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Radevormwald/Hückeswagen
Dünne Personaldecke bei Katholiken

Radevormwald/Hückeswagen: Dünne Personaldecke bei Katholiken
Die Pfarrkirche St. Marien in der Innenstadt bildet das katholische Zentrum zusammen mit dem Caritashaus und dem Pfarrhaus mit dem Pastoralbüro. FOTO: Nico Hertgen (Archiv)
Radevormwald/Hückeswagen. Der katholische Seelsorgebereich Radevormald-Hückeswagen zählt zurzeit 9500 Katholiken. Ab Mitte 2016 wird es nur noch zwei Priester geben. Deshalb kündigt der leitende Pfarrer Marc D. Klein schon jetzt gravierende Veränderungen an. Von Joachim Rüttgen

Der Personalplan für den katholischen Seelsorgebereich Radevormwald-Hückeswagen gilt seit 2010. "Seitdem ist die Entwicklung für das Erzbistum und für die Gemeinden vor Ort schwer zu kalkulieren", sagt Pfarrer Marc D. Klein. Fest stehe, dass sich die Gemeinden auf weitreichende Veränderungen einstellen müssen. Zurzeit könnten sich die Gemeinden in den beiden Städten nicht beklagen. "Trotzdem werden andere Zeiten kommen, auf die wir uns planerisch und pastoral einstellen müssen und werden", kündigt Klein im Pfarrbrief der Pfarreiengemeinschaft an.

Im Sommer musste sich die Gemeinde von Kaplan Johannes Wolter verabschieden, dafür gibt es den neuen Pfarrvikar Michael Weiler und Lukas Szczurek für den laienpastoralen Dienst. Er ist zunächst Gemeindeassistent, also in der Ausbildung, und später dann Gemeindereferent. Er soll fünf Jahre in Rade und Hückeswagen bleiben.

Klein beklagt, dass sich im Oberbergischen Kreis nicht mehr viele Menschen für einen pastoralen Beruf entscheiden. "Die Rheinschiene ist weitaus beliebter", sagt er. Über die beiden neuen Kräfte sei er deshalb auch froh und dankbar. Weiler und Szczurek wurden mittlerweile in beiden Städten in ihre Ämter eingeführt.

"Ein Pfarrvikar ist wie ein Kaplan, hat aber den Titel und das Gehalt eines Pfarrers", erläutert Klein. Wer Priester sein möchte, aber nach seiner Zeit als Kaplan keine leitende Pfarrerstelle für einen Seelsorgebereich übernehmen möchte, könne Vikar werden. Für Klein ist es in den kommenden Monaten und Jahren wichtig, nicht nur auf Notsituationen zu reagieren, "deshalb sollten wir uns schon jetzt darauf einstellen, dass wir ab Mitte 2016 nur noch zwei Priester für den Seelsorgebereich haben", sagt er. Da müssten neue Schwerpunkte gebildet und die Aufgaben im Team neu verteilt werden. "Und da sehen die Mitarbeiter durchaus noch Diskussionsbedarf", weiß Klein. So soll der neue Gemeindeassistent die Firmvorbereitung übernehmen. Wie es mit der Betreuung der Altenheime weitergeht, weiß der Pfarrer noch nicht. Fest steht, dass die Sonntagsmessen künftig von sieben auf fünf reduziert werden müssen. Auch die Gottesdienste an Werktagen werden genau geprüft. "Aber um den Gläubigen das plausibel zu machen, müssen wir erstmal nur mit zwei Priestern arbeiten", sagt Klein. Firm- und Kommunionvorbereitung müssten wichtige Aufgaben bleiben, ebenso die Betreuung der Messdiener und die Besuche in den katholischen Grundschulen und den weiterführenden Schulen. Auch die Bibelabende in Hückeswagen und in den Wupperorten möchte er gerne beibehalten.

"Unsere drei Familienzentren St. Marien, Am Kamp und Wiehagen (beide Hückeswagen) bleiben mir ein wichtiges Anliegen, damit wir die Familien weiter stärken", sagt Klein. Hinzukommen Sternsingeraktion, Caritas, Ökumene und Liturgien - wie es da noch mit den Besuchen zu Geburtstagen klappen soll, weiß der Pastor noch nicht. Hier will er Gespräche mit dem Pfarrgemeinderat führen. "Solche Dinge sind Luxus", sagt Klein, genauso wie separate Jubiläumsmessen. "Da müssen wir uns fragen, ob das künftig noch sinnvoll ist", sagt er. In Wipperfürth gebe es schon seit einem Jahr nur noch einmal im Jahr einen Wortgottesdienst mit Kaffeetrinken.

Bestehen bleiben müssten Pfarrnachrichten und Pfarrbriefe, ebenso die Arbeit in Vereinen und Gruppen im Seelsorgebereich. Klein plädiert dafür, das Ehrenamt zu stärken. "Wir sind keine Servicekirche, Gemeinde lebt vom Miteinander, je mehr sich einbringen, desto vielfältiger wird das Gemeindeleben", sagt er. Talente gebe es genug bei der Zahl von 9500 Katholiken. Klein möchte bei den Menschen Charismen entdecken. Diese Fähigkeiten herauszukitzeln, sei eine große Herausforderung für die Zukunft. Die aber mit weniger Personal angegangen werden muss. Im Jahre 2030, so die Prognosen, gibt es nur noch ein Drittel der heutigen Priester, außerdem muss die katholische Kirche ein Drittel der Gebäude aufgeben. "In Wipperfürth, Lindlar und Engelskirchen gibt es schon heute keine Pfarrer mehr", sagt Marc D. Klein.

Quelle: RP
 
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