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Radevormwald
Abenteuerliche Fahrt auf alter Schiene

Radevormwald: Abenteuerliche Fahrt auf alter Schiene
Unvergleichliches Erlebnis: Die Kombination aus Industriegeschichte und unberührter Natur entlang der Wupper macht eine Draisinen-Fahrt aus. In Dahlhausen ist man dann gut zweieinhalb Stunden unterwegs gewesen, hat 15 Kilometer gestrampelt - und ist um eine tolle Erfahrung reicher. FOTO: wolfgang weitzdörfer
Radevormwald. Die Draisinen-Saison hat wieder begonnen. Der Verein Wuppertrail fährt seit Anfang März auf der alten Bahnstrecke zwischen Wuppertal-Beyenburg und Radevormwald-Wilhelmsthal. Eine solche Fahrt macht viel Spaß - und hält fit. Von Wolfgang Weitzdörfer

Langsam setzen sich drei Vierer-Draisinen am Bahnhof Dahlhausen in Bewegung. Man merkt noch, dass die Saison gerade anfängt: Von den fünf Tagen, an denen der Verein Wuppertrail auf der Bahnstrecke zwischen Beyenburg und Wilhelmsthal die beliebten Fahrten mit der Draisine anbietet, haben die Mitarbeiter noch an nur wenigen zu tun. Das wird sich bald ändern - und eine Probefahrt, bei der man nicht anstehen muss, hat auch was. "In der Hauptsaison hat man Pech, wenn man auf gut Glück kommt", sagt Marcus Kampmann.

Der 40-Jährige aus Lennep ist in der zweiten Saison Draisinenbegleiter. Mit seinem dichten Vollbart wirkt er fast wie ein echter Lokomotivführer aus alten Zeiten. "Ab Mai sind wir praktisch ausgebucht - und in der Hauptsaison muss man für seine Fahrt sechs Wochen Vorlauf einplanen", sagt er. Eine Fahrt mit der Draisine ist ein richtiges Erlebnis. Nicht nur, dass man die genau gleichen Geräusche und Erschütterungen wie im Regionalzug viel lauter und hautnaher erlebt, während die Räder über die Schienen rumpeln. Auch die Kombination aus Industriegeschichte und unberührter Natur entlang der Wupper ist unvergleichlich.

Behindertengerechte Draisinen gibt es auch. FOTO: barg

Der Blick fällt auf die Draisine an der Spitze. Darin sitzt Wuppertrail-Vorsitzender Armin Barg mit dem zweiten Begleiter Ingo Vogelsang, der für die Streckensicherung zuständig ist. Hinter beiden liegen eine Motorkettensäge, eine große Astschere und weiteres Gartenwerkzeug. "Das haben wir immer dabei, denn es kann im Wald stets vorkommen, dass ein Ast quer liegt oder ein ganzer Baum auf die Gleise gestürzt ist", sagt Kampmann.

Zu Saisonbeginn haben die Vereinsmitglieder die Strecke ordentlich herausgeputzt. Auch die Gleiszwischenräume an Bahnübergängen sind von Erde befreit, damit die Draisinen drüber rollen können. Von Dahlhausen geht es nach Wilhelmsthal. Hier werden die Draisinen gewendet. Was zunächst nach einer praktisch kaum lösbaren Aufgabe aussieht, geht erstaunlich einfach. Die Begleiter haben ein einer Sackkarre nicht unähnliches Gerät dabei, mit dem die Draisinen rustikal gedreht werden. "Bei manchen Gruppen fragen wir auch, wie man das bewerkstelligen kann", sagt Kampmann schmunzelnd. Die einfachste Methode ist oft schnell gefunden: "Vier Ecken, vier Mitfahrer - hochheben, drehen, fertig", sagt der 40-Jährige. Die Vier-Draisine wiegt nur 80 Kilogramm.

Dann geht es zurück Richtung Dahlhausen. Schnell werden die Weichen gestellt, so dass die Draisinen nicht in den Bahnhof fahren, sondern runter Richtung Dahlerau ordentlich Geschwindigkeit aufnehmen können. "Man muss aber den Bremsweg beachten - der liegt je nach Geschwindigkeit und Feuchtigkeit bei 100 bis 200 Metern", sagt Vogelsang. Vorbei geht es an der alten Textilfabrik Schürmann und Schröder in den Bahnhof Dahlerau. "Jetzt langsam", sagt Kampmann, "hier kommt die Flaschenweiche!" Es rumst ordentlich, als die Draisine über die Weiche fährt. "Da ist mir bei meiner ersten Fahrt die Wasserflasche aus dem Halter gefallen", sagt der 40-Jährige.

Nun geht es nach Remlingrade, mitten durch unberührte und - abgesehen vom Rattern der Draisinen - wundervoll stille und friedliche Natur, vorbei an der alten Textilfabrik Wülfing. Am Ziel müssen die Draisinen von Hand in die richtige Fahrtrichtung gedreht werden. In Dahlhausen war man gut zweieinhalb Stunden unterwegs, hat 15 Kilometer gestrampelt - und ist um eine tolle Erfahrung reicher.

Quelle: RP
 
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