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Radevormwald
Erinnerungen an getrennte Klassen

Radevormwald. 21 ehemalige Schüler der Realschule Radevormwald trafen sich jetzt 50 Jahre nach ihrem Schulabschluss wieder. Von Siegried Hedderich

Die kleinen Szenen wiederholten sich am Samstagnachmittag im Café des Wülfingmuseums mehrfach. Freudige Begrüßungen und herzliche Umarmungen zeugten davon, dass sich viele Menschen teils über Jahrzehnte sich nicht gesehen hatten. Vor 50 Jahren und davor sah dies ganz anders aus. Damals sahen sich die Mädchen wie auch die Jungen täglich, wenn auch in getrennten Schulklassen. Sie alle waren einst Schüler der Realschule in Radevormwald.

Am Samstag reisten 21 von damals 36 Schülerinnen und Schüler zu einem Klassentreffen an. Unter ihnen auch Ingetraut Seidel, geborene Kühn. Sie war mit ihrem Ehemann aus Rosenheim gekommen, und plante, das Klassentreffen mit der Geburtstagsfeier ihres Ehemannes bei ihrer in Radevormwald lebenden Familie zu kombinieren. "Ich freue mich, heute immer mal wieder erzählen zu können, dass ich einst mit der Olympiasiegerin Heide Rosendahl trainiert habe", erzählte sie freudig.

Zusammen mit zwei weiteren Realschülerinnen aus einer höheren Klasse habe sie die Ehre gehabt, die 400-Meter-Staffel zusammen mit der berühmten Sportlerin laufen zu dürfen. "Wir nahmen damals an Realschul-Wettkämpfen teil und reisten dazu in vielen umliegenden Städten, wie Rheinhausen", erzählte sie weiter.

Dass ihre Mitschülerin mal eine so großartige sportliche Karriere machen würde, hätte sie damals nicht für möglich gehalten. Dem Sport sei sie lange treu geblieben und bewege sich auch heute noch sehr viel in den bayerischen Bergen. Süddeutschland war für die ehemaligen Abschlussschüler dann auch das Reiseziel ihrer letzten Schulfahrt 1967 gewesen.

Während die Mädchenklasse mit ihren Lehrern Fritz Krumm und Paul Meyer nach Berchtesgarden reisten, ließen es sich die Jungen am Bodensee gut gehen. Sie wurden dabei vom Klassenlehrer Werner Pioger begleitet. "Wir haben zwar auch viel Unsinn in unserer Jungenklasse gemacht, kannten aber dennoch Disziplin", erinnert sich Walter Ulber. Heute kann der ehemalige Realschüler selbst auf ein Berufsleben als Pädagoge blicken. "Auf Klassenfahrten benehmen sich die Schüler heute sehr gut. Es gab nie Probleme", lobte er seine Klassen in der Hauptschule. Das Gebäude wechselte er im Grunde nie.

Denn am heutigen Standort der Hauptschule wurden einst die Realschüler unterrichtet. "Wir waren damals die Schüler, die die Schule an der Hermannstraße eingeweiht haben", erinnert sich Marion Otto. Sie organisierte zusammen mit Walter Ulber, Wolfgang Schmidt und Marion Dehn das besondere Klassentreffen nach 50 Jahren.

Heute amüsiert sich das Quartett besonders über die damals nach Geschlechtern aufgeteilten Schulklassen. "Da wir Jungen im Überschuss waren, mussten schließlich acht Jungen in die Mädchenklasse wechseln", erzählte Walter Ulber. Dies habe sehr für Neckereien gesorgt. Während die naturwissenschaftlichen Fächer in einer gemeinsamen Großklasse unterrichtet wurde, durften die Schüler die Pausen aber nur getrennt voneinander verbringen.

Am Samstag gab es dagegen keine Berührungsängste mehr. Gemeinsam wurden alte Fotos und Zeitungsartikel betrachtet und viele heitere Anekdoten aus vergangenen Tagen erzählt. Nach einem Kaffeetrinken wurde die Gruppe von Wolfgang Masanek durch das Tuchmuseum geführt. Später besuchte sie ihr altes Schulgebäude, bevor es dann ein gemütliches Beisammensein im Restaurant "Kräwinkler Stuben" gab.

Quelle: RP
 
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