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Radevormwald
Als Zahnarzthelfer alleine unter Frauen

Radevormwald: Als Zahnarzthelfer alleine unter Frauen
Niclas Stettnisch (19) absolviert eine Ausbildung zum zahnmedizinischen Fachangestellten und ist mit seiner Entscheidung absolut zufrieden - trotz fehlender männlicher Kollegen in der Praxis von Katharina Leonhardt. FOTO: Nico Hertgen
Radevormwald. Niclas Stettnisch hat einen für Männer ungewöhnlichen Berufsweg eingeschlagen: Er lässt sich zum zahnmedizinischen Fachangestellten ausbilden. In der Praxis ist er ausschließlich von Frauen umgeben. Der 19-Jährige nimmt's gelassen. Von Sigrid Hedderich

Die Zahnärztin nimmt das Gebiss ihrer Patientin ganz genau unter die Lupe. Mit prüfendem Blick spricht sie Zahlen und lateinische Wörter aus. "Eins - fünf - Okklusol". Niclas Stettnisch versteht, er nickt und schreibt eifrig den Befund der Ärztin in die Karteikarte. Der 19-jährige Ennepetaler ist noch neu in der Praxis an der Bredderstraße. Doch weiß er schon genau Bescheid, was die Medizinerin meint.

Katharina Leonhardt kann sich schon gut auf ihren neuen Auszubildenden verlassen. Er hält alle Details gewissenhaft fest und kann ihr auch am Behandlungsstuhl zur Hand gehen. "Ich wurde hier sehr lieb aufgenommen und fühle mich richtig wohl", sagt Niclas Stettnisch. Für ihn hat gerade die dreijährige Ausbildung zum zahnmedizinischen Fachangestellten begonnen, deren weitverbreitende Bezeichnung immer noch Zahnarzthelfer, besser Zahnarzthelferin, ist.

Niclas ist als junger Mann in diesem Beruf einsam. Seine Kollegen - samt Chefin - sind alle weiblich. "Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass alle um mich herum erst einmal schmunzeln, wenn ich meine berufliche Tätigkeit benenne", sagt der junge Auszubildende. Dass er einmal in einer Zahnarztpraxis landet, davon habe er als Junge nie geträumt. "Natürlich hatte ich auch die klassischen Berufswünsche wie Autotechnik oder einen Bürojob", erinnert er sich.

Doch ein Berufspraktikum als Bürokaufmann öffnete ihm die Augen. "Immer nur am Schreibtisch sitzen, das gefiel mir nicht so richtig", sagt er. Aus seinem Freundeskreis erreichte ihn der Tipp nach seinem Fachabitur, sich mal im medizinischen Bereich umzuschauen. Eine Freundin, selber Arzthelferin, machte dem jungen Mann den Vorschlag, versuchsweise Bewerbungsunterlagen an Praxen zu senden. Es klappte nicht gleich. Ein Zahnarzt sagte, er habe mit männlichen Helfern keine gute Erfahrung gemacht.

Eine Probezeit in einer weiteren Praxis folgte doch, aber hier stimmte die Chemie innerhalb des weiblichen Kollegenkreises nicht. "Ich nahm Kontakt mit Frau Leonhardt auf und konnte im Dezember hier mit meiner Ausbildung starten", sagt Niclas. "Seine ganze Art hatte mich sehr beeindruckt. Daher habe ich ihn gerne eingestellt", sagt die Chefin. Er sei ein sehr positiver Mensch und strahle eine so gute Aura aus. "Die Chemie stimmte sogleich - zwischen mir und auch im Kollegenkreis", freut sich Katharina Leonhardt. Sie schätzt sehr, dass Niclas gerne zu Scherzen aufgelegt ist und auch über sich selbst lachen kann. "Ich spüre schon sehr genau, wenn ein Patient Angst hat. Da weiß ich fast immer einen kleinen Scherz oder ein kurzes, ablenkendes Gespräch", sagt er.

Besonders die kleinen Patienten haben es ihm angetan. Diesen möchte er gerne einen angenehmen Behandlungsverlauf vermitteln. "Wenn der Zahnarztbesuch positiv verläuft, haben die Kinder später im Erwachsenenalter auch keine Angst mehr ", sagt er. Schlechte Erfahrungen habe er selbst nie machen müssen und daher auch kein mulmiges Gefühl auf dem Stuhl. "Aber ich erinnere mich noch daran, dass es bei meinem Zahnarzt immer so öd und traurig ablief. Das möchte ich hier etwas anders vermitteln", sagt er.

Seine Fröhlichkeit wirkt ansteckend. Seine Kolleginnen schätzen ihn und zeigen viel Geduld mit ihm, gelingt ein Handgriff nicht sofort. Besonders erheitern ihn Patienten, die ihn für einen neuen Arzt halten und ihn mit ängstlichem Blick nach einer Betäubung fragen. "Die meisten wundern sich sehr, wenn ich ihnen dann erkläre, dass ich der Zahnarzthelfer bin."

Quelle: RP
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