| 00.00 Uhr

Einzelhandel
Banken und Händler uneins bei der Kreditkarte

Einzelhandel: Banken und Händler uneins bei der Kreditkarte
Einige Händler akzeptieren keine Kreditkarten. FOTO: dpa, dka pzi fgj
Radevormwald. Vor 60 Jahren kam die erste Kreditkarte nach Deutschland. Heute nutzen immer mehr Menschen den Service. Sparkasse und Volksbank wünschen sich, dass die Einzelhändler diesen Trend unterstützen. Die Gebühren schrecken jedoch ab. Von Tim Kronner

Wenn Marcus Strunk eine Brille verkauft, verdient er daran Geld. Wie viel, hängt auch von der Zahlungsart der Kunden ab. "Bares bringe ich zur Bank und habe es dann eins zu eins so auf dem Konto", sagt Strunk. Bei der Bezahlung mit EC-Karte entfallen geringe Gebühren, die bei etwa 0,2 Prozent des Verkaufswerts liegen. Ganz anders sieht es bei Kreditkarten aus. "Wir nehmen keine Kreditkarten an, weil die Gebühren so hoch sind", sagt Strunk. Je nach Karte belaufen sich diese auf ein bis vier Prozent des Umsatzes. "Wenn wir eine teure Brille verkaufen, schlägt das ganz schön zu Buche", sagt Strunk.

Bei der Sparkasse sieht man diese Thematik anders: "Viele Geschäftsleute nutzen privat auch die Vorteile der Kreditkarten, akzeptieren aber die Karten nicht in ihren Geschäften. Wünschenswert wäre es, dass sich der Handel stärker an der Entwicklung beteiligen würde", sagt Marketingleiter Michael Scholz.

Etwas salomonischer drückt es Ingo Stockhausen, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Oberberg, aus: "Ich kann den Handel zwar verstehen, bei höheren Preisen würde ich aber schon für mehr Akzeptanz werben." Denn die Annahme von Kreditkarten könne aus seiner Sicht auch dazu beitragen, Kunden mit einer hohen Bonität an den jeweiligen Händler zu binden.

Dabei ist es keinesfalls so, dass die Rader Einzelhändler Karten grundsätzlich ablehnen und auf Barzahlung bestehen. Im Gegenteil. Eine Umfrage unserer Redaktion ergab, dass viele Einzelhändler einen großen Teil ihrer Transaktionen bargeldlos abwickeln. "Bei uns zahlt inzwischen rund die Hälfte aller Kunden mit EC-Karte", sagt Martin Kühn, Inhaber des Juweliergeschäfts an der Kaiserstraße. Ähnlich lauten die Einschätzungen bei Optik Strunk, Intersport Reinbott, "Axel bringt's" und im Stoffkränzchen. Etwas aus dem Raster fällt Möbel Schaub - allerdings bedingt durch die Branche. "Küchen und Möbel werden meist per Überweisung bezahlt", sagt Torsten Schaub. "Trotzdem bieten wir natürlich die Zahlung mit EC-Karte an."

Denn die bargeldlose Bezahlung hat für sie durchaus auch Vorteile - "auch wenn es natürlich seinen Flair hat, Bargeld zu zählen", wie Schaub sagt. Man könne kein Opfer von Falschgeld werden, der Umsatz sei schnell auf dem Konto und die abendlichen Wege zur Bank - mit viel Bargeld unter dem Arm - entfielen. "Man hat einfach kein unternehmerisches Risiko", fasst Alexander Weyrich von "Axel bringt's" zusammen.

Aus diesen Gründen nehmen die Rader Einzelhändler die geringen EC-Karten-Gebühren gerne in Kauf. Bei der Kreditkarte sieht das jedoch anders aus. "Da muss man als Händler, je nach Datum, bis zu einen Monat auf sein Geld warten", sagt Torsten Reinbott, Inhaber des Intersport-Mitgliedes. Trotzdem sind die Gebühren höher als bei EC-Zahlungen. Deshalb nehmen die befragten Einzelhändler entweder keine Kreditkarten an oder "nur äußerst ungern". "Als Verbraucher ist die Kreditkarte natürlich angenehm. Wir verzichten aber darauf, da wir wegen der hohen Gebühren sonst die Preise erhöhen müssten", sagt Strunk, der Vorsitzender der Werbegemeinschaft "Rade lebt" ist.

Ebenfalls nicht überzeugt sind die meisten Einzelhändler vom Bezahlen per Funk - etwa via Smartphone. Sie sehen Gefahren im Bereich Datenschutz und Hacking. Die Sparkasse hingegen wünscht sich auch hier mehr Beteiligung vom Handel. "Denn NFC-Lösungen und Mobile Payment ermöglichen den Menschen immer schneller und vor allem einfacher, Transaktionen zu tätigen", sagt Scholz. Dem entgegnet Juwelier Kühn, stellvertretend für die befragten Einzelhändler: "Eine gute Mischung aus EC-Zahlung und Bargeld ist für mich die beste Lösung. Ich persönlich finde, die Bank muss auch nicht alles mitbekommen - die Menschen sind schon gläsern genug."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Einzelhandel: Banken und Händler uneins bei der Kreditkarte


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.