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Neuss
Zu viel pianistischer Klangzauber bei Bach

Neuss. Die Deutsche Kammerakademie spielte im Zeughaus mit dem Duo Darius Milhaud. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Das Motto "Klang und Farbenpracht" des 5. Abokonzertes der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) ließ viele Assoziationen zu. Ob es nun um Klangfarbe oder synästhetische Erfahrungen geht, ob durch Musik versucht wird, Farblichkeit zu erzeugen, mit Klang zu malen, oder mit Kunst der Musik auf die Schliche zu kommen. Markante Beispiele derartiger Versuche gibt es auch von Paul Klee, dessen Oeuvre unzählige Verflechtungen mit Musik in sich trägt.

Dies wusste auch der ungarisch stämmige Sándor Veress (1907-1992), der in seiner "Hommage à Paul Klee für zwei Klaviere und Streicher" bestrebt war, Klees Malerei in Ton zu setzen. Assoziativ, nahezu unerschöpflich im Ausdruck und daher ausgesprochen gut hörbar, stilistisch indes ganz im Geiste seiner Lehrer Bartók und Kodály verhaftet, verklanglichte der schon früh in die Schweiz emigrierte Komponist insgesamt sieben Bilder Klees.

Diese bildeten nun den zentralen Punkt des jüngsten DKN-Konzertes im Zeughaus mit dem Duo Darius Milhaud als Gast und unter der Gesamtleitung von Nicolas Chalivin. Die Interpreten hatten sich entschlossen, dieses gut 30-minütige Werk mit einer bunten Mischung an Kompositionen zu umrahmen und öffneten in süßlichstem Streicherklang beseelt mit der "Sommernacht, pastorales Intermezzo" op. 58 des Schweizers Othmar Schoeck (1886-1957). Chalvin entlockte den Streichern der Kammerakademie - zum ersten Mal mit Stipendiatin Luiza Antonescu (Bratsche) - wohl dosiertes Flair. Kleinere intonatorische Entgleisungen in den Geigen seien erwähnt, doch wäre es kleingeistig, bei dem schwelgerischem Gesamteindruck darauf zu viel Augenmerk zu legen.

Viel grenzwertiger in mancher Hinsicht dagegen die Interpretation von Bachs Konzert für zwei Klaviere c-Moll. Ohnehin stach dieses Werk stilistisch auffällig aus dem Gesamtbogen heraus; den Schluss machte ja Brittens Simple Symphonie op.4. Dem Duo, bestehend aus den Schwestern Anaït und Armine Sogomonyan, gelang es leider - im Gegensatz zu ihrem Zugang zu Veress' Sprache - bei Bach nicht, den Ton dieser Musik adäquat zu transportieren. Die technisch makellos mit russisch geschultem Anschlag spielenden Pianistinnen schienen zu viel Wert auf Klangzauber zu legen und vernachlässigten dabei die für Bach unerlässlichen plastischen Feinheiten.

Fast postmodern klassizistisch wirkte Bachs Concerto, ganz, als ob man es an Brittens op. 4 hätte angleichen wollen. Das Stück bildete, mit viel Charme durch Orchester und Dirigent geformt, dann den Abschluss des Abends.

Quelle: NGZ
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