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Radevormwald
Der Kommunalfriedhof ist viel zu groß

Radevormwald. Um die Jahreswende 1970/1971 ist der Kommunalfriedhof eröffnet worden. Obwohl bislang nur der erste Abschnitt über drei Hektar ausgebaut worden ist, hat er sich als zu groß erwiesen. Die Bestattungskultur hin zur Urne ist ein Grund. Von Wolfgang Scholl

Radevormwald ist die Stadt der Friedhöfe. Während man sich in anderen Kommunen wie zum Beispiel in Hückeswagen auf einen oder nur wenige Friedhöfe konzentriert, gibt es in Radevormwald zahlreiche konfessionelle Friedhöfe - und den Kommunalfriedhof. Die Stadt hatte damals nach der Genehmigung im Jahre 1968 ausreichende Flächen für insgesamt 19 Hektar gekauft. Auf dem Friedhof sind im Frühjahr 1971 auch zahlreiche Opfer des schrecklichen Zugunglücks beerdigt worden. Die Stadt hatte vor einigen Jahren beschlossen, diese Gräber dauerhaft zu pflegen.

Der Kommunalfriedhof ist gebaut worden, weil vor etwa 50 Jahren damit gerechnet wurde, dass die Plätze in der Stadt mittelfristig nicht ausreichen würden. Radevormwald rechnete damals mit bis zu 35.000 Einwohnern. Das hat sich inzwischen erledigt. Die Stadt wird eher kleiner als größer.

Heute bereitet der Friedhof dem städtischen Haushalt regelmäßig Verluste. Etwa 1,5 Stellen des Betriebshofes sind für die Pflege der großen Fläche angesetzt. Burkhard Klein, Leiter der Bauverwaltung, schätzt die Zahl der Beerdigungen pro Jahr auf etwa 80 bis 90. Das ist bei weitem nicht kostendeckend. Hinzu kommt, dass inzwischen der Trend hin zur Urnenbeisetzung immer beliebter wird.

"Hatten wir 2011 noch 55 Prozent Urnenbeisetzungen, sind es derzeit schon 75 Prozent", sagt Klein. Verändert hat die Stadt vor einiger Zeit das Auflegen von Grabplatten. Sie dürfen wegen der verminderten Zersetzung nur noch 70 Prozent der Grabfläche ausmachen. Auf den meisten konfessionellen Friedhöfen sind Grabplatten generell nicht erlaubt.

Wegen dieser Zahlen sei es vor einigen Jahren richtig gewesen, die Kühlkammern auf dem Friedhof aufzugeben. Seit einigen Jahren werden Verstorbene in den meisten Fällen bei Bestattern aufgebahrt. Eine "Erfolgsgeschichte" ist wegen des neuen Trends der Umbau der Kühlkammer zu einem Kolumbarium. Inzwischen sind nach und nach Urnenfächer nachgekauft worden. Die Trauerhalle ist zwar in einem guten Zustand, sie ist aber sehr schwer zu heizen, weil es rein rechnerisch pro Woche nur knapp zwei Beerdigungen gibt. Die Nutzung der Trauerhalle ist deshalb nicht kostendeckend.

Sehr gut nachgefragt ist auch das anonyme Grabfeld, geplant ist ein halbanonymes Grabfeld, auf dem Urnen beigesetzt werden, die Namen aber auf einem Schild festgehalten werden. "Das hängt damit zusammen, dass heute die meisten Menschen nicht mehr bereit sind, Gräber zu pflegen", sagt Klein. Viele seien dazu auch gar nicht mehr n der Lage, weil die Familien weit verstreut sind und oft weit entfernt wohnen. Im unteren Bereich wird auch eine Baumbestattung angeboten. "Wir haben einige Bäume gepflanzt. Bis zu vier Urnen passen unter einen Baum", sagt Klein.

Angrenzend an die derzeitige Fläche des Kommunalfriedhofs war auch über eine Waldbestattung nachgedacht worden. Wegen der Verkehrssicherheit ist davon Abstand genommen und die Baumbestattung angeboten worden. Insgesamt erscheinen der Stadt die Kosten für eine Waldbestattung zu hoch. Auch die Finanzen spielen eine wichtige Rolle, weil sich die Pflegekosten bei einer Ruhezeit von 30 Jahren summieren. Um Kosten zu sparen, werden derzeit viele freiwerdende Flächen auf dem Kommunalfriedhof nicht mehr aufgearbeitet.

"Wir versuchen als Stadt, deshalb zu optimieren, was geht", sagt Burkhard Klein. Denn er gibt zu bedenken, dass die Anlage einen parkähnlichen Charakter hat und auch dem Erholungswert vieler Radevormwalder dient.

Quelle: RP
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