| 00.00 Uhr

Radevormwald
Erinnerungen an das Bismarck-Ende

Radevormwald: Erinnerungen an das Bismarck-Ende
Schwelgten in Erinnerungen und tauschten sich mit Weggefährten aus: Dagmar Heiss und Arndt Herdieckerhoff. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. Ein historisches Treffen gab es jetzt im Zweirad-Museum der IG Bismarck: Dagmar Heiss (74), Tochter des Bismarck-Firmeninhabers, und Arndt Herdieckerhoff (67), Enkel des Firmengründers der Victoria Nähmaschinen, waren zu Gast. Von Cristina Segovia-Buendía

Sechs Jahrzehnte, nachdem das 1896 gegründete Unternehmen in Konkurs ging, versammelten sich jetzt ehemalige Weggefährten im Zweirad-Museum der IG Bismarck. Umgeben von alten Produkten der Firma, hauptsächlich Fahrräder und Nähmaschinen wurde viel gelacht und in Erinnerungen geschwelgt. Ein besonderer Moment war es auch, als sich die Nachkommen der Firmengründer, Dagmar Heiss und Arndt Herdieckerhoff, nach Jahrzehnten der Funkstille, in Radevormwald wieder trafen. Als ihre Väter die Werke schlossen, waren sie noch Kinder.

"Ich erinnere mich noch an alles", sagte Dagmar Heiss, während sie den Blick durch das Museum schweifen ließ. Sie war gerade erst 13 Jahre alt, als ihr Vater den Konkurs anmelden musste und von Radevormwald in die Nähe von Köln zog. "An die Produktion kann ich mich noch sehr gut erinnern, weil wir als Kinder immer durch die Halle gelaufen sind, und die Arbeiter mit vielen Fragen gestört haben", erzählt sie und schmunzelt. Natürlich habe sie als Kind ein Bismarck-Fahrrad gehabt. "Ich glaube, ich wurde sogar auf einem geboren", sagt sie humorvoll.

Ihre Freude über das Wiedersehen, beispielsweise mit Arndt Herdieckerhoff oder auch der Tochter des ehemaligen Betriebsarztes, war deutlich zu sehen. Und das, obwohl sie im Vorfeld einige Bedenken gehabt hatte, gibt die 74-Jährige offen zu. "Der Konkurs damals wurde unter der Bevölkerung nicht gut aufgenommen und ich war mir nicht sicher, ob solch ein Treffen nicht die alten Erinnerungen wieder aufwühlen würden." Doch die alten Ressentiments blieben an diesem Nachmittag weit weg. Die Freude überwog - bei allen. Auch Arndt Herdieckerhoff freute sich über das "Bismarck-Familientreffen", obwohl sich der 67-Jährige nur noch vage an das Unternehmen erinnert, denn als die Werke schlossen, war er gerade einmal sechs Jahre alt. "Anfang der 1950er Jahre kamen wir aus Thüringen nach Radevormwald", berichtete er. In der von den Russen besetzten Zone konnten die Victoria-Werke ihre Nähmaschinen nicht mehr produzieren, und so suchten sie sich Verbündete im Westen. Die Nähmaschinen wurden in die Bismarck-Werke eingegliedert und liefen auch gut. "Ich erinnere mich beispielsweise nur noch, dass ich mein Vater von der Arbeit abholte, an das Büro, aber mehr nicht", sagte Herdieckerhoff, der auch Bismarck-Fahrrad fuhr. "Ich habe zuhause irgendwo ein Foto, das zeigt, wie ich zu Weihnachten ein Kinderfahrrad geschenkt bekam", sagte der 67-Jährige. "Diese Kinderfahrräder", fügte Dagmar Heiss hinzu, "wurden damals nur für uns Kinder produziert. Eine Sonderanfertigung, die nie auf den Markt kam."

Der Austausch wurde bei Kaffee und Kuchen und einer Museumsführung vertieft. Fotos wurden ausgetauscht, alte Erinnerungen wieder hervorgerufen.

Initiator Hartmut Behrensmeier freute sich über die Resonanz und den Besuch der beiden Nachkommen der Firmengründer. "Es ist ein wichtiges Stück Industrie- und Kulturgeschichte unserer Stadt, die wir mit de", sagte er.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Radevormwald: Erinnerungen an das Bismarck-Ende


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.