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Radevormwald
Geistliches Konzert im Halbdunkeln

Radevormwald: Geistliches Konzert im Halbdunkeln
Marcin Augustyn (l.) an der Orgel und Tenor Marian Wach sorgten in der Pfarrkirche für ein beeindruckendes Konzert, das deutlich mehr Besucher verdient gehabt hätte. FOTO: Michael Schütz
Radevormwald. Zu Beginn der Adventszeit präsentierte sich ein Musiker-Duo aus Novy Targ.

Die Bänke der katholischen Pfarrkirche St. Marien Radevormwald an der Bischof-Bornewasser-Straße waren am Samstagabend spärlich besetzt. Im Dämmerlicht, das nur den Adventskranz im Altarraum schwach erkennen ließ, saßen die Konzertbesucher allerdings mit andächtigen Mienen. Musiker aus der polnischen Partnerschaftsstadt Novy Targ hatten sich zu einem geistlichen Konzert angesagt.

Die Auswahl der Stücke zeigte sich schnell als sehr anspruchsvoll, für die Musiker wie auch für jeden Zuhörer. Marcin Augustyn nahm dazu auf der Orgelempore Platz und schien sich schnell mit dem riesigen Instrument anzufreunden. Er ließ seine Finger über die dunklen Tasten gleiten, als sei dieser Platz der heimatliche.

Das "Präludium und Fuge in Es-Dur", einst von Johannes Sebastian Bach komponiert, erzeugte eine akustische Festlichkeit im Kirchenschiff. Der junge Musiker verstand es, mit der Musik zu verschmelzen. Die Konzertbesucher konnten dazu vom Alltag Abstand nehmen und sich ganz auf die Musik einstellen. Auch die dreiteilige Sonate in G-Moll aus der Feder von Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel zeigte offen ihren besinnlichen Charakterzug.

Auch der Gesang von Marian Wach wurde zu einem musikalischen Erlebnis. Tenorklänge mit sanfter Stimmfarbe gaben Raum zum Träumen. Die selten gespielte "Pieta Signore" von Louis Niedermayer, ein Stück für Gesang und Orgel, spielte das polnische Duo mit Hingabe. Ähnlich festlich wurden auch die Werke "Ave verum" und später das "Agnus Die" aus der Krönungsmesse in C-Dur, beide Werke von Wolfgang Amadeus Mozart.

Pure Besinnlichkeit boten die Stücke von Cesar Franck. Besonders das "Pie Jesu, aus dem Requiem" wurde von der Orgel und dem Gesang erstaunlich mitnehmend umgesetzt. Hier machte sich fast schon ein Hauch von Traurigkeit breit. Die abschließende Fuge in Es-Dur von Johann Sebastian Bach richtete es wieder her. Besinnlichkeit, aber auch Töne als Hoffnungsträger, wurden so zu einem Schlusspunkt eines geglückten Konzerts, das weit mehr Besucher hätte verdient gehabt.

Für Musikfreunde der Klassik war das einstündige Konzert eine Bereicherung und vermutlich für die Musiker eine unvergessliche Erfahrung, mit der schönen neuen Orgel im Einklang gewesen zu sein.

(sig)
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