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Radevormwald
Anonyme Spurensicherung hilft Opfern

Radevormwald. Mit einem Kooperationsprojekt soll Frauen, die sexualisierte Gewalt erlitten haben, geholfen werden. Von Joachim Rüttgen

"Eine weitere Lücke im sozialen Netz wird geschlossen!" Mit diesen Worten gibt der Sozialdezernent des Oberbergischen Kreises, Ralf Schmallenbach, den Startschuss für das Kooperationsprojekt "Anonyme Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt im Oberbergischen Kreis" - kurz: ASS Oberberg.

In Deutschland erlebt jede siebte Frau schwere sexualisierte Gewalt. Nur in fünf Prozent der Fälle erfolgt eine Anzeige. Die wenigsten Täter werden verurteilt, nur in drei von 100 Fällen erfolgt die Beschuldigung zu Unrecht. Mit dem Projekt ASS Oberberg und den damit verbundenen Möglichkeiten geben das Klinikum Oberberg in Gummersbach und die Helios-Klinik in Wipperfürth in Zusammenarbeit mit dem Rechtsmedizinischen Institut an der Uniklinik Köln Opfern sexualisierter Gewalt Zeit. Zeit, die sie brauchen, um sich doch noch für die Erstattung einer Anzeige zu entscheiden.

Die durch die Kliniken anonym, aber gerichtsfest gesicherten Beweise können in einem späteren Strafverfahren wieder den Opfern zugeordnet werden und helfen dann, den Täter zu überführen. Die Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Dr. Anja Weishap, und ihr Kollege in Wipperfürth, Dr. Thomas Rau-Horn, stellen sich mit ihren Teams den organisatorischen Herausforderungen des Verfahrens.

"Wir stellen gerne unser Wissen und unsere Erfahrung in den Dienst dieses Projektes, weil wir überzeugt sind, dass Gewaltopfer die bestmögliche, niederschwelligste Versorgung bekommen müssen und die Täter, wenn auch verzögert, ihre gerechte Strafe."

Im Verfahren ist es außerdem vorgesehen, die Opfer über Beratungsstellen zu informieren, die ihnen in ihrer besonders belastenden Situation weiterhelfen können. In erster Linie sind dies die Gewaltschutzberatungsstelle des Caritasverbandes und das Frauenhaus, ebenfalls in Trägerschaft des Caritasverbandes.

Nicole Schneider, Leiterin beider Einrichtungen, ist als weitere Kooperationspartnerin bei dem Projekt gerne mit im Boot. "Jedes Opfer, das sich zur ASS entschließt, ist einen großen Schritt weiter in der Verarbeitung der traumatisierenden Gewalterfahrung und hilft, die immens hohe Dunkelziffer im Bereich sexualisierter Gewalt zu senken."

Das Projekt wird gefördert durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Sabine Steller, Gleichstellungsbeauftragte des Oberbergischen Kreises, plant für Mittwoch, 25. Oktober, 15 Uhr im Kreishaus in Gummersbach, eine Informationsveranstaltung für die Ärzteschaft und weitere Fachkräfte, die mit Opfern sexualisierter Gewalt zu tun haben.

Quelle: RP
 
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