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Radevormwald
Apotheker fürchten unfairen Wettbewerb

Radevormwald. Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) können deutsche Kunden auch verschreibungspflichtige Medikamente günstig per Mausklick ordern. Die ausländischen Versandapotheken müssen sich nicht mehr an die Preisbindung halten, für die Apotheken vor Ort gilt sie erst einmal weiterhin.

Die Preisbindung schränke den freien Wettbewerb ein, entschieden die Luxemburger Richter am Mittwoch. Das Problem, sagt Nicole Jahn von der Bären-Apotheke an der Kaiserstraße, sind die unterschiedlichen Bedingungen dieses Wettbewerbs: "Die deutschen Apotheken müssen gesetzliche Auflagen erfüllen, die für ausländische Online-Händler nicht gelten." Und auch die wirtschaftlichen Bedingungen seien im Ausland andere. So liegt beispielsweise der Steuersatz auf Arzneimittel in den Niederlanden bei sechs Prozent, in Deutschland bei 19. "Außerdem kaufen die Händler in viel größeren Mengen - dadurch wird es deutlich günstiger." Im Gegensatz zu vielen anderen Apothekern sieht Klaus-Henner Geißler, Seniorchef der Löwen-Apotheke, das Urteil gelassen. Er glaubt daran, dass es noch gekippt werden könnte. Denn für ihn hapert der Urteilsspruch an der Umsetzung. "Wie sollen die Krankenkassen denn abrechnen, wenn jedes Medikament einen anderen Preis hat? Das ist gar nicht möglich." Und auch an die günstigeren Preise glaubt er nicht. "Die Kunden müssen Versandkosten zahlen. Ich bezweifle, dass es am Ende wirklich günstiger ist als bei uns."

Trotz aller Unsicherheit sieht Nicole Jahn die Versandapotheken nicht als richtige Konkurrenz. "Wir haben einen Tante-Emma-Laden, wir setzen auf Kundenkontakt und qualitative Beratung", sagt sie.

Und worin sich beide einig sind, ist ein klarer Vorteil, den nur die Apotheken vor Ort haben: "Wenn man nachts um drei ein Medikament braucht, sind wir da, der Versandhandel nicht", sagt Nicole Jahn. "Wer krank ist, will nicht zwei Tage auf die Lieferung aus dem Ausland warten", ergänzt Geißler.

(veke)
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