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Radevormwald
17-Jähriger verunglückt mit gestohlenem Auto

Radevormwald: 17-Jähriger verunglückt mit gestohlenem Auto
Vorne keine Kennzeichen und hinten geklaute Kennzeichen aus Remscheid: Am silberfarbenen Opel Corsa des 30-jährigen Feuerwehrmanns aus Hückeswagen entstand nach dem schweren Unfall an der B 237 Totalschaden. FOTO: feuerwehr
Radevormwald. Zunächst wird einem Feuerwehrmann vor der Wache sein privates Fahrzeug entwendet, dann passiert damit ein schwerer Unfall. Von Joachim Rüttgen

Einen spektakulären und zumindest für einen Hückeswagener Feuerwehrmann auch kuriosen Einsatz erlebten Polizei und Feuerwehr am Dienstagabend. Der Tag endete für einen 17-Jährigen aus Wipperfürth äußerst schmerzhaft, denn bei dem Versuch, sich einer Polizeikontrolle zu entziehen, verunglückte der Jugendliche und zog sich schwere Verletzungen zu.

Wie die Leitstelle der Polizei mitteilte, war einer Streifenwagenbesatzung um 23.25 Uhr am Bergischen Kreisel in Hückeswagen ein Auto aufgefallen, das auf die Beschreibung eines nur wenige Stunden zuvor in der Schloss-Stadt gestohlenen Fahrzeugs passte. Nachdem die Beamten dem Autofahrer Anhaltezeichen gegeben hatten, beschleunigte dieser seine Fahrt in Richtung Wipperfürth.

Im Verlauf einer kurzen Verfolgungsfahrt über Goethestraße, Bahnhofstraße, Peterstraße und Montanuskreisel raste der Jugendliche nicht, sondern war mit Tempo 50 bis 60 unterwegs. Dennoch verlor der 17-Jährige an der Einmündung der B 237 zur Bevertalstraße am Ende einer langgezogenen Rechtskurve die Kontrolle über den silberfarbenen Opel Corsa, geriet ins Schleudern und kam nach links von der Fahrbahn ab. "Dabei brach das Heck aus, das Fahrzeug rutschte eine Böschung herab und prallte gegen einen Baum", sagt Polizeipressesprecherin Monika Treutler.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde der Jugendliche in dem stark beschädigten Fahrzeug eingeklemmt und musste durch die Feuerwehr befreit werden. Der 17-Jährige wurde nach notärztlicher Versorgung mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht. An dem gestohlenen Wagen, der vorne gar keine und hinten mit in Remscheid geklauten halb herabhängenden Kennzeichen versehen war, entstand Totalschaden. Die Bundesstraße 237 blieb für die Dauer der Unfallaufnahme für etwa zwei Stunden gesperrt. Der Jugendliche war nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis, teilte Monika Treutler mit.

Kurios waren die weiteren Details zu dem Diebstahl des Fahrzeugs, die im Laufe des gestrigen Vormittages bekannt wurden: Demnach hatte ein Hückeswagener Feuerwehrmann Anzeige bei der Polizei erstattet, weil sein Auto vor der Wache an der Bachstraße zwischen 20.25 und 20.30 Uhr gestohlen worden war. "Der 30-Jährige hatte seinen Motor bereits gestartet, musste dann aber noch mal kurz zurück ins Feuerwehrwehrhaus. Als er zurückkam, war sein Auto verschwunden", sagte Monika Treutler.

Stadtbrandinspektor Karsten Binder bestätigte den Hergang im Gespräch mit unserer Redaktion. "Genauso hat mir der Kollege den Vorfall noch am Dienstagabend auch geschildert", sagte er. Seine Kollegen hätten sich an dem Abend im Feuerwehrhaus getroffen, und als das Meeting beendet war, seien die Scheiben der Autos beschlagen, feucht und zugefroren gewesen. Der 30-Jährige wollte für ausreichend Belüftung sorgen - und nach kurzer Zeit war der Wagen weg.

"Das war wie in einem schlechten Film", berichtete der junge Mann gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Da sein Wagen schon älter sei und auch innen zufriere, habe er nach Ende des Treffens auf dem Parkplatz schon mal den Motor gestartet, um dann schnell seine Utensilien aus dem Feuerwehrhaus zu holen. "Als ich zurückkam, stellte ich sofort fest, dass mein Wagen weg war", sagte er.

Zunächst habe er noch an ein Späßchen gedacht, aber nachdem er sich die Videoaufzeichnung vom Parkplatz, die kontinuierlich 24 Stunden lang rund ums Feuerwehrhaus an der Bachstraße geschaltet ist, angesehen hatte, war klar, dass es sich um ein Fahrzeugdiebstahl handelt. "Man konnte auf den Aufnahmen deutlich zwei Personen erkennen", sagte der 30-Jährige. Sofort verständigte er die Polizei, die umgehend eine Fahndung einleitete.

Als dann die Alarmierung zu dem Unfall an der B 237 reinkam, machte sich auch der 30-Jährige zusammen mit seinen Kollegen vom Löschzug Stadt auf zum Unfallort - um dort festzustellen, dass es sich um seinen Wagen handelte, der verunglückt war. "Ich bin Profi genug, dass ich Emotionen in so einer Situation ausblenden kann und nur Rettungskraft bin, aber im Nachhinein macht man sich schon seine Gedanken", berichtete er.

Mit seinem feuerwehrtechnischen Hintergrundwissen habe er bei dem Einsatz hilfreiche Tipps geben können, wie man den 17-Jährigen am bestens aus seinem Wagen befreien konnte. "Aber ich grübele jetzt schon darüber, wie skrupellos jemand sein muss, um einem Feuerwehrmann vor der Wache das Auto zu stehlen", sagte er.

Der 17-jährige mutmaßliche Täter ist der Polizei zuvor noch nicht aufgefallen. Bei seiner Vernehmung gab er an, dass er am Dienstagabend mit einem anderen 17-Jährigen aus Hückeswagen unterwegs war und sie beide gemeinsam das Kennzeichen in Remscheid gestohlen hätten.

Nachdem er seinen Kumpel nach Hause gefahren hatte, wurde die Polizei auf ihn und das gestohlene Fahrzeug aufmerksam.

Quelle: RP