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Superintendent Hartmut Demski
"Da ist noch was drin für die Kirche!"

Radevormwald. Nach der Festwoche zum Reformationsjubiläum diskutiert der Kreissynodalvorstand die Reaktionen. Hartmut Demski zeigt sich zufrieden.

bergisches land Der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Lennep, Hartmut Demski, blickt auf eine anstrengende, aber befriedigende Festwoche zum Reformationsjubiläum zurück. Über Kritik und Anregungen werde jetzt im Kreissynodalvorstand gesprochen, kündigt er im Gespräch mit unserer Redaktion an.

Herr Demski, die großen Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum sind vorbei. Sind Sie eigentlich jetzt so richtig müde?

Demski Natürlich war es anstrengend. Der Terminkalender war voll, es war viel Arbeit. Aber ich habe eher das Gefühl, dass jetzt ein Stück Zufriedenheit und Erleichterung bei mir einkehren. Es hat alles geklappt, der Aufwand war groß - aber es hat sich gelohnt, sich an dieser Stelle in dieser Form einzusetzen. Dazu kommen Inspiration und Ansporn, im Sinne von: Ja, da ist noch was drin für die Kirche!

An welcher Stelle haben Sie einen besonderen "Spirit" gespürt?

Demski Sowas kann ja zu den unterschiedlichsten Momenten stattfinden. Zum einen erinnere ich mich da an die Theateraufführung "Ich fürchte nichts" in der Lutherkirche. Da war ich zunächst ein wenig enttäuscht und habe mich gefragt, wo das jetzt hinführt. Aber dann hat mich das Theaterstück richtig gepackt und mich mit seiner Botschaft auch emotional erreicht. Die Veranstaltung hätte besser besucht sein können, aber es war auch so ergreifend. Zum anderen war natürlich der Abschlussgottesdienst in der Wagenhalle ein großartiger Moment. Wir hatten im Vorfeld Sorgen, ob das alles klappen wird. Und dann waren da mehr als 100 Kinder in der Halle, haben gespielt - und nebenan fand der Gottesdienst statt. Die Kinder störten da gar nicht, sondern gehörten eben dazu. Da habe ich gedacht: So soll es sein, so ist es richtig.

Welche der vielen Veranstaltungen im Laufe der vergangenen Woche fanden Sie denn persönlich am gelungensten?

Demski Ich will da nicht werten. Es waren so viele Ideen und unterschiedliche Akteure dabei, da wäre es gar nicht fair, etwas zu bewerten. Es zählt insgesamt mehr die spürbare Bewegung in der Fülle der verschiedenen Veranstaltungen. Dadurch wurde deutlich, was im Sinne der Reformation auch heute noch möglich ist.

Massentermine wie der Abschlussgottesdienst, auf der anderen Seite kleine und intime Veranstaltungen: Was fanden Sie persönlich besser?

Demski Ich habe natürlich nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen können. Eine kleine, intime Veranstaltung, die mich sehr beeindruckt hat, war die Abendandacht am Clarenbach-Denkmal. Wir haben jede Minute ein aufziehendes Gewitter erwartet, saßen da mit 30 Leuten und dem Posaunenchor im Zelt. Und trotzdem war es eine gute Gemeinschaft: Die, die hier sind, nehmen Anteil am Leben und Wirken Adolf Clarenbachs. Aber auch die großen Veranstaltungen, etwa der Abend mit Anselm Grün in der Lutherkirche ist sehr gut angekommen. Ich finde, dass es die Mischung ausgemacht hat. Und es spiegelt unsere Kirche wider: Wir können auch in kleiner Zahl zusammen sein - und es ist richtig und gut - und bei den großen Veranstaltungen haben wir aber gemerkt, dass es auch gut tut, sich in großer Zahl zu treffen.

Wie entspannen Sie sich jetzt? Oder geht es direkt weiter?

Demski Leider habe ich erst im November Urlaub. Aber nach der Festwoche gab es eine Fahrt in den Kosovo zur dortigen Diakonie. Das hat sehr gut getan, um wieder von diesem hoch getakteten Arbeitstempo herunterzukommen. Das war ein glücklicher Zufall, zumal ich erst dachte: Oh je, jetzt direkt in den Kosovo! Aber es hat tatsächlich geholfen, wieder herunterzukommen.

Haben Sie schon Rückmeldung zur Festwoche bekommen?

Demski Es gab viele Rückmeldungen, auch aus verschiedenen Arbeitskreisen. Es wurde intensiv über die Festwoche gesprochen. Es gibt Formate, etwa den Abend der Begegnung in Lennep, da wurde direkt angeregt, das zu wiederholen. Auch einen gemeinsamen Gottesdienst solle es wieder geben. Aber es wurde auch Kritik angemerkt: Musste man wirklich alles in einer Woche machen? War das Programmheft übersichtlich genug? Wie hätte man Menschen auch außerhalb von Kirche und Gemeinde besser erreichen können? Bis zum nächsten Mal ist ja noch viel Zeit...

Hat sich in den Gemeinden durch das Jubiläum etwas verändert?

Demski Ich glaube ja. Alleine durch die Anregung, Formate zu wiederholen, wird ja der Wunsch nach Fortführung erkennbar. Ich habe auch den Eindruck, dass ein Stück Offenheit für Neues durch die Reformationswoche geweckt wurde. Man muss jetzt sehen, wie lange das vorhält. Aber eine wesentliche Erfahrung war, mit Offenheit auf neue Formate und Gestaltungsmöglichkeiten für Kirche zuzugehen.

Wie wird mit den Ergebnissen der Tür-Aktion verfahren?

Demski Die müssen wir noch auswerten, wir haben alle Türen abfotografiert. Wir werden uns mit den Inhalten im Kreissynodalvorstand befassen und dann entscheiden, ob die Punkte Anlass zu konkreten Überlegungen geben.

Waren es viele Anregungen?

Demski Das war ganz unterschiedlich. Die Tür aus Bergisch Born war etwa über und über mit Zetteln beklebt. Die Tür aus Wermelskirchen, die leider den Weg nicht zur Ausstellung in Lennep gefunden hatte, war wie ein Facebook-Post: Aus einem Eintrag entwickelten sich schließlich Widerspruch und Zustimmung. Das war natürlich interessant, auch wenn es ursprünglich anders gedacht war.

Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen den morgigen Feiertag als solchen anerkennen, oder ist es für viele nur ein weiterer freier Tag?

Demski Natürlich ist es in diesem Jahr ein Brückentag, das sehe ich im Haus der Kirche ganz klar. Viele unserer Mitarbeiter haben den Montag freigenommen, so dass sie ein langes Wochenende haben. Ich habe aber den Eindruck, dass in den Gemeinden schon noch einmal ein Schwerpunkt auf den Feiertag gelegt wird - mit besonderen Gottesdiensten, mit Musik und auswärtigen Predigern. Die Gemeinden haben sich bemüht, den Tag besonders gottesdienstlich zu feiern. Natürlich beachten den Tag eher Menschen, die schon in Kirche und Gemeinde zuhause sind. Die finden sich darin wieder, weil sie mit dem Fest Reformation etwas anfangen können.

Halloween kontra Reformation: Inwieweit ist das Konkurrenz?

Demski Keine Konkurrenz. Es ist ein anderes Fest, das eine andere Stimmung hat und eine andere Erwartung anspricht. Die Tage sehe ich aber nicht als Konkurrenz. Halloween mag man feiern, wenn man sich darin wiederfindet. Ich würde allerdings da Kritik an Halloween anbringen, wo es so stark vom Kommerz geprägt ist und wo sich Menschen unter dem Schutz der Verkleidung daneben benehmen. Inhaltlich ist Halloween ziemlich leer, weil man ja im Allgemeinen sich gar nicht damit befasst, woher das Fest kommt und was die Inhalte sind.

Was halten Sie davon, muslimische Feiertage einzuführen?

Demski Wir sollten auf jeden Fall darauf hinweisen, denn es gibt in unserem Land einfach eine große Zahl von Menschen, die dem Islam angehören. Daraus jetzt aber allgemeine, auch gesetzliche Feiertage zu machen, halte ich für nicht gegeben. Bei verschiedenen kirchlichen Feiertagen gibt es das ja auch, dass sie nur in einzelnen Bundesländern gesetzliche Feiertage sind, eben da, wo die entsprechende Konfession stark vertreten ist. Wichtiger finde ich die öffentliche Wahrnehmung und Beachtung. Wir machen das ja mit unseren muslimischen Mitbürgern im Kirchenkreis ja auch schon so, dass wir ihnen zum Beginn des Ramadan einen Gruß zukommen lassen. Umgekehrt bekomme ich auch von mindestens zwei islamischen Verbänden aus Remscheid Grußpost zu Weihnachten.

Wie werden Sie selbst den morgigen Reformationstag begehen?

Demski Ich werde in meiner Heimatgemeinde in Wermelskirchen einen Gottesdienst in der Stadtkirche mit viel Musik besuchen. Und ich hoffe sehr, dass die Kirche dann auch warm genug ist...

DAS INTERVIEW FÜHRTE WOLFGANG WEITZDÖRFER

Quelle: RP
 
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