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Radevormwald
Ein Leben als Künstler und Dozent

Radevormwald. Vor einiger Zeit ist das Künstler-Ehepaar Wil und Grit Sensen nach Radevormwald gezogen. Der Künstler Wil Sensen war 84 Semester lang als Hochschullehrer tätig. Lange hat das weltreisende Ehepaar auch in Südfrankreich gelebt. Von Marion Gerdel

Die Stadt ist um ein äußerst aktives Künstlerehepaar reicher geworden. Professor Wil Sensen (80) und seine Frau Grit (75) wohnen jetzt in der Bergstadt und wollen künstlerisch noch viel bewegen. Der emeritierte Professor unterrichtete in Wuppertal seit 1958 Künstler aller Sparten, wobei er sie vor allem in den Fachbereichen Konzeption und Entwurf förderte. Grit Sensen lernte ihren Mann während ihres Goldschmiede-Studiums kennen, denn Wil Sensen war einer ihrer Professoren.

Vor 51 Jahren, gleich nach Beendigung ihres Studiums, heirateten sie. Mit der Familiengründung war die künstlerische Laufbahn von Grit Sensen erst einmal auf Eis gelegt. Wil Sensens facettenreiche Karriere dagegen fing damals erst richtig an - mit der Ernennung zum Professor für Freie Grafik, vielen Einzel- und Gruppenausstellungen und mehreren großen Außenkunstwerken. Dazu gehört die Gestaltung der 120 Meter langen Lärmschutzwand in Elberfeld (Nevigeser Straße).

Zahlreiche Auszeichnungen seiner Werke in Kairo, Japan, Korea sowie Ausstellungen von Deutschland bis Australien zeigen die Bedeutung seiner Werke. In der Zeit seiner Gastprofessuren in "Down Under" erwachte auch in Grit Sensen wieder der künstlerische Schaffensdrang. Viele Fundstücke, die sie bei Spaziergängen entdeckte, gestaltete sie in Kunstwerke um. Inzwischen malt und fotografiert sie und legt ihr Augenmerk auf die großflächige Gestaltung von Lebensmittelbildern. 2,70 Meter hohe Spargelstangen und Baguettes zieren die Wände des denkmalgeschützten Hauses, das das Ehepaar bewohnt.

"Nach dem Ende meiner Lehrzeit an der Universität in Wuppertal hat es uns nach Frankreich gezogen", erzählt Wil Sensen und ergänzt, "wir hatten dort schon immer ein Ferienhaus im Médoc, das wir damals zu einem Wohnhaus mit zwei Ateliers umbauten." Parallel gab es immer wieder lange und inspirierende Studienreisen für das Künstlerehepaar, die sie unter anderem nach Java, Pulau Sepa, Bali, Singapur oder Koh Samui führten.

Obwohl sie sich an ihrem Hauptsitz in Frankreich sehr wohl fühlten, musste das Ehepaar nach 29 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nach Deutschland zurückkehren. "Wir vermissen zwar die französische Lebensart, freuen uns aber auch darüber, wie gut wir in Radevormwald aufgenommen worden sind", sagen sie. Das Einzige, was sie brauchen, ist Platz. Platz für die vorhandenen und die noch geplanten Kunstwerke. "Ich könnte mir sehr gut vorstellen, auf dem Gelände von Wülfing ein Atelier zu eröffnen. Die Industriebrache bietet sich für künstlerisches Schaffen geradezu an", wünscht sich Wil Sensen. Beide können sich auch vorstellen, in Rade eine Ausstellung zu organisieren. "Dann könnten wir zeigen, dass der Mann mit dem langen Bart nicht nur Kunst macht, sondern auch präsentieren, wie diese aussieht", sagt er.

Der Trägerverein "aktiv55plus" hat bereits Kontakt zu Sensen geknüpft. Auf seine Anfrage hin wird Wil Sensen am 13. Dezember zur Hundertwasser-Ausstellung einen Vortrag zum Thema grafische Techniken halten.

"Ich habe mich mein Leben lang mit der Erschaffung von Kunst beschäftigt", sagt der 80-Jährige. "Dass mich meine derzeit kranke Hand aktuell davon abhält, weiter zu arbeiten, bremst mich sehr aus. Aber ich bin entschlossen, weiter tätig zu sein." Neben dem Wunsch, selber zu zeichnen, könnte sich der ehemalige Hochschullehrer, der in 84 Semestern unzählige Studenten durchs Studium führte, auch vorstellen, Unterricht zu geben. Außerdem würde er gerne Außenkunstwerke, zum Beispiel für die sanierten Innenstadtbereiche, gestalten.

Quelle: RP
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