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Radevormwald
Das Haus über dem Wassergraben

Radevormwald: Das Haus über dem Wassergraben
Das Haus über dem Wasser des Obergrabens. FOTO: Scholl
Radevormwald. Man muss es mögen - den direkten Kontakt zum Wasser, den indirekten zum Fluss - zur Wupper. Ein kleines Idyll ist der Standort des "Wupper-Haus" geworden, das einmal das Meisterhaus der Tuchfabrik Wülfing war. Von Sigrid Hedderich

Heute verbergen sich großzügige, Licht durchflutete Wohnungen hinter dem alten Backsteingemäuer in Dahlerau. Es ist der "Bauplatz" des Hauses, der ungewöhnlich ist und somit Sparziergänger und Besucher immer wieder ins Staunen versetzen. Ein abgeleiteter Arm der Wupper fließ direkt unter dem Haus hindurch, als sei er ein unterirdischer Kanal. "Wir haben uns ans Wasser gewöhnt und wohnen gerne hier", sagt Brunhilde Büttner.

Als junge Familie erwarb sie vor 33 Jahren die unterste Wohnung des Hauses, einst Ladenfläche des ortsansässigem "Konsum". Gleich nebenan die ehemalige Post, ebenfalls über dem Wasser. Als "Haus über dem Graben" (Wassergraben ist gemeint) ist es den Bewohnern der Wupperorte bekannt. Dass Brunhilde und Ulrich Büttner dort einmal ansässig würden, war ein Zufall und auch mit einem Risiko behaftet. "Ich hatte damals darauf bestanden, dass unsere Kinder schon recht früh schwimmen lernen", erinnert sich die vierfache Mutter. Es sei in den Jahren mit den Kindern auch manchmal zu Beinahe-Unfällen gekommen. Der Wasserstand beträgt immerhin durchschnittliche 1,70 Meter. "Den Kindern haben wir natürlich verboten, sich ohne Aufsicht dem Graben zu nähern. Sie spielten mit anderen Kindern gerne auf den angrenzenden Parkplatz oder an der selten befahrenen Straße", erinnert sich Brunhilde Büttner. Erst als die Tochter und die drei Brüder etwas älter waren, konnten sie das Wasser auch genießen. "Es wurde hineingesprungen, mit Booten unter dem Haus gefahren oder auch gerne mit Luftmatratzen von einem zum anderen Ende gepaddelt", erzählt das Ehepaar. Im Sommer sei das ein Vergnügen für die ganze Familie gewesen.

Brunhilde und Ulrich Büttner wohnen seit vielen Jahren hier. FOTO: Sigrid Hedderich

"Häufig versuchten sich die Kinder auch als Hobbyangler. Dabei setzten sie sich einfach auf die Kellertreppe und hielten die Angelschnur aus dem Fenster", erzählt die Mutter. Das Wasser sei immer sauber gewesen, auch heute schwimmen zahlreiche Fischarten, darunter sogar Forellen, im Graben.

Ende 1890 wurde das Haus gebaut. Der direkte Zugang zum Wasser sei damals erwünscht gewesen, denn mit ihm wurde eine Turbine zur Stromerzeugung gespeist. "Das wird sie heute auch noch", erklärt Ulrich Büttner. Heute produziert die Firma von Alexander Schechner Strom wie einst die Tuchfabrik.

Das Wasser im Graben fließt sehr langsam und somit auch sehr still. Auch das Geräusch der Pumpe ist nicht zu hören. "Nur wenn die Wupper Hochwasser führt, dass bemerken wir manchmal ein leises Rauschen", sagt Brundhilde Büttner. Auf ihren Gewölbekeller ist das Paar besonders stolz. Er ist vollkommen trocken, keine Spur von Stockflecken oder gar Schimmel. "Und die Kühle im Keller ist im Sommer sehr angenehm zum Lagern von Lebensmitteln, im Winter ist Kälte durch die sehr gute Isolierung nicht spürbar", hebt die Miteigentümerin hervor.

In Abständen von etwa drei Jahren wird das Wasser im Graben zu Wartungszwecken abgelassen. Dann begehen die Büttners ebenfalls die Kellerräume und das Gewölbe unter dem Haus, um mögliche Schäden zu entdecken und zu beseitigen. "Bislang war alles immer in Ordnung. Das Haus ist solide gebaut und sehr gut in Schuss", sagt Brunhilde Büttner.

Einmal wegziehen - weil die Kinder aus dem Hause sind und die 130-Quadratmeter-Fläche Wohnraum nicht mehr benötigt wird? Diese Frage beantwortet das Paar mit einem klaren ,Nein'. "Wir wohnen hier sehr schön. Wir genießen die Wupper und auch unseren Garten. Die Entscheidung zum Kauf vor 33 Jahren war genau richtig", sind sich Ulrich und Brundhilde Büttner einig.

Quelle: RP
 
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