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Kirche in Radevormwald
Die Stadtgeschichte spannend erzählt

Kirche in Radevormwald: Die Stadtgeschichte spannend erzählt
Radevormwald. Dr. Peter Arnold Heuser hielt den Festvortrag in der reformierten Kirche über 700 Jahre Radevormwald. Die Kirchengeschichte ab dem 13. Jahrhundert zeigt, wie die Gesellschaft in Radevormwald entstanden ist. Von Flora Treiber

Die reformierte Kirche auf dem Marktplatz war kein zufällig ausgewählter Rahmen für die Festveranstaltung des Bergischen Geschichtsvereins (BGV) zu 700 Jahren Radevormwald. Die Kirche im Herzen der Stadt gilt als zentraler Erinnerungspunkt in der Entstehung Radevormwalds und stellte einen wichtigen Referenzpunkt in dem Festvortrag von Dr. Peter Arnold Heuser dar, der seit seiner Jugend rund um bergische Städte, ihre Gründung und kirchliche Entwicklung forscht. Zu der Veranstaltung am Freitagabend waren nicht nur Mitglieder des BGV, sondern auch Vertreter der Stadt und Politik sowie zahlreiche interessierte Bürger gekommen.

Peter Arnold Heuser freute sich über das große Publikumsinteresse. "Ich hoffe, mit meinem Vortrag Interesse für Stadtgeschichte und die Jubiläumschronik zu wecken. Historiker wollen nicht nur Fakten weitergeben, sondern zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart vermitteln." An der über 300 Seiten dicken Chronik hat Heuser aktiv mitgearbeitet und dabei aus seinem eigenen Archiv geschöpft. "Zu meiner Jugendzeit habe ich die Archive des Kirchenkreises Remscheid-Lennep gepflegt und diese Arbeit schon damals zu eigenen Recherchen benutzt", sagte der gebürtige Remscheider. Seinen letzten Vortrag in der reformierten Kirche hielt er 1991 als Jugendlicher. "Toll, wieder zurück zu sein und an dem gleichen Ort einen weiteren Vortrag zu halten." Eigentlich ist Heuser historischer Friedens- und Konfliktforscher, aber am Freitag stand die Stadt- und Wirtschaftsgeschichte neben der Kirchengeschichte Radevormwalds von 1300 bis 1650 im Fokus.

Radevormwald trat 1316 zum ersten Mal, überliefert mit der Verfügung über Stadtrechte, auf. "Die Urkunde trägt das Stadtsiegel. Leider liegt uns das originale Dokument nicht vor, weil es wahrscheinlich bei einem der Stadtbrände von 1525 oder 1571 vernichtet wurde. Wir haben aber eine Abschrift", sagte Heuser. Dem Siegelkundler Toni Diederich gelang es, 1974 allerdings die Siegel in Kombination mit einer ausführlichen Urkundenkritik zeitlich einzuordnen und die Urkunde von 1316, welche die Katharinenvikarie in der Pfarrkirche zu Radevormwald thematisiert, zu rekonstruieren. "Diederich hat tolle Arbeit geleistet. Wir feiern dieses Jahr also nicht unbedingt 700 Jahre Rade, sondern den Tag, an dem die Stadt zum ersten Mal als solche auftrat", betonte Heuser. Das erste überlieferte Dokument, auf dem Rade als Stadt auftritt, ist von den Historikern also als Gründungsjahr festgelegt worden.

Neben der Entwicklung der Stadtgeschichte hat Heuser sich in erster Linie mit der Kirchengeschichte ab 1300 beschäftigt. Vom Mittelalter, über die Reformation und Konfessionalisierung, über die reformierte Gemeinde zwischen 1591 und 1650, die Rekatholisierung im Dreißigjährigen Krieg bis hin zu der konfessionellen Aufteilung nach dem Westfälischen Frieden von 1648.

Die vielen kirchlichen Institutionen der Stadt stehen laut des Wissenschaftlers nicht nur für eine problematische und konfliktreiche Geschichte, sondern im gleichen Maße für die Entwicklung von Lösungsstrategien, für harte Arbeit und für Toleranz. "Die Kirchengeschichte zeigt uns, wie Gesellschaft und das Miteinander in Rade entstanden ist", sagte Heuser. Er bezog die Stadtgeschichte immer wieder auf die Jetztzeit und stellte die Anfänge der Stadt in einen engen Zusammenhang mit ihrer heutigen Struktur und den Bewohnern.

Pfarrer Dieter Jeschke fühlt sich in seiner neuen Heimatstadt wohl und genießt das, was vor 700 Jahren begann, in vollen Zügen. "Geschichte erklärt Gegenwart, und deswegen ist diese Veranstaltung so wichtig", sagte er am Freitag. "Die Menschen hier sind engagiert und herzlich. Die Liebe überwiegt neben den Problemen. Wir sollten gemeinsam dafür einstehen, dass Rade liebenswert ist", beendete Jeschke seine persönliche Liebeserklärung an seinen Wohnort. Nach kurzer Zeit fühlt sich auch Bürgermeister Johannes Mans in Radevormwald wohl. Er pflichtete Dieter Jeschke bei. "Die Menschen beweisen immer wieder, dass ihnen das gemeinsame Wohl am Herzen liegt. Die Lebensfreude und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, haben mich vom ersten Tag an begeistert", sagte der Bürgermeister.

Ulrich Haldenwang, Vorsitzender des BGV Radevormwald, war stolz auf die vielen Ansprachen und den Festvortrag. "Genau so haben wir uns diesen Abend vorgestellt", sagte er. Nach dem Vortrag kamen die Gäste in der Kirche ins Gespräch, blätterten durch die Jubiläumschronik und besprachen ihre Fragen mit Peter Arnold Heuser.

Quelle: RP
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