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Radevormwald
Ärzte verärgert über Bereitschaftsreform

Radevormwald. Die bisherigen Bezirke im Oberbergischen Kreis wurden zusammengelegt. Deshalb müssen die Mediziner künftig längere Strecken zum Patienten auf sich nehmen. Auch Radevormwald ist davon betroffen. Es gab bereits eine erste Konsequenz. Von Merlin Bartel

Die Nachricht sorgt unter Medizinern für große Aufregung: Die Notfallbereitschaften von Ärzten im Oberbergischen Kreis werden in drei Bezirke zusammengefasst. Bislang war die Region in kleinere Gebiete aufgeteilt. Ab 1. Januar besteht der Norden aus Radevormwald, Hückeswagen, Wipperfürth und Lindlar, zur Mitte gehören Marienheide, Gummersbach, Engelskirchen, Bergneustadt und Reichshof nördlich der A 4, der südliche Teil von Reichshof, Wiehl, Nümbrecht, Waldbröl und Morsbach bilden den Südbezirk.

Für enorme Verärgerung sorgt die Verteilung der Dienste: In Oberberg Mitte teilen sich 158 Ärzte den Bereitschaftsdienst, im Norden und Süden nur jeweils 104 - dadurch müssen die Mediziner in diesen Bereichen etwa ein Drittel mehr Dienste übernehmen. "Über die Entwicklung sind unsere Kollegen nicht glücklich", sagt Karsten Fleck, bisheriger Obmann der Rader Ärzte.

In jedem der Bezirke sind in Zukunft zwei Ärzte tätig: Einer arbeitet in der Notdienstpraxis, der andere hat Fahrdienst und macht Hausbesuche bei Patienten. Schwere Verletzungen wie Knochenbrüche werden in den Ambulanzen der Krankenhäuser behandelt. Die Hausärzte beginnen ihren Notdienst, wenn die Praxen geschlossen sind: Mittwoch- und Freitagnachmittag, abends, nachts und am Wochenende.

"Die Neuregelung bringt viele Nachteile für uns mit sich", sagt Fleck. "Wir hätten es gerne bei der bisherigen Regel belassen." Mediziner in Wipperfürth und Lindlar übernahmen bislang 15 Dienste pro Jahr, in Radevormwald und Hückeswagen zehn. Ab 2018 muss jeder Arzt acht bis neun Dienste übernehmen. "Wir haben dann zwar seltener Dienst, aber dafür wird die Arbeit aufwendiger. Schließlich müssen wir mehr Patienten behandeln", sagt Karsten Fleck.

Aus der Dienstreform hat er einen persönlichen Schluss gezogen: Den Rücktritt vom Amt des Obmanns. Auch der Hückeswagener Obmann Helmut Beckert sowie der Wipperfürther Notdienstkoordinator Norbert Ziegler gaben ihre Ämter ab. "Bislang konnten wir den Wochenenddienst von unserer Praxis aus machen", sagt Fleck. "Durch die Neuregelung haben wir unseren Sitz jedoch in Wipperfürth. Nicht jeder Patient ist bereit, dorthin zu fahren. Weichen viele auf die Ambulanz im Krankenhaus aus, könnte das zu einer Überlastung führen."

Außerdem sind die Strecken im neuen Zuständigkeitsbereich weiter: Die Fahrt von Radevormwald nach Lindlar dauert etwa 45 Minuten. "Das könnte ein Problem werden, denn die Zeit fehlt beim Patienten", sagt Karsten Fleck. Laut einer Datenerhebung des Oberbergischen Hausärzteverbands sind bei einer 24-Stunden-Schicht am Wochenende bis zu 14 Einsätze zu fahren.

Hintergrund der neuen Regelung ist der Hausärztemangel: Jeder fünfte Hausarzt im Kreis ist älter als 60 Jahre, Tendenz steigend. Bis 2023 erreicht jeder vierte Arzt die Altersgrenze. Zudem ist eine Landflucht von Ärzten in die Großstädte festzustellen. Dort gibt es mehr Ärzte pro Einwohner und damit auch weniger Bereitschaftsdienste für den Einzelnen.

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Oberberg zahlt jedem Arzt pro Patient 78 Euro plus ein Kilometergeld. Die KV sieht die Bereitschaftsreform als Fortschritt an: "Die Neuerung ist nötig, um konkurrenzfähig zu bleiben und um junge Ärzte ins Bergische zu holen", argumentiert Renate Krug-Peltier, Vorsitzende der KV Oberberg. Eine geringe Anzahl an Diensten sei ein gutes Argument. So würden sie sich eher in Oberberg niederlassen und die Nachfolge eines älteren Hausarztes antreten. Die Reform sei eine "zukunftsorientierte Lösung", sagt die Vorsitzende. Die KV-Zentrale in Düsseldorf und die Ärztekammer haben sie bereits genehmigt.

Quelle: RP
 
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