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Radevormwald
Frische Milch tanken auf dem Bauernhof

Zehn ungewöhnliche Fakten zu Milch
Zehn ungewöhnliche Fakten zu Milch FOTO: dpa, Sebastian Kahnert
Radevormwald. Auf dem Hof von Familie Brüser-Pieper steht ab August der erste Milchautomat von Radevormwald. Von Jessica Balleer

Der Geschmack der frischen Milch, die direkt vom Hof kommt, den kennen oftmals nur noch die Älteren. Mit Glasflaschen ging man damals zum Bauern und holte die eiskalte, weiße Rohmilch für die Familie. Was heute wie eine nostalgische Erinnerung klingt, war früher gang und gäbe. Und könnte ab August in Radevormwald erstmals wieder zum Alltag des Einkaufens werden. Denn auf dem Hof von Familie Brüser-Pieper in der III. Uelfe wird es in einigen Wochen einen sogenannten Milchautomaten geben, und zwar den ersten im gesamten Rader Stadtgebiet.

Liebhaber können sich ihre Milch dort selbst "tanken" - frisch und regional, statt homogenisiert und ultrahocherhitzt. "Wir spielen seit Längerem mit dem Gedanken", sagt Tatjana Brüser-Pieper. Seitdem die Direktvermarktungsquote im vergangenen Jahr abgeschafft wurde und der Verkauf "ab Hof" - unter gewissen Auflagen - wieder möglich ist, sind die Pläne im Uelfetal konkreter geworden. "Ab August wollen wir eröffnen", sagt Brüser-Pieper. Was wie ein Schritt in die Vergangenheit klingt, scheint derzeit einer der einzige Weg, zu sein, um die Zukunft der Milchbauern zu sichern. Seit Monaten fällt der Milchpreis, darüber ist hinlänglich berichtet worden. Auch Familie Brüser-Pieper leidet unter dem Preisdruck: 23 Cent gibt es pro Liter von der Molkerei "Arla", die alle zwei Tage etwa 2800 Liter abgolt. Für die Landwirte bedeutet das einen Verlust von mehreren Tausend Euro im Monat. Es gibt zu viel Angebot und zu wenig Nachfrage.

Der Milchautomat sei eine Chance, dem Nahrungsmittel seinen Wert zurückzugeben. "Jeder kann sich ein Gefäß mitbringen oder hier Flaschen erwerben. Literweise kann der Kunde dann die frische Rohmilch zapfen", erklärt Georg Brüser-Pieper (44). Doch das Stichwort Rohmilch zeigt auch auf, was noch zu tun ist, und welche Konsequenzen der neue Verkauf hat. "Wir benötigen vom Bauamt noch eine Genehmigung für das Milchhäuschen", sagt Georg Brüser-Pieper. Außerdem werde das Veterinäramt in regelmäßigen Abständen auf den Hof kommen. "Inkognito" sozusagen, um die Milchqualität zu überprüfen. Denn Rohmilch darf ein Milchbauer nur vom Hofgelände aus an Kunden abgeben. "Und wir müssen darauf hinweisen, dass sie erst nach dem Abkochen verzehrt werden darf."

Rohmilch ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Es wird empfohlen, sie auf 70 bis 90 Grad zu erhitzen, bevor sie getrunken wird. Das geht zwar auf Kosten des besonderen Geschmacks, der Milchbauer muss den Hinweis aber geben, auch wenn Familie Brüser-Pieper die Milch von ihren etwa 75 Kühen am liebsten unbehandelt trinkt.

Für den neuen Milchautomaten mussten die Rader Landwirte erneut viel Geld in die Hand nehmen. Bis zu 9000 Euro kostet so ein Automat. Sie haben sich bei anderen Anbietern in Köln und Bergisch Gladbach erkundigt. Zwar sei Rade keine Großstadt, an den Erfolg glauben sie dennoch. Die Nähe zur Innenstadt ist ein gutes Argument. "Für 80 Cent bis zu einem Euro können wir den Liter verkaufen", sagt Georg Brüser-Pieper. Eine fairer Preis sei das. Und eine Investition in die Zukunft. "Es wird auch Eier geben und später vielleicht ein Käse-Angebot", sagt der Landwirt. In der III. Uelfe soll es weitergehen mit dem Hof. Sohn Fabian (20) wird am 1. August seine Ausbildung abschließen und auf den Hof zurückkehren, um den Familienbetrieb weiterzuführen. Ob die berufliche Zukunft auch in der Milchviehhaltung liegen wird, das wird auch davon abhängen, ob die Rader Bürger bereit sind, einen fairen Preis für Qualität zu bezahlen.

Quelle: RP
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