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Radevormwald
Betrieb schult Gehilfen zur Fachkraft um

Radevormwald: Betrieb schult Gehilfen zur Fachkraft um
Die Firma von Udo Suckau (r.) und Marius Göbel (l.) baut vorwiegend Dach-Stühle und Carports, kümmert sich aber auch um den Trockenbau. Malte Bengt Rösler wird dort zum Zimmermann umgeschult. FOTO: jürgen Moll (archiv)
Radevormwald. Die Firma Suckau & Göbel Holzbau ermöglicht einer Hilfskraft eine Umschulung zum Zimmermann. Nach langer Fachkräftesuche entschied sich das Unternehmen für diesen Weg. Eine Förderung gibt es von der Agentur für Arbeit. Von Elena Erbrich

Viele Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften. Aber es mangelt an gut ausgebildeten Bewerbern. Die Zukunft sieht nicht besser aus: Im Oberbergischen Kreis scheiden in den kommenden zehn Jahren von 100.727 Beschäftigten 18.352 Arbeitnehmer aus Altersgründen aus - 80 Prozent davon sind Fachkräfte. Die Auszubildenden können den Mangel nicht decken. Potenzial bieten die Hilfskräfte. Ein Betrieb in Radevormwald schult momentan einen Gehilfen zum Zimmermann um. Und macht so aus einer Hilfskraft eine Fachkraft.

Udo Suckau hat in seiner Firma Suckau & Göbel Holzbau schon viele Hilfskräfte kommen und gehen sehen. Doch keiner hat ihn so überzeugt wie Malte Bengt Rösler. Der 28-Jährige kam vor knapp zwei Jahren in das acht Mann starke Unternehmen. Davor hatte er viereinhalb Jahre als Dachdeckergehilfe gearbeitet. "Eigentlich habe ich nach dem Fachabitur eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann gemacht, aber ich habe gemerkt, dass ich einen Beruf brauche, bei dem ich mich körperlich betätigen kann", sagt Rösler. Und so arbeitete er nach seiner Ausbildung als Hilfskraft. In dieser Zeit wurde auch Udo Suckau auf ihn aufmerksam.

Als Rösler dann den Dachdeckerbetrieb verließ, zögerte Suckau nicht lang und stellte Rösler im eigenen Betrieb als Hilfskraft ein. "Ich habe sein Potenzial erkannt. Er ist sehr ehrgeizig", sagt Suckau. Und so bot er Rösler eine Ausbildung zum Zimmermann an. Da Rösler aber eine Familie zu versorgen hat, hätte ihm die Ausbildungsvergütung von etwa 700 Euro nicht gereicht. Suckau fragte bei der Agentur für Arbeit nach Förderungsmöglichkeiten nach und bekam im Rahmen der Weiterbildungsinitiative Bergisches Land Zuschüsse bewilligt.

"Erst musste ich überlegen, ob ich die Weiterbildung mache. Schließlich bedeutet eine Prüfung auch Druck. Aber ich wollte nicht ewig Hilfskraft bleiben", sagt Rösler.

Viele Gehilfen würden den Prüfungsdruck scheuen und sich deswegen gegen eine Weiterbildung entscheiden, stellt der Leiter der Agentur für Arbeit, Stefan Krause, fest. "Sie scheitern daran, aus der Routine auszusteigen. Sie waren teilweise 15 Jahre nicht in der Schule und überwinden diese Hürde nicht", sagt Krause.

Seit einem Jahr ist Rösler nun in einem Angestelltenverhältnis - integriert darin eine betriebliche Einzelumschulung zum Zimmermann. Die ist verkürzt von drei auf zwei Jahre. Er muss also in zwei Jahren das lernen, was andere in drei Jahren lernen. "Besonders schwierig ist es, sich die ganze Theorie anzueignen", sagt er. Zwischendurch ist er immer mal für ein paar Wochen in der Lehrwerkstatt in Ossendorf und in der Berufsschule in Mülheim. Dieser Ausfall kostet dem Betrieb natürlich etwas. Die Agentur für Arbeit springt ein.

Mittlerweile hat Rösler seine Zwischenprüfung hinter sich. "Mit einem sehr guten Ergebnis", sagt Suckau. Er ist von seinem Mitarbeiter überzeugt. "Er ist klar im Kopf, nicht wie viele junge Auszubildende. Mit denen habe ich schlechte Erfahrungen gemacht", sagt Suckau. Lange suchte er nach Fachkräften. "Die sind einfach nicht zu kriegen. So ist das nun eine gute Lösung. Und es war auch gar nicht so viel Papierkram, um die Förderung zu beantragen", stellt er fest.

Röslers Ziel ist es, nach der Weiterbildung noch die Prüfung zum Dachdecker abzulegen und den Meisterbrief als Zimmermann zu machen. "Der wirkt sich auch auf die finanzielle Lage aus", sagt er.

Quelle: RP
 
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