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Radevormwald
Ehrenamtlern die Angst vor dem Fremden nehmen

Radevormwald. Bei einer Schulung gab Referent Meinolf Remmert ehrenamtlich Tätigen in der Flüchtlingshilfe Tipps an die Hand. Von Heike Karsten

Es ist schon schrecklich genug, mit Bildern und Nachrichten aus Kriegsgebieten konfrontiert zu werden. Viele Flüchtlinge, die hier Zuflucht suchen, haben diese Szenen jedoch hautnah erlebt. Für Burkhard Anger aus Hückeswagen, der sich seit August in der Flüchtlingshilfe engagiert, sind solche Bilder nicht leicht zu verkraften. "Sie haben mich bis in den Schlaf hinein verfolgt", berichtete er. Er möchte den Flüchtlingen Trost spenden und helfen, hier in Deutschland Fuß zu fassen. Dazu beteiligt er sich als "Co-Trainer" an Sprachkursen der Stadtbibliothek. "Ich bin überzeugt, dass etliche Flüchtlinge ihren Weg machen werden. Das ist meine Triebfeder und meine Motivation", betonte Anger. Um sich mit anderen Engagierten auszutauschen und zu erfahren, wie Integration am besten gelingen kann, besuchte er am Sonntag die Schulung für Ehrenamtler in der Flüchtlingshilfe. Im Fritz-Perls-Institut an der Bever-Talsperre referierte der Trainer Meinolf Remmert aus Iserlohn. Sein Ziel war es, den zehn Teilnehmern praxisorientierte Impulse und Anregungen an die Hand zu geben, damit der Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen respektvoll und gut gelingen kann.

Eingeladen hatte das Kommunale Integrationszentrum (IK) Oberberg, das sämtliche Aktivitäten in der Flüchtlingshilfe vernetzen und koordinieren soll. "Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, sondern zunächst Transparenz über alle Angebote im Kreis herstellen und Lücken schließen", sagte IK-Leiterin Suse Düring-Hesse. Dass eine der drei Schulungen in Hückeswagen stattfand, war Bürgermeister Dietmar Persian zu verdanken. Dennoch blieben Plätze unbesetzt.

Die Teilnehmer aus Hückeswagen, Radevormwald, Morsbach und Waldbröl kamen mit unterschiedlichen Motivationen: Das ehrenamtliche Engagement des Ehepaars Rischmaui aus Palästina, das seit rund 40 Jahren in Morsbach lebt, begann mit arabischen Übersetzungen. "Heute kümmert sich Eva Rischmaui aufopferungsvoll um junge Flüchtlinge und schwangere Frauen, während ihr Mann Basil seine Kompetenzen als Arzt einsetzt", berichtete Suse Düring-Hesse. Den Männern erläutere die Morsbacherin deutsche Bräuche und Sitten, wie beispielsweise den Karneval und dass freizügige gekleidete Frauen kein "Freiwild" seien. "Damit sich die Ereignisse von Köln nicht wiederholen", unterstrich die Morsbacherin. Monika Lindmeyer betreut seit einigen Monaten eine syrische Familie in Hückeswagen. "Ich möchte mehr über andere Kulturen lernen und das, was ich in früheren Kursen gelernt habe, vertiefen", sagte sie.

Andere Sitten, wie zum Beispiel die Ablehnung eines Handschlags zur Begrüßung, sollten nicht als persönliche Beleidigung gesehen werden. "Oft empfindet man manche Situationen schlimmer, als sie sind", berichtete Burkhard Anger. Beim Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten relativiere sich dieses Empfinden häufig.

Das Thema "Migration" ist nicht neu. Einige Teilnehmer waren schon vor mehr als 20 Jahren aktiv, als Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan in Deutschland Schutz suchten. Meinolf Remmert zog aus einem geschichtlichen Rückblick einige Beispiele gelungener Integration. "Migration ist ein Kriterium in der Gesellschaft, aber nicht das Wichtigste", sagte der Referent.

Bei der Bildung seien die finanziellen Möglichkeiten in der Familie sogar entscheidender als die Herkunft. Das persische Ehepaar aus Morsbach ist der Meinung, dass Integration auch ein Stück weit an jedem selbst liegt. "Ich war evangelischer Karnevalsprinz in Morsbach. Mehr Integration geht nicht", berichtete Basil Rischmaui lachend aus seinem Leben.

Quelle: RP
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