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Radevormwald/Oberberg
Die Menschen geben ihr Geld lieber aus

Radevormwald/Oberberg: Die Menschen geben ihr Geld lieber aus
FOTO: Torsten kemper
Radevormwald/Oberberg. Die IHK Köln veröffentlicht jetzt die Ergebnisse der Konjunkturumfrage fürs Frühjahr 2017. Die Stimmung bei Firmen im Oberbergischen Kreis ist gut, aber die Unternehmen blicken etwas skeptischer in die Zukunft als der Rest des Bezirkes. Von Joachim Rüttgen

Die Wirtschaft in der bergischen und oberbergischen Region läuft trotz einiger Unwägbarkeiten und von außen kommender wirtschaftspolitischer Unsicherheiten rund und stabil - so lautet das Kurzfazit der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Köln, an der Mitte März mehr als 700 Unternehmen aus dem Bezirk der IHK Köln teilnahmen.

Zum Frühjahr hat die Konjunktur angezogen, die Beschäftigung ist auf Rekordniveau, die Stimmung ist gut, der Blick auf die kommenden Monate positiv. "Die Unternehmen in der Region haben Vertrauen in die Konjunktur", sagt Michael Sallmann, Leiter der Geschäftsstelle Oberberg der IHK Köln. Die IHK geht auf Grundlage der Ergebnisse davon aus, dass sich der eingeschlagene Wachstumskurs trotz einiger Risiken in den kommenden Monaten weiter verfestigen wird. Denn der Geschäftslageindikator ist auf 40,4 Punkte gestiegen (Vorumfrage zum Jahresende 2016: 35,9 Punkte), und die Erwartungen haben sich ebenfalls weiter verbessert.

Derzeit gehen 21 Prozent der Unternehmen davon aus, dass die Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten noch besser wird, 69 Prozent sehen sie auf gleichbleibend gutem Niveau, und nur zehn Prozent erwarten eine schlechtere Entwicklung.

Im Oberbergischen Kreis ist die Stimmung der Unternehmen im Vergleich zur Vorumfrage noch deutlicher gestiegen: Der Geschäftslageindikator klettert auf 45 Punkte. 51,7 Prozent (Vorumfrage: 40,2 Prozent) der oberbergischen Unternehmen sehen ihre Lage als gut an. Nur noch 6,7 Prozent (Vorumfrage: 9,8 Prozent) bewerten ihre Lage als schlecht.

Etwas skeptischer blicken die oberbergischen Unternehmen in die Zukunft: Im Gegensatz zur Vorumfrage sind die Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung der nächsten zwölf Monate zurückgegangen, teilt die IHK mit. Im gesamten Bezirk liegt der Indikator bei den Erwartungen bei 10,7 Punkten; im Oberbergischen Kreis steht er nur bei 5,0.

Auch die Investitionsabsichten der Unternehmen im Oberbergischen Kreis haben im Vergleich zur Vorumfrage abgenommen.

Stabil zeigt sich dagegen weiterhin die Beschäftigungslage im oberbergischen Kreis, die entsprechend der Entwicklung am Arbeitsmarkt positiv verläuft, im April 2017 lag die Arbeitslosenquote bei nur noch 5,4 Prozent (Januar 2017: 5,8 Prozent).

Ob und in welchem Maße sich die Konjunktur weiterhin positiv entwickeln wird, hängt vor allem von Binnennachfrage, Auslandsnachfrage, Fachkräfteangebot und den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ab.

Die Inlandsnachfrage ist derzeit noch eine starke Säule der Konjunktur in Köln und Leverkusen, dem Rheinisch-Bergischen, dem Oberbergischen und dem Rhein-Erft-Kreis. Das hohe Lohnniveau, hohe Beschäftigungsrate und fehlende Sparanreize angesichts niedriger Zinsen führen dazu, dass die Menschen ihr Geld lieber ausgeben, als es auf die hohe Kante zu legen. Der private Konsum ist entsprechend beträchtlich und wirkt wie ein millionenschweres Konjunkturprogramm. Sobald sich jedoch an dieser Stellschraube etwas ändern wird, sei es durch doch wieder steigende Zinsen und damit verbundene Erhöhung der Sparquote oder durch erhöhte Inflation, wird die Binnennachfrage zum Risikofaktor - so sehen es 43 Prozent der befragten Unternehmen.

Ein weiteres Risiko: Der Fachkräftemangel. "Die Unternehmen berichten, dass es zusehends schwieriger wird, ausscheidende Mitarbeiter durch qualifizierte Nachwuchskräfte zu ersetzen", sagt Sallmann. Groß- und Einzelhandel, Werbung und Marktforschung, Unternehmensberatungen und Informations- ebenso wie Immobilienwirtschaft gehören zu den Branchen, die Personal aufstocken möchten - wenn sie es denn finden würden.

Wirtschaftspolitische Risiken bleiben der wachsende Populismus und Protektionismus, auch wenn die Frankreich-Wahl Erleichterung gebracht hat. "Internationale, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Arbeitsteilung sind essenzielle Voraussetzungen für eine stark exportorientierte Region wie die unsrige", sagt Sallmann. Vor allem die exportorientierten Industriebranchen brauchen Planungssicherheit - gerade auch mit Blick auf die Abwicklung des Brexit, teilt die IHK mit.

Quelle: RP
 
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