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Bm-Serie Ross Und Reiter
Für jeden Huf passenden Beschlag parat

Radevormwald. Armin Bäcker ist seit fast 20 Jahren Hufschmied. Mit seiner rollenden "Werkstatt" fährt er die Ställe an und schmiedet das Eisen vor Ort. Doch als ersten Schritt lässt sich der Remscheider das Pferd vorführen, um zu sehen, wie es läuft. Von Solveig Pudelski

BERGISCH BORN Mit geübter Hand hebt Armin Bäcker die Hinterhand der 13-jährigen Stute "Latte Macchiato". Mit stoischer Ruhe lässt sich die 13-Jährige das glühende Eisen aufbrennen, wie es in der Fachsprache heißt. Qualm steigt auf. Es riecht nach verbranntem Horn. Mit der Zange nimmt der Hufschmied das Eisen wieder ab. "Der Abdruck auf der Unterseite des Hufes zeigt, wo genagelt werden darf", sagt Bäcker und deutet auf die Stellen. Dieser Arbeitsschritt ähnelt Szenen, die jeder aus Westernfilmen kennt. Aber auch wenn die Hufe wie eh und je beschlagen werden müssen, hat sich seit Wild-West-Zeiten viel geändert.

Carina Brandtner, die Besitzerin der Stute, ein gescheckter Pain, ist nicht zur Schmiede geritten. Ihr Pferd steht auf dem Hof Kaltenborn, ein Pferdepensionsbetrieb zwischen Bergisch Born und Hückeswagen. Dort hat sie - wie viele andere Reiter(innen) - eine der 26 Boxen gemietet. Heutzutage fährt der Schmied zum Reiter oder zum Pferdehof mit einer rollenden Schmiedewerkstatt. Der Hufschmied sei nicht nur der "Handwerker", sondern neben dem Besitzer und Tierarzt der Dritte im Bunde, der im Dialog klärt, wie das Wohl dieses Lauftieres gewährleistet werden kann.

Seinen Transporter hat Armin Bäcker mit allem bestückt, was er fürs Beschlagen von Pferden benötigt: mit einem aus dem Fahrzeug-Inneren herausklappbaren Öfchen zum Schmieden, mit Werkzeugen, Bohrmaschine, Schweißgerät, Nägeln und jeweils mehreren Exemplaren von rund 40 verschiedenen Rohlingen für die jeweiligen Pferdehufe, sowie offene und geschlossene Keilplatten, die gleichsam eine Dämpfung für den Huf sind. Armin Bäcker legt zwei unterschiedliche Größen nebeneinander: XS für Ponyhufe und XXL für Hufe eines behäbigen Kaltblüters. Das ist aber noch lange nicht alles. Wie es für jeden Menschenfuß passende Schuhe oder Einlagen gibt, gibt es auch für Pferde die jeweils passende Variante zum Schutz der Hufe. Schon Hufeisen-Rohlinge sind unterschiedlich geformt.

"Latti", so der Spitzname der Stute, braucht hinten individuell angepasste Eisen, weil sie "streicht" - sie berührt mit dem Huf das andere Bein. Je nach Beschaffenheit des Untergrundes, auf dem geritten wird, und des Horns, splitterig oder fest, je nach Problem des Pferdes mit seinem Gangwerk oder Hufen, muss der Schmied das Passende finden. "Vorne trägt die Stute Duplos", sagt Bäcker und deutet auf eine Kombination aus Eisen und Kunststoff.

Inzwischen ist das Eisen für "Lattis" Hinterhand fertig, Bäcker nagelt es mit kurzen, kräftigen Schlägen fest. "Die müssen sitzen. Genagelt wird vom Weichhorn ins Wandhorn." Während des Beschlagens wird schnell klar: Ein Hufschmied muss nicht nur anatomische Kenntnisse vom Pferd und ein Händchen für die Großtiere haben, sondern auch sehr gutes handwerkliches Geschick sowie eine gute Portion Kraft. "Ich mache Ausgleichssport und Rückentraining, anders geht es nicht", sagt Bäcker.

Von Haus aus ist der 51-Jährige gelernter Werkzeugmacher, jetzt übe er seinen Traumberuf aus. "Ich habe mich immer schon fürs Schmieden interessiert, so habe ich eines Tages umgesattelt." Nach einem Praktikum und einer langen Mitfahrzeit bei einem staatlich anerkannten Hufschmied besucht ein angehender Schmied eine Hufbeschlagschule. Wichtige Voraussetzung für den Beruf seien Ruhe, Geduld, Fingerspitzengefühl, Respekt vor Pferden, aber keine Angst. "Und man sollte ein Menschenfreund sein. Reiter sind eine besondere Spezies", sagt Bäcker und lacht. Er betrachte sich als Dienstleister, der auch rausfährt, wenn ein Pferd nochmal begutachtet werden muss, oder mal ein Eisen verloren hat und der Reiter nicht auf den nächsten Termin fürs Beschlagen warten will.

Bevor er ein Pferd beschlägt, lässt sich der Remscheider das Tier vorführen, um mögliche Abnormitäten, Verletzungen oder Auffälligkeiten zu erkennen. Zur Eingangsanalyse gehören auch Angaben des Reiters, wo und wie häufig sein Ross bewegt wird. Ein Blick aufs alte Eisen zeigt, wo es abgenutzt ist.

Es folgt die Barhuf-Bearbeitung. Dann Schritt für Schritt: Rohling auswählen, schmieden, aufbrennen, Eisen schleifen, Eisen aufnageln und zumachen, das heißt, Nagelenden abknipsen und einbetten - und das Pferd in Bewegung anschauen.

Ein Pferd beschlagen zu lassen, was etwa alle sechs bis acht Wochen erforderlich sei, kostet ohne Besonderheiten rund 120 Euro. Über mangelnde Aufträge kann sich Bäcker nicht beklagen. Sein Einzugsgebiet ist groß, das Bergische sei ein Pferdeland - er selbst reite allerdings (noch) nicht.

Ein Wermutstropfen in seinem Traumberuf: "Mehr als eine Woche Urlaub ist bisher nicht möglich."

Quelle: RP
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