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Radevormwald
30 Stunden Gemeindearbeit pro Woche als Hobby

Radevormwald. Gisela Busch (Reformierte Kirchengemeinde) ist Vorsitzende des Presbyteriums. Die Verantwortung macht ihr Spaß. Von Marion Gerdel

Stark in ihrem Glauben - und stark, wenn es darum geht, sich für andere einzusetzen. Das ist Gisela Busch, die erneut den Vorsitz des Presbyteriums der Reformierten Kirchengemeinde innehat. 2002 wurde sie zum ersten Mal Mitglied des Presbyteriums, dem sie seit 2008 vorsitzt. "Für Pfarrer Dr. Dieter Jeschke ist es in Ordnung, dass ich dieses Amt bekleide", sagt sie. "Obwohl es eigentlich Usus ist, dass der Pfarrer der Gemeinde den Vorsitz übernimmt."

Ihre Aufgaben als Vorsitzende des Presbyteriums sind sehr umfangreich. Mit den anderen Mitgliedern muss besprochen werden, was mit den Einnahmen aus Steuern, Vermietungen und Verpachtungen geschieht, Beschlüsse müssen vorbereitet und geplant werden. Die Arbeiten, die vom Presbyterium beschlossen werden, werden dann von ihr umgesetzt. "Wir treffen uns elf Mal pro Jahr, und da gibt es auch keine Routine", sagt sie. "Immer gibt es spezielle Aufgaben, die wir lösen müssen."

2016 soll intensiv genutzt werden, die Kirche wieder für Kinder und Jugendliche interessant zu machen. "Viele kommen nicht mehr aus einem christlich geprägten Umfeld", erklärt Gisela Busch. "Wir versuchen, über Kindergottesdienste und eine neue Form der Konfirmandenarbeit die Altersstruktur in der Kirche wieder nach unten zu drücken."

Eine weitere wichtige Aufgabe für das Presbyterium ist es, Spenden für die Reinigung der Orgel zu sammeln. "Wir wollen das wichtige Instrument auch in diesem Jahr in den Mittelpunkt vieler Aktionen rücken, um die Spendenbereitschaft zu erhöhen", sagt sie. Neben ihrer Arbeit als Presbyteriumsvorsitzende ist die Rentnerin auch in der Kreissynode aktiv. Dort vertritt sie die Belange der Rader Gemeinde und ist auch mitverantwortlich für die Entscheidungen. Aus der Kreissynode heraus wurde sie 2012 als Vertreterin in die Landessynode der Rheinischen Landeskirche gewählt. Die Beratung und Verabschiedung von Kirchengesetzen, Aufgaben wie die Erstellung neuer Friedhofssatzungen oder Festlegung von Vorgaben für die Auswahl und Abnahme von Theologiestudenten, die den Pfarrberuf ergreifen möchten, gehören dort mit zu ihren Aufgaben.

"In diese Arbeiten wächst man hinein oder besucht Lehrgänge", erzählt die ehemalige Biologielaborantin. Wichtig seien ein gesunder Menschenverstand sowie Interesse für den Glauben und die Gemeinde. 30 Stunden pro Woche kommen für die Kirchenarbeit zusammen. Aktuell sind es einige mehr, da die Gemeinde seit der Verwaltungsumstellung nur noch ein kleines Vorortbüro hat, in dem sie oft aushilft. "Das macht mir aber nichts aus", sagt die 64-Jährige. "Für mich ist das eine Art Hobby. Als ich mit der Kirchenarbeit begonnen habe, war es mir vor allem wichtig, den christlichen Glauben weiterzugeben. Dass es sich so entwickelt hat, war einfach nicht vorhersehbar." Das Einzige, was sie bedauert, ist die Tatsache, dass sie sich durch ihre wachsenden Aufgaben immer mehr mit Verwaltungsarbeiten beschäftigen muss und die Arbeit mit den Menschen auf der Strecke bleibt.

Dennoch bekleidet sie ihre Ämter gern. "Die Verantwortung macht mir Spaß. Ich könnte mir aber auch vorstellen, noch mehr zu machen; mich zum Beispiel in die Flüchtlingsarbeit einzubringen, aber dafür fehlt mir die Zeit", bedauert sie. "Manchmal überlege ich schon, einige Aufgaben zu reduzieren, damit ich mehr Zeit für andere habe." Selbst in ihrer knappen Freizeit denkt sie mehr an andere als an sich. Denn neben Reisen, Lesen und Spazierengehen, wo sie sich auch einmal entspannt, ist sie auch noch in der Hospizberatung tätig.

Die gute Gemeinschaft im Presbyterium, in dem jeder für den anderen einsteht, entschädigt sie für ihren Aufwand. "Eine gute Diskussion wie im Glaubensforum oder beim Bibelgesprächskreis, das sind Dinge, die mir Freude machen", sagt sie. "Hier überlegen wir, was das, was in der Bibel steht, für unsere heutige Lebensweise bedeutet. Es ist wichtig, dass wir unseren eigenen Kopf einschalten, und nicht nur wiedergeben, was ein Papst uns vorgibt. Daher ist es für mich auch wichtig, eine evangelische Christin zu sein!", sagt Gisela Busch.

Quelle: RP
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