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Radevormwald
Baglama-Unterricht an der Musikschule

Radevormwald: Baglama-Unterricht an der Musikschule
Dozent Ali Yildirim (l.) mit seiner neuen Musikschüler-Gruppe mit Gamze Cobanoglu (v.l.), Yaren Takac, Osman Nazli und Tayfun Takac, dem Vater von Yaren. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Mit Ali Yildirim ist ein Dozent aus Wuppertal in Rade jetzt erstmals aktiv. Das Instrument ist in der Türkei sehr beliebt. Von Sigrid Hedderich

Die Musik klingt etwas fremd, einige Töne scheinen aus der orientalischen Musikwelt zu stammen. Doch dann wechselt der Spieler die Fronten und überrascht mit einer bekannten Melodie: dem Kasatschok. Jetzt sind die Töne der russischen Balalaika angeglichen, der Musiker hat seinen Spaß. Ali Yildirim lässt keinen Zweifel, er kennt sein Instrument wie seine Westentasche. Von Kindesbeinen hat er auf der Baglama gespielt, so wie die Kinderhand dies erlaubte. "In meiner kurdischen Heimat gehörten zwei oder drei Baglamas zum Haushalt wie das Wasser oder die Luft zum Atmen", sagt er stolz.

Ihn freut es, dass die Rader Musikschule ihn nun als Dozent einstellt, um Kindern und Erwachsenen Unterricht zu geben. Zum Auftakt kamen mehrere Mädchen, ein Junge und ein Vater, um der Baglama die sanften Töne zu entlocken. Während Ali Yildirim an der Tafel im Klassenzimmer der Realschule schreibt, packt Gamze Cobanoglu ihr Leihinstrument aus. "Ich bin Anfängerin. Durch meine Freundin bin ich hierher gekommen. Eine kurze Zeit habe ich auch Saxofon gespielt", sagt die Dreizehnjährige. Ihre Freundin Yaren Takac kann schon eine Melodie spielen und beweist dies.

Weitere Schüler hören aufmerksam zu, und auch der Vater des zwölfjährigen Mädchens blickt stolz auf seine Tochter. "Wir beide können schon etwas spielen, doch wir möchten besser werden", sagt Tayfun Takac, der in den letzten Wochen viel Werbung gemacht hat. Auch er hatte den ersten Kontakt mit dem Saiteninstrument in der Kindheit und schwärmt von der Musik. "Zuhause machen wir sehr gerne Hausmusik. Wenn ich spiele, dann singt meine Frau dazu", erzählt er. Türkische Folklore und der Klang der Baglama liegen ihm sehr am Herzen. "Es ist ein Stück unserer Kultur. Wir möchten diese pflegen und erhalten", sagt Tayfun Takac.

Zu der kleinen Gruppe hat sich auch Osman Nazli gesellt. Auch er hat sich schon ans Musizieren gewagt, doch nun möchte er das Instrument richtig spielen lernen. "Das gefällt mir. Gerne dürfen auch noch weitere Schüler kommen, denn die Schülergruppe ist ja noch klein", sagt Ali Yildirim.

Für seinen ersten Unterricht hat der in Wuppertal lebende Musiker ein kleines Lied geschrieben. "Es handelt vom Frieden", sagt er. Die Melodie sei nicht schwer. Er muntert auf, zur Baglama zu greifen und einfach zu beginnen. Die Schüler zeigen sich eifrig und konzentriert. Sie greifen die drei Doppelsaiten und gleiten mit einem sehr weichen Plättchen über den unteren Teil der Saiten. Ihr Spiel erinnert an das Gitarrenspiel.

Aufmerksam verfolgen die beiden Musikschulleiter Bert Fastenrath und Michael Borner die Szene. Irgendwann leiht sich Bert Fastenrath eine Baglama aus. Leicht zögerlich entlockt er dunkle Töne. Doch dann will er es wissen und beginnt zu rocken. Die Gruppe lacht. "So geht es natürlich auch", scherzt Fastenrath. Ali Yildirim erklärt, dass die Baglama mit mehreren Instrumenten verwandt sei. "Ihr Aufbau erinnert an eine griechische Bouzouki, oder an eine russische Balalaika", sagt er. Seit mehr als 1000 Jahren ist die Baglama in der Türkei zu Hause.

Das dickbäuchige Instrument ist oft aus feinstem Walnussholz und besitzt neben den beiden Doppelsaiten eine Dreifachsaite sowie zwei Klanglöcher. Der Dozent zeigt die Griffe an den Saitenhälsen. Während die ersten hellen Klänge den Klassenraum erfüllen, erklärt Bert Fastenrath seine Freude, endlich einen Baglama-Lehrer gefunden zu haben. "Mit ihm schafft es die Gruppe vielleicht, schon bald kleine Stücke zu spielen. Eine Kostprobe könnten die Schüler auf der Bühne zur 700-Jahr-Feier im Mai geben", sagt er spontan.

Quelle: RP
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