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Radevormwald
Die Saison der Kradfahrer hat begonnen

Radevormwald: Die Saison der Kradfahrer hat begonnen
Das Bergische Land (hier ein Foto aus Altenberg) ist besonders beliebt bei Motorradfahrern. Überholvorgänge auf Landstraßen können dabei sehr gefährlich sein, warnt Polizeipressesprecherin Monika Treutler. FOTO: Schütz (Archiv)
Radevormwald. Das Wetter wird langsam schöner. Die Polizei bittet deshalb um gegenseitige Rücksicht. Die Motorradfahrer sollen im "Netzwerk Kradfahrer" verstärkt kontrolliert werden. Nicht angepasste Geschwindigkeit ist eine Hauptunfallursache. Von Marion Gerdel

Kaum bringt der Frühling die ersten warmen und trockenen Tage, schwärmen die motorisierten Zweiradfahrer wieder aus. Mit den ersten Ausfahrten beginnt auch das oft schwierige Zusammenspiel zwischen Auto- und Motorradfahrern auf den Straßen. Autofahrer werfen den Kradfahrern Raserei und Lärmbelästigung vor, die Biker haben Angst vor Autofahrern, die sie übersehen.

Polizeisprecherin Monika Treutler hat die Unfallursachen der vergangenen drei Jahre mit Beteiligung von Motorrädern analysiert. War 2011 die Schuldfrage noch fast gleichmäßig zwischen Auto- und Motorradfahrern verteilt, waren die Zweiradfahrer 2014 in dreiviertel aller Fälle Verursacher eines Unfalls. "Auffallend ist, dass im Nordkreis zwischen 70 und 80 Prozent der Verunglückten ein auswärtiges Kennzeichen hatten", sagt sie. Das sind häufig Fahrer aus dem Ruhrgebiet oder vom Niederrhein, die im Oberbergischen Kreis mit Kurven konfrontiert werden, die sie von zu Hause nicht kennen. "Dann ist schnell das Tempo falsch gewählt, und die Kurve wird nicht mehr beherrscht", sagt Monika Treutler. Diese Unfälle fallen in der Statistik unter "nicht angepasste Geschwindigkeit, sagt die Polizeipressesprecherin.

Diese Bezeichnung habe keineswegs zwingend mit unverantwortlicher Raserei zu tun. Das Tempo müsse zu den Gegebenheiten passen. "Und das können so manche Fahrer, vor allem wenn sie sich hier nicht auskennen, häufig nicht einschätzen", sagt sie.

Hauptgrund der Unfallursache bei Autofahrern, die die Schuld tragen, sind Fehler beim Abbiegen oder das Nichtbeachten der Vorfahrtsregel. "Der Autofahrer lässt häufig vor seinem eigenen Abbiegen das vorbeifahrende Auto noch vorbei und übersieht das dahinter fahrende Zweirad oder unterschätzt dessen Geschwindigkeit. Biegt der Pkw-Fahrer ab, kommt es zum Zusammenstoß, der für den Kradfahrer meist verheerende Folgen hat", sagt Monika Treutler. Um die Unfallzahlen zu reduzieren, hat die Polizei das "Netzwerk Kradfahrer" gegründet. Auch jetzt werden die Beamten wieder an typischen Motorradstrecken unterwegs sein, um den Fahrern auf verschiedenen Wegen zu vermitteln, wie sie die Gefahren ihres Hobbys mindern können. "Gerne sehen wir dort auch Autofahrer, die sich von uns zeigen lassen, was sie tun können, um Unfälle zu vermeiden", sagt Monika Treutler. Gerade zu Beginn der Motorradsaison gilt es, auch den übrigen Verkehrsteilnehmern bewusst zu machen, dass mit Motorradfahrern vermehrt zu rechnen ist. Hinter einem Lkw, Kleintransporter oder einem etwas höheren Pkw kann immer auch noch ein Motorradfahrer unterwegs sein.

Generell geht es nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis. "Was verliert der Autofahrer, der das Motorrad im Rückspiegel kommen sieht, wenn er ein wenig weiter rechts fährt, damit es problemlos überholen kann?", stellt Monika Treutler als Frage in den Raum. Viele Autofahrer sind der Meinung, dass das überholende Motorrad in einer "mörderischen Geschwindigkeit" unterwegs sei, obwohl er im erlaubten Rahmen fährt, weiß die erfahrene Polizeibeamtin. Das werde oft falsch empfunden, denn den meisten Autofahrern fehle die Erfahrung, wie schnell ein Zweirad wirklich unterwegs ist.

Auch fehlt den meisten Autofahrern das Gefühl für die tatsächliche Breite eines Motorrads. In Schräglage kann ein Motorrad inklusive Fahrer so breit werden wie ein Auto. Wenn Autofahrer dies auf schmalen Straßen nicht berücksichtigen und einem Zweirad nicht genauso viel Platz einräumen, wie sie es für ein entgegenkommendes Auto tun, kommt der Zweiradfahrer in Not.

Dennoch bleibt der Appell an die Zweiradfahrer, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. "Die Überschätzung des eigenen Fahrverhaltens ist nach wie vor die Unfallursache Nummer eins", sagt Monika Treutler.

Um das Fahrkönnen gerade zu Saisonbeginn wieder zu festigen, ist ein Sicherheitstraining, das bei verschiedenen Anbietern absolviert werden kann, unverzichtbar. Auch auf die komplette Sicherheitskleidung sollte kein Motorradfahrer verzichten.

Quelle: RP
 
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