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Radevormwald
Aktionstag für eine "demenzfähige Gesellschaft"

Radevormwald: Aktionstag für eine "demenzfähige Gesellschaft"
Susanne Bäcker (Mitte) vom Demenz-Netzwerk mit Johann Pavenstegt (Seniorenbeirat) und Brigitte Balve, die sich am Demenzparcours versuchen. BM-Foto: J. Moll FOTO: Moll Jürgen
Radevormwald. Das Demenz-Netzwerk Radevormwald und der Verein "aktiv55plus" informieren auf dem Marktplatz zum Thema "Demenz geht uns alle an". Von Wolfgang Weitzdörfer

Die Hände greifen durch zwei Löcher in einen Holzkasten. Darin befindet sich ein Schuh, die Schnürsenkel sind herausgelöst. Man sieht die Situation aber nur spiegelverkehrt. Und scheitert in aller Regel an dieser so einfachen Aufgabe. Das Ganze lief unter dem Motto "Demenz-Parcours". Das Demenz-Netzwerk Radevormwald und der dazugehörige Trägerverein "aktiv55plus" zeigten auf diese einfache und doch effektive Art und Weise gestern im Rahmen des Wochenmarkts allen Interessierten, wie es sich anfühlen kann, an einer dementiellen Erkrankung zu leiden. Wenn eben die einfachsten und simpelsten Handgriffe nicht mehr sitzen.

Ein weiterer Kasten war am Stand aufgebaut. Dort konnten die Freiwilligen versuchen, einen Stern auszumalen. Spiegelverkehrt. Was in aller Regel nicht funktionierte: "Nach einer langen Übungszeit hat es das Gehirn verstanden. Aber bis es soweit ist, verfahren wir genauso, wie es Demenzkranken passiert", sagte Susanne Bäcker vom Demenz-Netzwerk. Die beiden Übungen dienten der Anschaulichkeit, sagte sie weiter: "Den Demenz-Parcours gibt es seit bestimmt zehn Jahren." Kyra Springer von "aktiv55plus" freute sich über die Teilnahmebereitschaft der Rader: "Viele trauen sich erst nicht. Aber wenn sie es dann ausprobieren, kommen ganz automatisch viele Fragen."

Der Aktionstag am Mittwoch war dreigeteilt, wie Springer weiter ausführte: "Zum einen waren wir auf dem Wochenmarkt präsent. Dabei wurden wir von Norman Maierle und Peter Ottersbach von der örtlichen Provinzial-Niederlassung logistisch unterstützt." Um 13 Uhr starteten dann etwa 15 Teilnehmer zum Demenz-Lauf, der über eine Strecke von etwa viereinhalb Kilometern führte. "Ein Zwischenstopp ist bei der Tagespflege Bergerhof, das Ziel ist das Haus der Begegnung", sagte Springer. Dort warte eine Stärkung in Form von Pasta auf die Läufer, unter die sich auch Arnd Bader mischte. Der Remscheider, der zu den wohl lauffreudigsten Bürgern der Nachbarstadt zählt und Mitarbeiter des Demenz-Servicezentrums Bergisches Land ist, war von der Aktion begeistert: "Ich laufe sehr gerne mit. Denn es besteht nach vielen Studien ein großer Zusammenhang zwischen Bewegung und dem Auftreten von Demenz", erklärte Bader. So könne durch die Kombination von Mobilität, kognitivem Training und richtiger Ernährung der Ausbruch von Alzheimer zwar nicht verhindert, wohl aber um Jahre hinausgezögert werden.

Für Kyra Springer, die selbst auch am Lauf teilnahm, war die sportliche Aktion vor allem ein Zeichen: "Wir laufen heute für eine demenzfähige Gesellschaft", sagte sie. Ihrer Meinung nach gehe die Gesellschaft falsch ans Thema Demenz heran. "Man hilft, aber manchmal eben auch zuviel", sagte Springer. Sie führte das Beispiel einer älteren Dame an, die zu Hause wunderbar zurechtkam, aber Hilfe bei finanziellen Fragen benötigte: "Da wird schnell gesagt: Oh, die arme Frau! Die muss in eine Einrichtung", sagte Springer. Dabei könne die besagte Frau noch wunderbar selbstständig leben, wenn sie nur ein bisschen Hilfe bekommen würde. "Diese Fragen treiben uns um. Denn es ist oftmals auch eine wirtschaftliche Frage: Die ältere Frau aus dem Beispiel kostet die Gesellschaft sehr viel weniger, wenn sie zu Hause wohnt. Das selbstständige Leben ist also auch die wirtschaftlich sinnvollere Lösung", sagte Springer.

Quelle: RP
 
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