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Radevormwald
Deutsche Sprache als Schlüssel zur Integration

Radevormwald: Deutsche Sprache als Schlüssel zur Integration
Wiktoria Dzielo (links, 16) und Nikola Nogiec (18) haben in den vergangenen Jahren sehr gut Deutsch gelernt und sich integriert. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Erfolgreiche Integrationsbemühungen kann die Geschwister-Scholl-Schule melden. Nikola Nogiec (18) und Wictoria Dzielo (16) haben in diesen Tagen erfolgreich die Hauptschule abgeschlossen. Von Marion Gerdel

Ein Mittelwert von 1,7 und 1,8 - das sind die besten Abschlüsse des Schuljahres und ist somit die Qualifikation zur gymnasialen Oberstufe. Das Herausragende an dieser Leistung ist die Tatsache, dass Wictoria erst vor dreieinhalb und Nikola sogar erst vor eineinhalb Jahren aus Polen nach Deutschland eingewandert sind.

Ihre Klassenlehrerin Regina Lellwitz und Geschichtslehrer Heinz Baer sind zurecht stolz auf die Leistungen der beiden Schülerinnen. "In meiner ganzen Zeit als Lehrerin hatte ich noch nie einen Schüler, der in der Abschlussprüfung eine Eins im Fach Deutsch geschafft hat. Wictoria ist das als Allerersten gelungen", sagt Regina Lellwitz.

Den Einstieg in den Schulalltag erleichterte beiden Schülerinnen ihre sehr guten Englischkenntnissen, als sie aus Polen kamen. So konnten sie sich mit den Lehrern von Anfang an gut verständigen. "Zwar bekamen beide auch Förderunterricht, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern. Aber wir haben schnell gemerkt, dass es mehr Sinn für sie machte, von Anfang an am Klassenunterricht teilzunehmen", sagt die Klassenlehrerin.

Wictoria und Nikola haben ihre eigenen Erklärungen für ihren großen Erfolg. "Es ist ganz wichtig, offen zu sein und viel zu sprechen. Man darf sich nie sagen, dass man etwas nicht kann. Nur mit einer positive Einstellung kommt man weiter", sagen sie. "Mir hat Wictoria sehr geholfen", sagt Nikola. "Über sie bekam ich die ersten Kontakte zu anderen Jugendlichen." Und das, obwohl von Wictoria das Anliegen an die Lehrer gerichtet war, dass sie und Nikola getrennt sitzen. "Ich wusste, dass es nicht gut wäre, wenn wir nicht die ganze Zeit gezwungen gewesen wären, Deutsch zu sprechen", sagt die 16-Jährige. Beide nutzten auch das Fernsehen, um zu lernen. "Zeichentrickfilme sind da sehr hilfreich", gibt Wictoria als Tipp weiter. "Durch die Figuren sieht man deutlich, was gemeint ist, und die Sprache übernimmt man dann einfach." Auch lesen und Gesellschaftsspiele halfen.

Regina Lellwitz betont aber auch die gute Mitarbeit der Eltern beider Mädchen. "Sie waren auf allen Elternsprechtagen und haben die Schularbeit von zu Hause aus fantastisch unterstützt", sagt sie. "Wir haben viele Menschen gefunden, die uns geholfen haben", sagt Wictoria. "Wichtig war es für uns zu sprechen. Egal, ob man dabei Fehler macht oder nicht. Wenn man Angst hat zu reden, kann man eine Sprache nicht lernen", sagt Nikola.

Und mit dem Lernen sind beide noch lange nicht fertig. Nach den Ferien wechseln sie auf die Erich-Fried-Gesamtschule in Wuppertal-Ronsdorf. "Wir wollen dort beide Abitur machen", planen die Mädchen. Danach will Nicola Kunstgeschichte studieren, um später eventuell in einem Museum oder Antiquariat arbeiten zu können. Wictoria dagegen möchte Anglistik und Literatur bis zum Master studieren. Die Kenntnisse aus diesem Studium will sie dann für eine Schauspielausbildung verwenden.

Selbstverständlich war es für die beiden jungen Frauen in ihrer Anfangszeit in Deutschland nicht immer leicht. "Natürlich gab es Momente, wo ich keinen Bock mehr hatte", gibt Wictoria zu. "Aber wenn ich dann schlechte Noten hatte, habe ich mich geärgert und mir gesagt: ,Du musst dir jetzt selbst helfen, du kannst das schaffen'." Nikola hatte die meisten Probleme damit, dass sie zusehen musste, wie sich andere unterhielten und Spaß miteinander hatten. "Ich fühlte mich allein, weil ich die anderen nicht verstand. Aber je besser ich die Sprache konnte, umso einfacher wurde alles."

Ein Garant für die schnelle Integration war für beide die gute Arbeit der Hauptschule, für die der Begriff "bunte Schule" kein Schlagwort ist. "Egal, wo man in unserer Schule hinkommt - hier gibt es keine Vorurteile", ist sich Heinz Baer sicher und ergänzt: "Unsere Schule hat eine enorme gesellschaftliche Aufgabe übernommen, die sie hervorragend löst."

Quelle: RP
 
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