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Radevormwald
Flüchtlingskinder betreuen, während Eltern Deutsch lernen

Radevormwald: Flüchtlingskinder betreuen, während Eltern Deutsch lernen
Monika Knobel-Brücher spielt, bastelt, malt und liest mit den zwei- bis sechsjährigen Jungen und Mädchen im Bürgertreff. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. Sprache ist nach wie vor der wichtigste Schritt zur Integration. Nicht zuletzt aus diesem Grund bietet die Rader Hilfsbörse dreimal pro Woche für je 90 Minuten Deutschkurse an. Einige der in Radevormwald angekommenen Flüchtlinge kamen aber nicht allein, sondern brachten auch ihre Kinder mit. Von Marion Gerdel

Da diese entweder zu jung für den Kindergarten sind oder dort noch keinen Platz gefunden haben, mussten die Eltern sie mit in den Unterricht bringen.

"Wir haben schnell gemerkt, dass dies nicht machbar ist", sagt Petra Wupperfeld. Sie ist eine von zehn ehrenamtlichen Sprachlehrern. "Es war einfach viel zu unruhig während des Unterrichts, weil sich die Kinder natürlich langweilten. Daher war uns schnell klar, dass wir eine Kinderbetreuung brauchen." Seit einigen Wochen ist diese Betreuung nun fester Bestandteil des Unterrichts. Monika Knobel-Brücher und ihre Kolleginnen spielen, basteln und malen mit den zwei- bis sechsjährigen Jungen und Mädchen. Einfach ist das nicht immer, denn die Kinder sprechen normalerweise überhaupt kein Deutsch.

Eine große Ausnahme ist die sechsjährige Alesia. Sie ist mit ihrer Familie erst vor fünf Monaten aus Albanien gekommen und spricht schon ein sehr gutes Deutsch. "Das kommt daher", erklärt ihr Vater, "dass sie noch zwei Geschwister hat, die schon in die Grundschule gehen. Zu Hause sprechen die Kinder nur noch Deutsch miteinander." "Und", so sagt die kleine Alesia nicht ohne Stolz: "Ich verbessere meine Eltern auch, wenn sie Fehler beim Sprechen machen!" Die anderen Kinder lernen beim Spielen mit den Betreuern so ganz nebenbei die ersten deutschen Vokabeln. So wissen sie schnell, was ein Buntstift ist, welches Wort für welche Farbe steht oder was das Wort "aufräumen" bedeutet.

Ein Höhepunkt für die Kinder sind natürlich kleine Ausflüge, die sie schon mal vom Unterrichtsraum im Bürgertreff im Bürgerhaus am Schlossmacherplatz in den Eisladen darunter führen. "Weiter trau ich mich mit ihnen aber nicht, denn dafür reicht die Verständigung ganz einfach nicht aus", bedauert Monika Knobel-Brücher.

Einfacher funktioniert die Kinderbetreuung an den Freitagen, denn dann findet der Sprachkursus im Caritashaus statt. In der vergangenen Woche haben die Kinder, während die Eltern lernten, Plätzchen gebacken - und die Erwachsenen durften im Anschluss davon probieren.

Alle Eltern sehen es als ganz wichtigen Bestandteil des Kurses an, dass ihre Kinder betreut werden, während sie selbst versuchen, die deutsche Sprache zu lernen, damit sie sich besser auf den Unterricht konzentrieren können.

Und für die Mädchen und Jungen ist es inzwischen völlig selbstverständlich, dass sie dreimal in der Woche ihre Freunde wieder treffen. Ihnen ist es dabei völlig unwichtig, ob diese aus Afghanistan, Syrien, Albanien oder der Mongolei kommen: Sie spielen und streiten wie in einem ganz normalen Kindergarten, nur dass sie ganz nebenher noch eine neue Sprache lernen.

Quelle: RP
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