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Gewaltkriminalität in Radevormwald
Die Täter werden immer brutaler

Radevormwald. In Großstädten und Ballungsräumen geht's schlimmer zu - von friedlich-beschaulicher Provinzidylle kann inzwischen aber auch im ländlich geprägten Oberbergischen Kreis keine Rede mehr sein. Laut Kriminalstatistik ist 2016 die Gewaltkriminalität um fast 20 Prozent angestiegen.  Von Brigitte Neuschäfer

Das belegt die Kriminalstatistik für 2016, die die Kreispolizeibehörde in Gummersbach in dieser Woche veröffentlicht hat. Erfasst sind darin für das vorige Jahr insgesamt knapp 13.000 im Kreisgebiet begangene Straftaten (davon 916 in Radevormwald). Das waren gut 200 mehr als 2015, es entspricht einem Zuwachs um knapp 1,8 Prozent. Die Zahl der Delikte, die unter dem Oberbegriff Gewaltkriminalität zusammengefasst werden, stieg dagegen um mehr als 19 Prozent: kreisweit von 475 auf 567 registrierte Straftaten.

In Radevormwald war die Entwicklung allerdings entgegen dem Trend im Kreis positiv: 38 am Ort begangene Gewalttaten gingen 2016 in die Statistik ein, 2015 waren es mit 45 sieben mehr gewesen. Damit steht Rade besser da als alle anderen zwölf Städte und Gemeinden im Kreis. Nur in Engelskirchen war ebenfalls ein Rückgang der Zahlen zu verzeichnen, allerdings prozentual nicht in gleicher Höhe wie in der Bergstadt.

"Die stark angewachsene Gewaltkriminalität im Kreis ist schon signifikant und macht uns Sorge", sagt Falko Steinhauer von der Führungsstelle Kriminalität innerhalb der Kreispolizeibehörde. Behördenleiter und Landrat Jochen Hagt sieht das ebenso, zumal polizeiliches Handeln allein die Entwicklung nicht abbremsen könne. Hagt: "Zunehmende Brutalität scheint ein gesamtgesellschaftliches Problem zu sein, dem auch nur gesamtgesellschaftlich entgegengewirkt werden kann." Das beginne bei der Vermittlung von grundlegenden Werten wie beispielsweise Respekt und Wertschätzung.

Bei drei von vier kreisweit begangenen Straftaten aus dem Bereich der Gewaltkriminalität handelte es sich im zurückliegenden Jahr um gefährliche beziehungsweise schwere Körperverletzung. Dabei gehen die Täter immer brutaler vor. Steinhauer: "Früher war Schluss, wenn nach einer Schlägerei einer am Boden lag. Heute wird hemmungslos nochmal nachgetreten. Schwere Verletzungen des Opfers werden in Kauf genommen."

Fast jede fünfte schwere Körperverletzung findet laut jüngster Statistik innerhalb der eigenen Partnerschaft oder Familie statt. Weitere 35 Prozent spielen sich im sozialen Umfeld der Tatverdächtigen ab. In mehr als der Hälfte der Fälle kennen sich Täter und Opfer also. Entsprechend hoch ist die polizeiliche Aufklärungsquote von fast 82 Prozent.

Zu Gewaltbereitschaft und Brutalität scheinen schon seit Jahren vor allem junge Leute zu neigen: Fast ein Drittel aller im vorigen Jahr ermittelten Tatverdächtigen hatten das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet. Die Zahl der jungen Gewalttäter ist damit deutlich höher als ihr prozentualer Anteil an der oberbergischen Gesamtbevölkerung.

Quelle: RP
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