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Radevormwald
Familienhebammen sind oft im Einsatz

Radevormwald: Familienhebammen sind oft im Einsatz
Claire Peter (links) und Susanne Hessing sind die beiden Familienhebammen, die für die Stadtverwaltung und die Psychologische Beratungsstelle "Herbstmühle" die jungen Familien besuchen. FOTO: BM-Michael Schütz (Archiv)
Radevormwald. Seit dem vergangenen Jahr unterstützen Familienhebammen der Psychologischen Beratungsstelle "Herbstmühle" aus Wipperfürth das Rader Jugendamt. Sie besuchen junge Familien nach der Geburt eines Kindes und bieten Hilfe an. Von Wolfgang Scholl

248 Geburten sind sind in der Zeit seit Juni 2016 gezählt worden. In zahlreichen Fällen haben die Eltern einige Tage oder Wochen später Besuch von Familienhebammen bekommen.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung eine Vereinbarung mit der "Herbstmühle" getroffen, damit von dort der Erstbesuch organisiert (früher Begrüßungsdienst des Jugendamtes der Stadt) und auf Wunsch auch weiterer Kontakt vereinbart wird. Acht Mal haben die Eltern von vornherein abgesagt, elf Mal stand eine der Damen vor verschlossener Türe.

Im Einsatz in Radevormwald sind mit jeweils einer halben Stelle die Hebammen Susanne Hessing und Claire Peter. In einigen Fällen nehmen die Mitarbeiter der "Herbstmühle" auch Dolmetscher mit, vor allem, wenn es um Flüchtlingsfamilien geht. Diese Dolmetscherdienste werden als Jugendamtstätigkeit bezahlt. Bei der Erstbegrüßung haben die Hebammen Geschenke dabei - etwa ein Babythermometer oder Babybadetücher. "Was frischgebackene Eltern so brauchen können", hatte Claire Peter bei der Vorstellung des Projektes gesagt. Dazu gibt es einen Ordner mit allen Infos zu den Angeboten zur Stadt. Das deckt sowohl den psychosozialen Bereich ab, aber natürlich auch den medizinischen und gesundheitlichen.

In einer ersten Bilanz berichteten Vertreter der Psychologischen Beratungsstelle dem Jugendhilfeausschuss über die Bedeutung ihrer Arbeit. Wichtig ist es für die Besucherinnen zu erfahren, ob eine Familie Unterstützung braucht oder ob alles in Ordnung ist. Hilfe kann nötig sein, wenn Eltern und/oder das Neugeborene medizinisch nicht angebunden sind. "Das kann passieren, wenn eine Familie nicht krankenversichert ist", sagt Familienhebamme Claire Peter.

In acht Fällen haben die Mitarbeiterinnen die Familie ein zweites oder sogar drittes Mal besucht. Allgemeine Unsicherheiten, Unsicherheit bei der Ernährung des Babys, die Situation einer alleinerziehenden Mutter, Minderjährigkeit der Mutter, psychische Erkrankungen oder auch die Probleme von Flüchtlingsfamilien können Gründe für weitere Besuche oder die Vermittlung weiterer Dienste sein.

In 17 Fällen haben die Familienhebammen nach einem dritten Besuch eine Familienbegleitung als mittelfristige Unterstützung organisiert. Dabei stellen die Hebammen häufig bei Elternteilen eine große Unsicherheit in Erziehungsfragen fest. Oft kommt ein solcher Kontakt aber auch schon durch eine Information des Jugendamtes oder nach einer Schwangerschaftsberatung. Familienhebammen dürfen schon vor der Geburt Hilfe leisten.

Der Einsatz der Familienhebammen ist Teil der aufsuchenden Arbeit und zum Teil einer Ergänzung oder Vorstufe der "Frühen Hilfen". "Unsere Arbeit besteht in vielen Fällen darin, Kontakt aufzunehmen und die Türschwellen der Familien zu überschreiten", sagt Ludger Ständker, seit dem Sommer neuer Leiter der "Herbstmühle". Dabei gehe es zum Beispiel bei der Begrüßung der Neugeborenen auch darum, hinter die Vorhänge zu schauen und oder manchmal auch eine Gefährdungseinschätzung vorzunehmen. "Das ist zum Teil eine sehr berührende Tätigkeit", sagt Ständker.

Manchmal gehe es auch darum sicherzustellen, dass eine Familie den Anschluss für das zweite Lebensjahr des Kindes findet, damit sie nicht das Gefühl hat, dass sie mit allen Problemen alleine gelassen wird. Da auch die Stadt Radevormwald über das Jugendamt sehr viele Mittel für Familienhilfen einsetzen muss, ist dieses Angebot gedacht, möglichst frühzeitig den Kontakt zu Familien in schwierigen Verhältnissen zu bekommen.

Quelle: RP
 
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