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Radevormwald
Ein sandiges vergängliches Kunstwerk

Radevormwald: Ein sandiges vergängliches Kunstwerk
Das fertige Mandala wurde auch feinen Sandkristallen von Mönchen im Asiatischen Museum gefertig. FOTO: Jürgen Moll
Radevormwald. Das Sand-Mandala, von tibetischen Mönchen im Asiatischen Museum hergestellt, zog viele Besucher an.

Zielsicher gingen gestern viele Besucher im Asiatischen Museum am Sieplenbusch die lange Treppe ins Obergeschoss hoch. Ihre Erwartung, von einem hochgelegenen Punkt einen Superblick auf das sandige Kunstwerk zu ergattern, erfüllte sich. Ein einheitliches Raunen war direkt am Geländer der Empore zu hören. Da unten, fein säuberlich und akkurat in Art und Weise zeigte sich der Grund: das bunte Mandala.

Millionen von feinen Sandkristallen, eingefärbt in frischen Farben, zeigten eine Formation, die jeden Freund asiatischer Kunst das Herz höher schlagen lässt. "Kaum zu glauben, dass das Mandala noch vor kurzer Zeit als feiner Sand in vielen Schüsselchen ruhte", meinte Charlotte Klimmig. Sie hatte beobachten können, wie das Kunstwerk langsam, ganz langsam Form angenommen hatte. "Beeindruckend war für mich, dass die Mönche so konzentriert waren und die Umgebung vermutlich gar nicht wahrgenommen haben", erzählte sie. Erfreut sei sie, dass das Sand-Mandala hier einmal nicht bei einem feierlichen Ritual zerstört wird, sondern unter einer Glaspyramide sicher erhalten bleiben kann.

"Das Zerstören von einem Mandala soll daran erinnern, dass alles vergänglich ist, aber in seiner Bestandsart erhalten bleibt", so Organisatorin Kirsten Wehner: "Der Sand wird abschließend immer in einen fließenden Fluss geschüttet. Das hat Tradition." Sie hatte den viertägigen Besuch der tibetischen Mönche in Radevormwald organisiert. "Die Veranstaltung wurde von dem Publikum sehr gut angenommen. Allein heute kamen gut 150 Museumsbesucher", freute sie sich. Mit erkennbarem Stolz präsentierte sie Besuchern das neue Herzstück der Ausstellung. Nur der Transport des Kunstwerkes zum endgültigen Standort, eine Treppe tiefer, bereite noch etwas Kopfschmerzen. "Wenn ich nur daran denke. Ein kleiner Stolperschritt wäre fatal. Der Sand könnte verrutschen....". Sie schüttelt heftig den Kopf, als wolle sich an dieses Szenario nicht denken. Zusammen mit Norbert Rauch, ebenfalls ein begeisterter Asienkenner, stiftete sie nun das Mandala dem Museum. "Darüber bin ich sehr froh. Das Mandala durfte ich zuvor aussuchen: die "Grüne Tura", eine Schutzgöttin. Die späteren Planungsarbeiten haben einen ganzen Tag gedauert. Erst dann konnten die Mönche zu ihren konischen Messingröhren greifen und den Sand an seinen vorbestimmten Ort streuen", erzählte sie. Die Besucher haben dieses Handwerk beobachten können. "Schön, dass sie alles erleben konnten und sehr zufrieden waren", zog sie Bilanz.

Nur habe es mit der angekündigten Möglichkeit, sein Haus von den Mönchen segnen zu lassen, nur bedingt geklappt. "Leider war der französische Organisator, der mit den Mönchen auf Reise geht, nicht so verlässlich, wie erhofft. Wir haben alles gut und zeitig gebucht, und doch ist nicht alles rund gelaufen, wie mit den Haussegnungen", bedauert sie. Es seien hier viele Anfragen zu ihr gelangt. Die Interessenten seien vermutlich alle schon langjährige Kenner des Buddhismus, sagte sie. Ein großer Anhänger der asiatischen Kunst und Lebensweisen waren gestern aus Siegburg nach Radevormwald gekommen. Er hatte sich auf ein buntes Anschluss-Ritual mit den Mönchen gefreut sowie eine abschließende Theatervorstellung "Drei Mädchen aus Ngari", bei denen die Mönche in antiken Kostümen tragen. Doch die Mönche waren schon abgereist, musste er erfahren. "Das ich ja so schade", so Michael Ruecker.

(sig)
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