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35. Atv-Triathlon Teil 3 - Organisation
Bürokratischer Ausdauerwettkampf

35. Atv-Triathlon Teil 3 - Organisation: Bürokratischer Ausdauerwettkampf
Wenn bis zu 800 Triathleten beim ATV-Triathlon auf die Strecke gehen, müssen bei der Rad- und der Laufdisziplin immer auch einige Straßen abgesperrt werden. Denn die Athleten bewegen sich im normalen Straßenverkehr. FOTO: Seybert (Archiv)
Radevormwald. Zum 35. Mal wird am 19. August der ATV-Triathlon ausgetragen. Die BM blickt in einer Serie auf seine Geschichte zurück. Heute geht es um die bürokratischen Hürden sowie die großen und kleinen Tücken, mit denen die Organisatoren jedes Jahr aufs Neue zu kämpfen haben. Von Heike Karsten

Hückeswagen Nach dem Triathlon ist vor dem Triathlon: Wer eine so große Veranstaltung plant, braucht Organisationstalent und genügend Helfer, denen man Verantwortung übergeben kann. Denn bei all den Genehmigungen, die für den ATV-Triathlon jedes Jahr notwendig sind und rechtzeitig beantragt werden müssen, dürfen die Verantwortlichen die Übersicht nicht verlieren. Wenn im August der Triathlon vorbei ist, währt die Verschnaufpause nur kurz.

Bereits im September folgt die Terminabsprache mit dem Triathlon-Landesverband, im November folgt der Genehmigungsantrag. "Die Ausschreibung darf vor der sportrechtlichen Genehmigung durch den Verband nicht veröffentlicht werden", heißt es ausdrücklich im Leitfaden für Veranstalter. Steht der Termin dann fest und ist der Sportwettkampf genehmigt, wird bereits im Januar die Online-Anmeldung freigeschaltet. "Dann trudeln meistens schon die ersten Anmeldungen ein", sagen Jürgen Dickentmann und Dirk Warmbier vom Orga-Team.

Das hat genaue Aufzeichnungen und Statistiken über die vergangenen 34 Triathlons angelegt. "Bis heute sind 21.781 Teilnehmer gestartet", sagt Dickentmann. Neben diesen Zahlen gibt es in seinem Triathlon-Ordner auch eine lange, handgeschriebene Liste mit unzähligen Namen, Telefonnummern und Terminen, zu denen bestimmte Tätigkeiten und Anfragen ausgeführt werden müssen. Warmbier hat die Gesamtleitung des Triathlons und daher die wichtigsten Termine im Kopf.

"Im Frühjahr gehen die Anschreiben an die Stadt, die IG Bever, den Wupperverband, die DLRG und das DRK raus", zählt er auf. Seit Anfang der 90er-Jahre werden auch die Häuser in Egen, die an der Radstrecke liegen, angeschrieben. In den Anfangsjahren hatte es Probleme gegeben, da die Anwohner mit Straßensperrungen, rasenden Trainingsfahrern und weggeworfenem Müll konfrontiert wurden. "Teilweise habe sich auch die Kühe erschreckt und sind von der Weide in die Büsche gelaufen", berichtet Dickentmann.

"Die Bauern sind damals mit der Mistgabel hinter uns hergelaufen." Diese Probleme gibt es heute nicht mehr, auch wenn der Wettkampf noch ab und zu mit einer Hochzeit in der Egener Kirche, die direkt an der Wettkampfstrecke liegt, kollidiert. "Eine Hochzeitsgesellschaft hat aber auch schon draußen gestanden und applaudiert", erinnert sich Dickentmann. Eine wichtige Aufgabe ist das Einreichen des Genehmigungsantrags beim Straßenverkehrsamt im Juni, da der Wettkampf im öffentlichen Verkehrsraum stattfindet.

Vor fünf Jahren mussten die Organisatoren zittern: Erst kurz vor dem Wettkampf traf die Genehmigung des Oberbergischen Kreises bei Mitorganisator Ekkehard Kurtz ein. Somit stand der Austragung der 30. Auflage des ATV-Triathlons nichts mehr im Weg. Mit dieser Genehmigung steht und fällt die Veranstaltung. "Wir mussten schon manches Mal bitten und betteln, damit wir bis zum Freitag vor dem Triathlon die Genehmigung kriegen", sagt Dickentmann.

"Wenn wir die nicht haben, ist die Veranstaltung gestorben." Auch Baumaßnahmen auf der Strecke sind immer mit zusätzlichen Hürden verbunden. Streckenänderungen müssen erst vom Verband genehmigt werden. Weiter mit den organisatorischen Aufgaben geht es im Juli. "Dann werden die Bürgerbussvereine in Wipperfürth und Hückeswagen angeschrieben, da sie durch die Sperrungen nicht alle Haltestellen anfahren können", erklärt Warmbier.

Kurz vor dem Wettkampf im August muss noch die Schankgenehmigung für den Sportplatz eingeholt werden, damit die Zuschauer mit Speisen und Getränken bewirtet werden können. Shuttlebusse werden beauftragt, die die Sportler nach dem Wettkampf von der Montanusschule in Nähe des Sportplatzes zu ihren Fahrrädern an die Bever-Talsperre fahren. Toilettenhäuschen für den Radwechselplatz werden geordert. Die Lauf- und Radstrecken werden mindestens zweimal vor dem Wettkampf abgefahren und wenn nötig auch eigenhändig gekehrt oder von wuchernden Pflanzen befreit.

Alles in allem ein riesiger Wust an Papierkram und Zeitaufwand, der sich über das ganze Jahr erstreckt. "Es ist schon viel Aufwand dafür, dass ein paar Athleten den Wettkampf machen können", sagt Dickentmann. Und doch ist er einer der Helfer, die vom ersten Tag an mit angepackt haben, auch wenn die eigene Familie dadurch schon so manches Mal zu kurz kam.

Quelle: RP
 
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