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Radevormwald
Ehrenamtlich mit dem Bus unterwegs

Radevormwald. Dankbare Augenpaare und ein Gruß sind der Lohn für seinen Einsatz hinterm Steuer: Siegfried Winter befördert seit mehr als vier Jahren regelmäßig Fahrgäste mit dem Bürgerbus - zum Einkauf, zum Arzt oder einem Kaffeekränzchen. Von Sigrid Hedderich

Die Gäste steigen in aller Ruhe auf dem Parkplatz Wuppermarkt in Vogelsmühle aus dem kleinen Bus. Siegfried Winter läuft um das Fahrzeug, öffnet die Heckklappe und versorgt seine Fahrgäste mit ihren Taschen oder Rollatoren. Jetzt kann er losgehen, der Einkauf.

Siegfried Winter wünscht allen Fahrgästen einen guten Einkauf und erinnert, dass er in 30 Minuten wieder losfahren muss. Die Gäste nicken ihm fröhlich zu, scheinen sich auf die kurze Zeit des eigenständigen Einkaufes zu freuen. Pünktlich zur ausgemachten Uhrzeit trifft sich die kleine Gruppe wieder am Bus. Der Fahrer verstaut die Körbe, Taschen und Rollatoren, hilft jedem seiner Gäste, die Stufen ins Businnere zu bewältigen. Die Damen plaudern munter, berichten von ihren Einkäufen. Siegfried Winter hört schmunzelnd zu. Er kennt nun die Wochenangebote, die Preise und sogar einige Tascheninhalte.

"Ich habe Kerzen gekauft. Schöne dicke in Rosenholzfarbe", berichtet eine Frau. Sie plant schon, in der kommenden Woche wieder mit dem Bürgerbus zum Wuppermarkt zu fahren. Diese Tour trägt den Namen "Wupperblitz". "Ohne den Bus wäre ich ganz schön aufgeschmissen", sagt sie. Sie nimmt Platz und scheint sich auf die Abfahrt des Busses zu freuen. Siegfried Winter schließt die Türen und nimmt hinter dem Steuer Platz.

Der Motor brummt auf, es kann losgehen. "Viele meiner Fahrgäste sind einfach nur froh, sich auch einmal auszutauschen. Nicht immer geht er nur ums Einkaufen, sondern um das Gespräch", hat der ehrenamtliche Helfer in den vergangenen Jahren häufig erfahren. Sein "Job" macht ihm viel Freude. Dass er mit Herzblut dabei ist, merkt jeder schnell. Engagiert und genau beobachtend steigt er hinter sein Steuer und fährt die Gäste je nach Tour durch die Außenbezirke wie auch durch die Rader Innenstadt.

Schnell kommt er dabei ins Gespräch, kennt inzwischen schon viele Lebensgeschichten seiner Fahrgäste. "Einige erzählen von ihrem bevorstehenden Arztbesuch, später berichten sie mir von der Diagnose", erzählt Winter. Er spürt deutlich, wie wichtig diese Kommunikation für den Einzelnen ist. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige Fahrgäste nur mitfahren möchten. Ein wirkliches Ziel haben sie dabei nicht", sagt der ehrenamtliche Bürgerbusfahrer.

Er fährt leidenschaftlich gerne Auto und Bus, erzählt Winter. Schon mehrfach sei er beruflich um den Erdball gereist. "Ich wurde kurz nach meinem Renteneintritt von Freunden angesprochen, ob ich Lust auf Busfahren hätte", erinnert er sich. Was für eine Frage. Schnell sagte er zu und fährt seither an drei bis vier Tagen einen Kleinbus des Bürgervereins. "Voraussetzung sind ein polizeiliches Führungszeugnis, gute Gesundheit und der Personenbeförderungsschein", zählt er auf. Das Busfahren sei für ihn mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung.

Der Dank der Fahrgäste erfülle ihn mit großer Freude. Das Gefühl, hier etwas Gutes zu tun, sei eine Bereicherung. Dazu komme noch die gepflegte Geselligkeit aller Busfahrer untereinander. "Auch die ist wichtig. Wir treffen uns monatlich, um die Fahrpläne zu besprechen. Darüber hinaus machen wir Ausflüge und gesellige Abende", sagt er.

Siegfried Winter wünscht sich, in Zukunft noch viele Radevormwalder im Bürgerbus chauffieren zu dürfen.

Quelle: RP
 
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