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Radevormwald
Dem Wald in Rade geht es wieder besser

Radevormwald: Dem Wald in Rade geht es wieder besser
Revierförster Bernhard Priggel kennt sich bestens aus in den Rader Wäldern und berät seit vielen Jahren die Waldbesitzer. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz startet die Waldzustandserhebung - und zeichnet ein düsteres Bild. Das sieht im Oberbergischen und Rade anders aus. Von Joachim Rüttgen

Dem Wald in NRW geht es nicht gut. Schlechte Luft, mindere Bodenqualität und die negativen Folgen des Klimawandels machen den Bäumen schwer zu schaffen. Zu diesem Ergebnis kommt das Ministerium für Klimaschutz und Umwelt. Dementsprechend düster fällt die Prognose zum Start der Waldzustandserhebung 2015 aus. Die Statistik soll Aufschlüsse geben, wie der Wald auf die kommenden Herausforderungen vorbereitet werden kann.

"Fürs Bergische Land treffen die Erkenntnisse nicht zu", sagt Kay Boenig, stellvertretender Forstamtsleiter im auch für Rade zuständigen Regionalforstamt. Er ist zugleich Fachmann für Forstplanung und Waldaufnahme. Es gebe zwar erhebliche Schäden an den Eichen, aber allgemein seien die Böden durch deutlich weniger Schwefel qualitativ besser geworden. "Das liegt an mehr Entschwefelungsanlagen", sagt er. Generell sei der Klimawandel mit landesweit weniger Niederschlägen und trockeneren Perioden im Bergischen noch nicht so ausgeprägt. "Hier fällt genügend Regen, was dem Waldboden sehr gut tut", sagt er. Lediglich in den Samenjahren seien die Bäume schlechter belaubt, was sich auf den Zustand auswirke.

"Durch deutlich weniger Immissionsschäden ist die Qualität des Waldes in Radevormwald besser geworden", sagt Boenig. Ob die angekündigte Erderwärmung neue Schädlinge anlockt, sei unklar. "Bestimmte Insekten sind auf dem Vormarsch, hier aber glücklicherweise noch nicht aufgetreten. Gemeint sind Schwammspinner oder der Eichenprozessionsspinner, der im Süden bereits häufig zu finden ist.

Der Borkenkäfer ist 2015 noch kein Thema im Wald, sagt der Rader Revierförster Bernhard Priggel. Es bleibe abzuwarten, ob durch die lange Trockenheit eventuell eine vermehrte Anzahl im Herbst auftreten wird. Klimatisch sei das Oberbergische als Steigregengebiet begünstigt. Auch mit Pilzen hätten die Waldbauern wenig zu kämpfen. Konkret für Rade ergibt sich, dass sich hier die Fichte in den vergangenen 20 Jahren gut erholt hat. "Früher waren die älteren Nadeln gelb, heute nicht mehr", sagt Boenig. Auch der Kronenzustand der Buchen sei besser als vielfach befürchtet. Die Kiefer gebe es nur noch sehr selten im Bergischen Land, weil sie mit zunehmendem Alter die Schneemengen im Winter nicht mehr tragen kann. "Diese Baumart gehört eigentlich auch nicht hier hin", sagt Boenig.

Früher sei das Bergische fast ausschließlich Nadelwaldgebiet gewesen, "heute gibt es in Rade 53 Prozent Laubwald und 47 Prozent Nadelwald", sagt Priggel. Diese gute Mischung habe sich um vier bis fünf Prozent hin zum Laubwald verschoben. Diese Mischung sei wichtig, um den Wald für die Zukunft zu erhalten. Boenig sieht in der Pflege der vorhandenen Waldbestände eine große Aufgabe. "Gibt es Schädlinge, müssen diese sofort bekämpft werden, da ist eine regelmäßige Aufsicht und Wachsamkeit wichtig", sagt er. Klimastabile Wälder könnten nur überleben mit Mischbaumarten. Die Vielfalt sei entscheidend und Gewähr dafür, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

Kay Boenig fordert ein langfristiges Denken. Auch Anbaugebiete für neue Baumarten seien im Bergischen vorhanden. Er denkt an Esskastanien, Nussarten (Walnuss, Schwarznuss) oder die Roteiche. "Wir haben Optionen für die Zukunft", sagt er.

Quelle: RP
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