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Radevormwald
Ein Bürgermeister im Schottenrock

Rathaussturm in Radevormwald
Radevormwald. Bis zum Aschermittwoch ist Prinzessin Olga vom Kunterbund Rua Kapaaf symbolisch die Chefin im Rathaus. Die Karnevalisten der RKG Rot-Weiß kündigten an, dass eine Dame von ihnen im kommenden Jahr wieder an der Reihe ist. Von Flora Treiber und Wolfgang Scholl

Das Rathaus stand Kopf, als die Narren gestern um 11.11 Uhr das Rathaus stürmten. Nachdem Vorstand und Garde der 1. Großen Karnevalsgesellschaft (RKG) den "Blauen Salon" erobert hatten, folgte das Prinzenpaar der KG Rua Kapaaf zu Dudelsackmusik. Präsident Thomas Lorenz begrüßte die Jecken im Schottenrock. Das Prinzenpaar Olga (Horlitz) und (Dirk) Finger knüpfte Bürgermeister Johannes Mans nicht nur den symbolischen Schlüssel ab, sondern dekorierte ihn auch um.

"Herr Mans in mein Büro. Diese wunderschöne Aufgabe habe ich mir für sie ausgedacht", sagte die Prinzessin. Sie könne halt besser dekorieren als reden. Ihre Hofdamen Manuela Finger und Beate Ritter spannten ein großes Laken um Mans, um ihn vor neugierigen Blicken zu schützen, während er Hose gegen Schottenrock tauschte. "Hose runter!", forderte die Prinzessin. Die Karnevalisten klatschten und waren sichtlich gespannt auf das Ergebnis. Wenige Minuten später feierte Mans im rosafarbenen Schottenrock in der Menge mit. Genäht hat die Schottenröcke seit November die Mutter der Prinzessin "Ludmilla "Lulu" Rau.

Fotos: So war der Rathaussturm in Radevormwald FOTO: Moll, Jürgen (jumo)

"Das nächste Jahr wird noch schlimmer", jagte ihm Heidi Scherer, Präsidentin der RKG, einen weiteren Schrecken ein. Wehrlos fügte sich der neue Bürgermeister. Gekommen war auch seine Ehefrau Kornelia Mans. Wenn auch nicht ganz freiwillig. "Wir haben es uns erlaubt, die erste Bürgerin der Stadt zu Hause abzuholen und ins Rathaus zu bringen", sagte die RKG-Präsidentin. Der Plan war, dass Kornelia Mans das Geheimnis um Schottenröcke lüften sollte. "Wir wollen doch alle wissen, was Männer drunter tragen und es gibt nur eine Frau, die uns das verraten kann", sagte die RKG-Präsidentin.

Ja, und dann gibt es noch die karnevalistischen Grüße: Der Kunterbund sagt "Rua Kapaaf", die RKG Rot-Weiß bleibt bei "Rade alaaf", ab und zu kommt auch noch der Ruf der aufgelösten Grün-Weißen "Wuppdika". Da der Karneval trotz Singen, Schunkeln und Lachen eine ernste Sache zu sein scheint, rufen die Karnevalisten nach dreimal "Rua Kapaaf" noch einmal "sicherheitshalber Rade alaaf" und umgekehrt .... Zum Jubiläumsjahr 700 Jahre stimmten die Karnevalisten und Rathausmitarbeiter schließlich "Du bess die Stadt" an und wurden auch dabei auf dem Dudelsack begleitet. Für die RKG verteilten Dominik Betz und Mareike Betz-Dmuß vom Vorstand der RKG schließlich noch Sessions-Orden. Die drei Tanzgarden ließen Tänze folgen. Es wurde gebützt und geschunkelt. Yannick Pauly, Kinder- und Jugendring und Stadt, gab den DJ. Die Kleine und die Mittlere Garde zeigten zuerst ihr Können, bevor die Großen an die Reihe kamen und die Höhe der Decke im "Blauen Salon" testeten. "Jetzt geht es richtig rund", freute sich die RKG-Geschäftsführerin, Mareike Betz-Dmuß. Bis nach 12 Uhr war das Rathaus die Partymeile. Und: Es gab keine einzigeungestutzte Krawatte.

Ungläubig betrachtete Johannes Mans den Schottenrock. "Nee, nee", sagte er, als er ein Glas Kölsch nach dem ersten Schluck weiterreichte. Auf die Frage, ob er den Schottenrock denn auch bei den zukünftigen Haushaltsberatungen in Stadtratssitzungen tragen werde, antwortete er mit funkelnden Augen: "Mach ich!" Während viele Rathausmitarbeiter feierten, sagte er nach dem offiziellen Ende: "Heute Nachmittag bin ich wieder im Büro."

Quelle: RP
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