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Radevormwald
Aus der Geschichte Adenauers lernen

Radevormwald: Aus der Geschichte Adenauers lernen
Jürgen Rüttgers (r.) hielt auf Einladung des JU-Vorsitzenden Dejan Vujinovic einen Vortrag im Wülfingmuseum. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Der frühere Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sprach bei einer Veranstaltung der Jungen Union über den CDU-Übervater und ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer und würdigte dessen politisches Handeln. Von Wolfgang Weitzdörfer

80 Interessierte füllten das Café im Wülfing-Museum sehr gut, schließlich hatte die Junge Union einen hochkarätigen Gast für ihre Veranstaltung gewinnen können: Der ehemalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers referierte über den CDU-Übervater und ersten deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Vergangene Woche jährte sich der Todestag Adenauers zum 50. Mal.

"Man wird sich fragen: Warum kommt der Rüttgers jetzt hierher und redet über Adenauer? Erstens ist der tot, und zweitens ist das alles schon sehr lange her", sagte Rüttgers. Und beantwortete die Frage gleich selbst: "Aus der Geschichte Konrad Adenauers können wir lernen. Und sie hat auch etwas mit der bevorstehenden Landtagswahl hier in NRW zu tun."

Rüttgers ging auf persönliche Erinnerungen ein. "Ich hatte als Gymnasiast am Kölner Apostelgymnasium das Glück, Adenauer noch einmal live erleben zu können", erzählte der ehemalige Ministerpräsident. Adenauers Enkel habe an diesem Gymnasium sein Abitur gemacht, und zur Feier sei der berühmte Großvater gekommen und habe eine Rede gehalten. "Da war er aber nicht mehr Bundeskanzler. Er war ja mit 73 Jahren bei Amtsantritt bereits ein alter Mann. Wir Jungens mussten beim Besuch strammstehen und waren gescheitelt und gestriegelt", erinnerte sich Rüttgers schmunzelnd. Seine ersten Eindrücke von Adenauer hatte Rüttgers den damaligen Wochenschauen im Kino entnommen. "Die waren eine Erlösung, weil man nach der Unterdrückung durch die Nazis und die Zerstörung Deutschlands nach dem Weltkrieg so mitbekommen konnte, wie das Land wieder aufgebaut wurde." Rüttgers erinnerte an Adenauers politische Leistungen, als er 1955 die Zusage der Sowjetunion bekam, dass alle deutschen Kriegsgefangenen heimkehren durften. "Adenauer war der Vater, ja der Übervater der Nation. Das konnte man auch an seiner Beerdigung sehen", sagte Rüttgers. 1967 seien unzählige Staatschefs, darunter auch der des neugegründeten Staates Israel, mit dem Adenauer eine besondere Beziehung hatte, nach Köln gekommen. "Sein Sarg wurde auf dem Rhein nach Bonn überführt - Hundertausende standen Spalier und geleiteten Adenauer auf seinem letzten Weg. Das macht deutlich, welchen Stellenwert er in der Bevölkerung hatte", sagte Rüttgers.

Heute sei die Integration von Flüchtlingen das Thema der Stunde. Auch Adenauer habe mit Integration zu tun gehabt. "Es gab damals acht Millionen Deutsche, die sich schuldig gemacht haben. Adenauer stand vor der Frage, wie mit diesen Menschen umzugehen sei. Dazu kamen die vielen Menschen, die aus den ehemaligen Gebieten im Osten heimkehrten." Für Adenauer sei dies nur durch ein Miteinander zu lösen gewesen. "Das durchzusetzen - und, nicht zuletzt ohne Probleme umzusetzen: Das war eine der größten Leistungen Adenauers."

Damit schloss sich für Rüttgers der Kreis zu heute, als er mit einem Zitat aus einer Rede Adenauers an der Uni Köln 1946 schloss. "Damals sagte Adenauer: 'Die Person ist vor dem Staat. Jeder einzelne Mensch ist unersetzlich in seiner Würde und Ehre.' Das war der Abschied von einer Politik, die sich auf Rasse oder Nation bezieht, ein Abschied von der Politik der Nazis." Und mit Blick auf den wachsenden Populismus fügte er an: "In dieser Hinsicht können wir auch heute noch von Adenauer lernen, gerade was die AfD in Deutschland betrifft."

Quelle: RP
 
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