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Radevormwald
Die Geschichte der Rader Luther-Bibel

Radevormwald: Die Geschichte der Rader Luther-Bibel
Pfarrer Dr. Dieter Jeschke von der reformierten Kirchengemeinde mit der Luther-Bibel, die aus dem Jahr 1601 stammt. FOTO: nh (Archiv)
Radevormwald. Das wertvolle Stück ist in flachen, mit zartem Leder überzogenen Holztäfelchen verpackt und mit Eisenbeschlägen versiegelt: die Luther-Bibel. Diese wurde 1601 gedruckt und nun von Wolfgang Motte in einem Vortrag beschrieben. Von Sigrid Hedderich

Das dicke, schwere Buch ist kaum zu übersehen. Und doch, so manches Gemeindemitglied der evangelisch-reformierten Kirche Radevormwald spazierte in den letzten Wochen an ihm vorbei, ohne ihm auch nur einen Blick zu gönnen. "Ich weiß von Leuten, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen, aber von der schönen alten Bibel, ausgestellt im Turm-Vorraum der Kirche, keine Kenntnis haben", sagt Wolfgang Motte. Er dagegen hat sich diesem kostbaren Buch und seine Geschichte angenommen. Am Freitag referierte er zu diesem Thema in der reformierten Kirche. Die Besucher, lauschten seinen Worten. Motte hob die Kostbarkeit des dicken Buches hervor, von dem es nach heutigem Wissen nur nochweltweit nur noch vier Exemplare gibt.

Leidenschaftliche Historiker setzten sich gleich nach der Übergabe der Bibel aus einem Familienbesitz mit Stellen für alte Schriften in Verbindung. Das Institut klärte den Ehrenvorsitzenden des Bergischen Geschichtsvereins Radevormwald auf, wie wertvoll die Bibel sei. Über die Echtheit habe es zu keinem Zeitpunkt Zweifel gegeben. Der Zustand des Buches sei sehr gut gewesen. Nur die rund tausend Seiten trugen Spuren des hohen Alters. Nun ging es darum, die Bibel restaurieren zu lassen, was schließlich die Restauratorin Marita Kuhn aus Remscheid übernahm. Hierfür wurden 4000 Euro aus Spenden eingesetzt.

Wolfgang Motte drehte in seinem Vortrag die Zeit weit zurück bis zum Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel, der zu diesem dicken Buch einst anregte. Er regierte das Haus Hessen bis 1627 und zeigte sich als Freund der lutherischen Reformierung und förderte diese. Motte erzählte dann den Werdegang zur Entstehung der Bibel. Dazu stellte er Gregorius Schönfeld, Superintendant und Marburger Professor für Theologie vor. Er überarbeitete vermutlich zusammen mit seinem Mitarbeiter Daniel Engelhard die Texte und gab das Gesamtwerk schließlich 1601 als Bibel heraus.

Motte wies die Zuhörer darauf hin, dass ein handschriftlicher Vermerk eine Seite des Exemplars schmückt: "Was zu entziffern ist, lautet: 17.7.1737 im Ort .... in Holland gekauft. Johannes Grafweg." Der Ortsname sei leider nicht mehr lesbar. Zu dieser Zeit habe es gleich vier Herren mit dem Namen Grafweg in Radevormwald gegeben. So sei anzunehmen, dass es sich bei dem Käufer der Bibel um den Radevormwalder Kaufmann und Diakon der reformierten Kirche handelte.

"Die Bibel besitzt sehr schöne Bilder alter Kupferstiche und auch Weltkarten", erzählte Motte. "Diese alte Bibel ist einfach sehr schön gestaltet worden. Sie ist ein Schatz, den viele Menschen begucken können, wenn sie die reformierte Kirche besuchen", fasste Motte zusammen.

Über die Geschichte der alten Bibel ist ein Heft erschienen, das für drei Euro im Gemeindebüro und beim Bergischen Geschichtsverein Radevormwald erhältlich ist.

Quelle: RP
 
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