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Radevormwald
Deutsch lernen und einen Arbeitsplatz erhalten

Radevormwald: Deutsch lernen und einen Arbeitsplatz erhalten
Ehrenamtliche Mitarbeiter der Martini-Gemeinde versorgten beim Fest des Martini-Treffs am Wochenende auch ausländische Gäste. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Mehr als 40 Flüchtlinge feierten am Samstag gemeinsam mit den Senioren der Martini-Gemeinde das zweite Adventswochenende. Im Gemeindehaus an der Uelfestraße war jeder Platz besetzt, es wurde geredet und gesungen. "Wir haben eine gute Zeit", sagte Friedel Müller, Vorsitzender des Seniorentreffs. Von Flora Treiber

Nach der Begrüßung folgte die Andacht von Pastor Johannes Dress, die von Astrid Dress ins Englische und von Yousef Yaghmour ins Arabische übersetzt wurde. Der Syrer lebt seit einem Jahr in Radevormwald, seine Familie kam vor wenigen Monaten nach. "Meine Frau und meine drei Kinder sind endlich bei mir", sagte der 35-jährige Familienvater. Er ist dankbar für die Hilfe, die er durch die Martini-Gemeinde im letzten Jahr erfahren hat. "Wir lernen Deutsch, haben Möbel bekommen und werden bei Behördengängen unterstützt. Alleine wäre das nicht zu schaffen", sagte er. Der Maschinenbau-Ingenieur will in den nächsten Monaten so viel wie möglich lernen, um auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt bestehen zu können. "Deutschland ist ein industriestarkes Land, in dem ich mit meinem Abschluss sicherlich einen Job finden werde", ist er optimistisch.

Für ihn und seine Frau war es am Samstag schön zu sehen, wie ihre Kinder in der Mitte der Martini-Gemeinde aufblühten und durch die Feier etwas mehr von der Kultur ihrer neuen Umgebung verstanden. "Als Muslime feiern wir zwar kein Weihnachten, sind aber trotzdem an dem Fest und der Geschichte interessiert. Jesus ist auch unser Prophet", sagte Yousef Yaghmour. Er hat mittlerweile eine wichtige Verbindungsrolle zwischen der Gemeinde und vielen Flüchtlingen eingenommen und hilft, wo er kann. "Kommunikation steht an erster Stelle", sagte er. An vielen Tischen der Adventsfeier kamen am Samstag Radevormwalder mit Flüchtlingen ins Gespräch. In einer Mischung aus Englisch, Deutsch und sehr viel Körpersprache lernten sich die Menschen besser kennen. Die Kaffeetafel, die die Mitglieder des Seniorentreffs und die Bäckerei Bremicker spendeten, versorgte die insgesamt mehr als 100 Gäste. Die musikalische Begleitung der Feier übernahmen die Wupper-Musikanten um Diakon Herbert Moeselaken von St. Marien und Josef.

"Wir werden auch Geschenke an die Flüchtlinge und deren Kinder verteilen und den Nikolaus persönlich kennenlernen", kündigte Friedel Müller an. Die Kinder von Yousef Yaghmour waren gespannt auf die kleinen Überraschungen und verfolgten den Auftritt des Nikolaus gebannt. "Wir haben lange nicht mehr so ausgelassen gefeiert", sagte Yaghmour. Er sieht die größte Herausforderung der nächsten Monate für seine Familie in der Sprache. "Außerdem haben wir Heimweh. Unser Land ist zerstört und braucht eigentlich unsere Hilfe. Unser schönstes Weihnachtsgeschenk wäre Frieden in Syrien und dem Rest der Welt."

Quelle: RP
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