2014 hinzugekaufte Hallen damit auszurüsten. Den Strom, der daraus gewonnen wird, nutzt Aldi Süd selbst, wohingegen der, der vom Dach der Haupthalle kommt, eingespeist wird. Auch auf mehr als 1000 Aldi-Süd-Filialen befinden sich mittlerweile Photovoltaikmodule.

Doch die "Eisheizung" und die Solarmodule sind nur zwei von mehreren Bausteinen und Maßnahmen, die Aldi Süd implementiert hat. So setzt man zusätzlich anstelle der alten Gasheizung auf eine Holzhackschnitzelanlage und ein Gas-Blockheizkraftwerk, in einer der Lagerhallen kommen Deckenstrahlplatten zum Einsatz. "Eine Niedertemperaturheizung, wie eine Fußbodenheizung in der Decke", sagt Schneider, seit 1998 Geschäftsführer der Regionalgesellschaft.

Es gibt Tageslichtkuppeln, LED-Licht, Präsenzmelder für die Beleuchtung, die Lkw-Rampen wurden speziell isoliert, so dass es keine Kältebrücken mehr gibt. Der dazu gekaufte Strom ist "echter" Ökostrom - nicht solcher, der sich den Namen durch gehandelte Zertifikate erwarb. Eine der zugekauften Hallen wurde von Grund auf saniert und energieoptimiert - "ein Neubau dürfte doppelt so viel Energie verbrauchen, wie dieses Gebäude aus dem Jahr 1978 es jetzt tut", sagt Schneider. Das ist eine echte Hausnummer.

Regenwasserzisternen versorgen die Toiletten und die Lkw-Waschanlage. Die Aldi-Lkw fahren im Gas-Diesel-Mischbetrieb. Man hat einen reinrassigen Gas-Lkw getestet, ebenso Auflieger aus Karbon. "Wir sind innerhalb des Unternehmens sicherlich so etwas wie ein Experimentierlabor", sagt der Geschäftsführer. Und ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz - innerhalb eines diesbezüglich ohnehin umtriebigen Unternehmens, das als erster Discounter für sein Energiemanagementsystem die Zertifizierung ISO 50.001 erhielt. Überall auf dem Areal hängen Tabellen, wie sich CO2-Bilanz, Heizenergie und Stromverbrauch seit Jahren sukzessive verbessern. Auf jährlich 200.000 Euro beziffert Schneider das Einsparvolumen, das alleine die 61.000 Quadratmeter Solarmodule in Mönchengladbach bringen. Die jährliche Energiekosteneinsparung durch alle Maßnahmen betrage rund 400.000 Euro - konkret bedingt durch eine Verbrauchsreduktion sowie die Umstellung der Energieträger. So sind Holzhackschnitzel schlichtweg preiswerter als Gas, bei Solarstrom entfallen die Bezugskosten.

190 Mitarbeiter arbeiten im Logistikbereich, rund 30 in der Verwaltung. 56 Filialen beliefert Aldi Süd von der Korschenbroicher Straße aus - in Gladbach, Krefeld, dem Kreis Viersen, Wegberg und Teilen des Rhein-Kreises Neuss. "Eine Region mit rund einer Million Einwohnern", sagt Halil Topkaya, Leiter Logistik. Rund 100 Lkw (eigene sowie von Spediteuren) rollen täglich vom Gelände, das von der Größe her im oberen Drittel der 31 Logistikzentren in West- und Süddeutschland rangiert. Und potenziell das größte überhaupt ist: Die Haupthalle, 1979 in Betrieb genommen, ist 36.000 Quadratmeter groß, eine der beiden von Real hinzugekauften Hallen bringt es auf 8500 Quadratmeter, die andere, derzeit an P+ M Logistik vermietete, auf 12.000.

"Schon damit, dass wir mehr als eine Halle haben, sind wir ein Unikat im Unternehmen", sagt Schneider. Zusätzlich gibt es seit Jahren eine Baugenehmigung für eine 15.000 Quadratmeter große Fläche östlich der Haupthalle, die man bis jetzt wegen der Zukäufe nicht in Anspruch nehmen musste. "Das ist ein extrem zukunftssicherer Standort", sagt Schneider. "Er hat alle denkbaren Kapazitäten und Flexibilitäten." Auch wenn man sich vor 37 Jahren in der Hoffnung auf den Ausbau der A 44 hier angesiedelt habe, aus dem letztlich nichts geworden ist.

Es ist auch Schneiders persönlicher Einsatz, der die grüne Vorreiterrolle "seines" Logistikzentrums begründet. Der gebürtige Hesse erlebte den jungen Joschka Fischer, Al Gores Klimaschutz-Buch "Wir haben die Wahl" hat ihn schwer beeindruckt. Ebenso wie das Dekret von Aldi-Süd-Gründer Karl Albrecht, der in den 70er Jahren im Zuge der Energiekrise forderte, die im Unternehmen verwendete Wärmedämmung habe besser zu sein als der gegenwärtige Stand der Technik. Schneider legt Wert darauf, dass die Holzschnitzel aus der Region kommen, er zitiert aus dem Stegreif, dass in einem Baumstamm genug Energie gespeichert ist, um eine Aldi-Filiale ein Jahr lang zu betreiben - und in 30 Stämmen genug für ein Logistikzentrum. Wenn er mal pensioniert sein wird, will er sich Gedanken machen, wie man den Tagebau Garzweiler durch Aufforstung zu einem wesentlich zukunftsträchtigeren Energielieferanten umbauen könnte.

Quelle: NGZ
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