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Radevormwald
Alterseinsamkeit wird zunehmen

Radevormwald: Alterseinsamkeit wird zunehmen
Das Podium bildeten die beiden THG-Schülerinnen Friederike Kerkhoff und Elisa Ziegler mit Dejan Vujinovic, Frank Nipken, Kyra Springer, Dieter Jeschke und Wolf-Rainer Winterhagen. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Das Thema "Wie will ich leben, wenn ich älter bin?" wurde in der ersten Veranstaltung im neuen "Haus der Begegnung" gemeinsam erörtert. Seniorenbeirat und Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums hatten das Thema vorbereitet. Von Wolfgang Weitzdörfer

Es war eine Begegnung von Alt und Jung in einem für die Stadt neuen Gebäude: Der Seniorenbeirat hatte in das neue "Haus der Begegnung" am Schlossmacherplatz geladen, um mit Schülerinnen des Theodor-Heuss-Gymnasiums und fünf Gästen über das Thema "Wie will ich leben, wenn ich älter bin?" zu sprechen. 80 Gäste schauten sich die neuen Räume an. Auf dem Podium waren Kyra Springer vom Trägerverein "aktiv55plus", Frank Nipken (Beigeordneter), Dejan Vujinovic (Demografieausschuss), Pfarrer Dieter Jeschke und Seniorenbeiratsmitglied Wolf-Rainer Winterhagen. Die Diskussion leiteten die beiden Q2-Schülerinnen Friederike Kerkhoff und Elisa Ziegler. Zuvor erläuterten die Schüler der neunten Jahrgangsstufe die Ergebnisse ihrer Umfrage.

Sie wurde unter älteren Bürgern gemacht, die die Schüler auf dem Wochenmarkt ansprachen. "Dadurch ergibt sich die breite Altersstruktur", sagte Lehrerin Nadja Peterson, die das Projekt begleitete. Im Differenzierungskurs Politik und Wirtschaft der Stufe neun des THG wurden Fragen gestellt, wie: "Sind Sie zufrieden mit den Angeboten für Ältere?" oder "Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie Sie später leben möchten?" Darauf aufbauend stellten die Schülerinnen den Podiumsteilnehmern Fragen.

Und die Schüler des Sozialwissenschaften-Grundkurses hatten sich weitere interessante Fragen ausgedacht. Etwa habe sich aus der Umfrage ergeben, dass die meisten Menschen im Alter lieber weiterhin in ihrem gewohnten Umfeld wohnen möchten, sagte Kerkhoff. Außerdem wurde die Frage gestellt, wie die Stadt helfen könne, Radevormwald an die veränderten Bedürfnisse einer immer älter werdenden Gesellschaft anzupassen: "Was ist bereits geschehen - und wie wichtig ist es, dass ältere Menschen selbst aktiv werden?", fragte Ziegler. Nipken antwortete direkt: "Man kann niemanden zu einer bestimmten Wohnform zwingen, alles ist freiwillig. Der Markt selbst kann die Wohnbedürfnisse von gebrochenen Biografien nicht richten." Das Thema "Wohnen im Quartier" werde in Rade kommen: "Die Stadt wird keine in sich geschlossenen Wohneinheiten mehr bauen, es soll immer eine Mischung aus Mietwohnungen und Einfamilienhäusern geben", sagte Nipken. Ein weiteres Thema sei der Breitbandausbau: "Rade ist in Oberberg führend, auch wenn das noch nicht überall so gesehen wird: Es sind noch 300 Wohnungen, die mit dem schnellen Internet verbunden werden müssen, und da sind wir dran", sagte Nipken. Einsamkeit im Alter ist ein Thema, das ebenfalls immer größeren Stellenwert einnimmt: "Wie kann man gegen die Angst vor dem Alleinsein im Alter vorgehen?", lautete folgerichtig eine Frage der THG-Schüler. Pfarrer Dieter Jeschke war hier der gewählte Ansprechpartner: "Es gibt kein Patentrezept. Aber es gibt viele Studien, die prognostizieren, dass die Alterseinsamkeit zunehmen wird."

Jeschke setzt auf eine Kombination aus Angebot und Eigeninitiative: "Eine Kultur der Wachsamkeit kann helfen." Kyra Springer ergänzte: "Wenn man einen Menschen in der eigenen Umgebung sieht, der von Einsamkeit bedroht ist, sollte man ihn ansprechen. Oder uns als Verein oder die Kirchengemeinde, in der der Mensch ist." Indem man selber achtsam sei, könne man andere aus der Einsamkeit herausholen.

Für die Schülerinnen war die Veranstaltung eine tolle Erfahrung: "Es war toll, einmal solch eine Debatte zu leiten, man bekommt da einen ganz anderen Blickwinkel auf das Thema", sagte Frederike Kerkhoff. Elisa Ziegler ergänzte: "Wir waren selbst ganz überrascht, welche Antworten und Beiträge von den Diskussionsteilnehmern kamen." Beide freuten sich vor allem darüber, dass alles so gut geklappt hat, obwohl das Thema ihrer Altersgruppe überhaupt nicht entspreche: "Man kann jetzt auch ganz anders auf die Themen reagieren", sagte Kerkhoff.

Quelle: RP
 
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