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Radevormwald
Drei Stolpersteine erinnern an Nazi-Opfer aus Rade

Radevormwald: Drei Stolpersteine erinnern an Nazi-Opfer aus Rade
Gunter Demnig setzt gestern auch vor dem Haus Burgstraße 2 einen "Stolperstein" als Gedenkstein in den Boden. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Künstler Gunter Demnig kam gestern Morgen nach Radevormwald, um drei Steine mit Messingschildern zu setzen.

Auch Radevormwald wurde vom Terror der Nazi-Zeit nicht verschont. Eine der vielen Grausamkeiten war die Tötung von körperlich oder psychisch kranken Menschen. Drei Opfern dieser Euthanasie wurde gestern in Radevormwald durch die Anbringung von sogenannten Stolpersteinen gedacht. Gunter Demnig, Künstler aus Frechen, hatte 1993 die Idee zu der Aktion "Stolpersteine", von denen er die ersten 1996 in Berlin noch illegal ins Straßenpflaster einbaute. Seit 2000 darf er diese Erinnerungssteine nun offiziell installieren und hat seither europaweit etwa 60.000 Stück meist vor den letzten Wohnstätten der Opfer in den Boden gesetzt.

In Radevormwald wird auf diese Weise den Opfern Hans Rolf Selbach, Hilde Hahne und Paula Dürhager gedacht. Petra Ebbinghaus, eine Nichte des 1944 getöteten Hans Rolf Selbach, brachte durch ihre privaten Nachforschungen den Stein ins Rollen. "Ich wollte meinen Onkel in die Heimatstadt zurückbringen", erzählt Petra Ebbinghaus, "und 2013, als meine Mutter und die letzte Tante gestorben waren, die Familie wieder irgendwie zusammenführen."

Von den Stolpersteinen hatte sie schon gehört und mit Hilfe von Pfarrer i.R. Wolfgang Motte und dem Bergischen Geschichtsverein den ersten Kontakt mit Gunter Demnig aufgenommen. "Ich hoffe, meiner Mutter und meiner Tante einen Gefallen getan zu haben, in dem ich die Erinnerungen an ihren Bruder nicht in Vergessenheit geraten lasse", wünscht sich Petra Ebbinghaus. Um deutlich zu machen, dass es sich hier um das Gedenken an einen ermordeten Jugendlichen handelt, bat sie Musiker des Jugendfeuerwehrorchesters um musikalische Unterstützung zur Gedenksteinlegung. "Sie sind in dem Alter, in dem mein Onkel war, als er 14-jährig ermordet wurde. Und er hat auch Akkordeon gespielt", sagt sie.

Sie hofft, dass die Stolpersteine als Mahnung helfen, dass Menschen nie wieder ausgegrenzt oder gar ermordet werden, nur weil sie krank oder anders sind, als der Durchschnitt. Auch Hans Dürhager, der der Installation des Gedenksteines für seine Tante Paula Dürhager in Rädereichen beiwohnt, findet die Aktion auch in Radevormwald außergewöhnlich gut. "So bleiben die betreffenden Personen in Erinnerung." Diese Aussage bekräftigt Bürgermeister Johannes Mans. "Die Steinsetzung war auch für mich ein sehr bewegender Moment. Erst mit der Beschreibung persönlicher Schicksale wird deutlich, wie schmerzhaft die einzelnen Leidenswege waren", sagt er.

Für den Künstler ist das Setzen der Stolpersteine noch immer keine Routine. Er freut sich über jeden Stein, den er einbringen kann, aber gerade die, die an Euthanasie-Opfer erinnern, sind ihm besonders wichtig. Der Name "Stolpersteine" ist auch eine Assoziation dafür, dass man an diesen Stellen mit dem Kopf und dem Herzen stolpern soll, erklärt Gunter Demnig. "Das Messing, mit dem die Steine beschichtet sind, wird durch das ständige Drüberlaufen der Fußgänger blank poliert. Wenn man die Inschrift lesen möchte, muss man den Kopf senken. Dann verbeugt man sich auch vor dem Opfer." Mit einer Eintragung ins Goldene Buch der Stadt beendete der Künstler seinen Besuch. Orte Elberfelder Straße 18, Rädereichen und Burgstraße 2.

(gedi)
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