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Radevormwald
150 Nistkästen für Hohltauben aufgehängt

Radevormwald: 150 Nistkästen für Hohltauben aufgehängt
Als Landwirt Matthias Busch aus Rechelsiepen von dem Taubenprojekt hörte, war er sofort motiviert und wollte gerne mitmachen. Hier bringt er gerade einen von zwei Kästen auf seinem Hof an. FOTO: fennel
Radevormwald. Nach dem Fledermausprojekt 2015 starteten Jäger und Naturschutz-verein erneut ein Projekt. Mit Unterstützung des Kreises wurden Nist-kästen in der Tischlerei der Justizvollzugsanstalt Remscheid gebaut. Von Joachim Rüttgen

Das Hohltauben-Projekt ist eine Art Wohnungsbau für eine gefährdete Art. Denn der Bestand der Hohltaube ist in der Bergstadt arg geschrumpft. "Es gibt zurzeit nur wenige Exemplare, weil der Bestand dieser Tierart an die Höhlen der Schwarzspechte gebunden ist, die Tauben sozusagen als Nachmieter fungieren, der Schwarzspecht aber ebenfalls in seiner Population dezimiert ist", sagt Dietmar Fennel vom Ortsverein Radevormwald des Bergischen Naturschutzvereins (RBN).

Nachdem im vergangenen Jahr das Fledermausprojekt so gut gelaufen war, starteten die Jägerschaft Rade und der RBN jetzt erneut ein gemeinsames Projekt - dieses Mal zum Schutz der Hohltaube. Wieder mit Unterstützung des Oberbergischen Kreises wurden insgesamt 150 Hohltauben-Nistkästen in bewährter Qualität in der Tischlerei der Justizvollzugsanstalt Remscheid angefertigt. Jörg Krogull, zuständig für Natur-Umwelt-Jagdbelange des Hegerings Radevormwald, holte die Kästen ab und lagerte sie auf dem Hof Rechelsiepen. Vor einigen Tagen dann herrschte auf dem Gelände viel mehr Betrieb als an anderen Hoftagen. Denn die engagierten Jäger, per se Naturschützer, holten in Rechelsiepen die für sie reservierten Kästen ab, die teilweise noch am gleichen Tag in den Laubwaldungen angebracht wurden. "Der RBN betreut zudem einige Waldbiotope, in denen jetzt die Hohltaube eine neue Heimat finden soll. Sechs Hohltauben aus Pflegebeständen konnten bereits am 8. März in Radevormwald ausgewildert werden", berichtet Fennel.

Zuvor hatte er vor vier Jahren mal ein Taubenjunges in Rade entdeckt, vor zwei Jahren sogar ein Exemplar, das beringt war und von Belgien den Weg in die Bergstadt gefunden hatte. Fennel hofft jetzt, dass sich durch das Nistkastenprojekt der Bestand der Taube wieder stabilisiert. Positiv sei auf jeden Fall, dass auch die Volkswirtschaft umgedacht habe und wieder mehr Mischwald aufforste, in dem sich die Taube heimisch fühlt. "In einigen Jahren dürften sich die Bedingungen für die Tiere also wesentlich verbessern, mit den Nistkästen wollen wir einfach die nächsten Jahre überbrücken", sagt Fennel. Die Hohltaube (lateinisch: Columba oenas) ist wesentlich kleiner als die bekannte Ringeltaube. Sie ähnelt einer schmuddelig-blauen Stadttaube mit unterbrochenen Flügelbinden und glänzenden grünen Flecken an den Halsseiten. Im Gegensatz zur Stadttaube bevorzugt diese Taube Altholzbestände mit Schwarzspechthöhlen.

"Durch menschliche Aktivitäten wie Waldrodungen und der Wandlung forstlicher Betriebsformen sowie anderer teils unbekannter Faktoren, wurden die Hohltaubenpopulationen negativ stark beeinflusst", berichtet Fennel. Wo die Hohltaube kaum noch Bruthöhlen in alten Bäumen fand, zog sie auch als Untermieter in Fuchs- und Kaninchenbauten ein. Auch Spezial-Nistkästen werden gerne von dieser Taube angenommen.

"Hohltauben brüten zwar im Wald, suchen aber in der Feldflur Nahrung. Es ist daher möglich und auch belegt, dass Hohltauben eng zusammen, fast kolonieartig brüten können", erläutert Fennel. Die Hohltaube liebe hallenartige Althölzer, wo sie vom Nistkasten aus auf den Erdboden schauen kann. Mehrschichtig aufgebaute Bestände würden dagegen nur besiedelt, wenn zumindest ein freier Anflug zum Nistkasten bestehe.

Positiver Nebeneffekt: Auch Dohlen, Rauhfußkäuze, Eichhörnchen, Siebenschläfer und sogar Baummarder könnten sich nach Angaben von Fennel für das neue Wohnungsangebot durch die Nistkästen in Rade interessieren.

Quelle: RP
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