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Radevormwald
Geschichten aus der Textilgeschichte

Radevormwald: Geschichten aus der Textilgeschichte
Die Dampfmaschine ist vor genau 125 Jahren bei Wülfing in Dahlerau in Betrieb gegangen. Peter Dominick hat sie vor einigen Jahren auf elektrischen Antrieb umgestellt und wieder ans Laufen gebracht. FOTO: wos
Radevormwald. Peter Dominick hat die Jahrhunderte lange Geschichte der beiden Familien Hardt und Wülfing aufgearbeitet. Hans-Friedrich Kartenbender hat die Chronik aus Lenneper Sicht ergänzt. Herausgeber ist die Anna Hardt Stiftung. Von Flora Treiber

Peter Dominick hat in den letzten Jahren nicht nur die alte Dampfmaschine des Wülfing-Museums in Gang gebracht, sondern auch viel Wissen über die Firmen- und Familiengeschichte der ehemaligen Tuchfabrik gesammelt. Gestern stellte er gemeinsam mit seinen Unterstützern die fertige Chronik "Johann Wülfing & Sohn, Tuchfabrik 1674 - 1996, Kammergarnspinnerei 1879 - 1998, Chronik einer Weltfirma" im Wülfing-Museum in der Textilstadt Dahlerau vor.

"Nachdem die Firma vor mehr als zehn Jahren ihre Tore geschlossen hat, war es an der Zeit, die Geschichte aufzuarbeiten", sagte der Autor. Sein Teil des Buches war eigentlich schon 2010 fertig, aber Vermarktung und Druck gelangen ihm damals nicht. Das Projekt Chronik wurde von Hans-Friedrich Kartenbender aufgegriffen, als ihm das Manuskript von Peter Dominick in die Hände fiel. "Das Manuskript hat mich elektrisiert, denn es beinhaltet viele Informationen, die mir vorher nicht bekannt waren", sagte der ehemalige Verkaufsleiter der Tuchfabrik. Nachdem er die Chronik um einen großen Teil mit Wissenswertem über die Kammergarnspinnerei und die Vertriebsstrukturen der Firma ergänzt hatte, suchte er nach Verlegern und Sponsoren. Herausgeber des Buches ist nun die Anna Hardt Stiftung unter der Leitung des Vorsitzenden Christian Hardt. Der Geschäftsführer der Stiftung, die der Träger des Tuchmuseums in Lennep ist, hat sich für die Publikation eingesetzt. "Die Chronik erklärt technische Details und arbeitet Entstehungsgeschichte, Blütezeit und Untergang der Firma auf. Das gab es bisher noch nicht. Es musste dringend der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden", ergänzte Franz Werner von Wismar, der früher das Wülfing-Archiv in Dahlerau leitete.

Die 264 Seiten starke Chronik richtet sich an historisch interessierten Leser und gibt mit 393 meist farbigen Abbildungen einen tiefen Einblick in die Wirtschaftsgeschichte des Bergischen Landes.

Peter Dominick hat für die Recherche nicht nur Archive durchforstet, sondern auch Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern und Menschen geführt, die in der Nähe der Tuchfabrik wohnten. Dabei ist ein detailliertes Bild über das Leben, das Arbeiten und die Produktionsabläufe an der Wupper entstanden. Leser werden auf neue Informationen stoßen und unter anderem erfahren, dass die Wochenarbeitszeit vor 170 Jahren 80 Stunden betrug, dass der Kronleuchter in der Kirche der Evangelischen Kirche Dahlerau 1894 von Wülfing-Handwerkern geschmiedet wurde oder die Wülfing-Fabrik ein eigenes Schlachthaus, eine eigene Krankenschwester und Kindergärten hatte. "Die Infrastruktur war damals mit vielen Geschäften und Dienstleistungen besser als heute", sagte Peter Dominick. Ihm ist es mit Hans-Friedrich Kartenbender gelungen, aus vielen Details und Geschichten ein Gesamtbild über einen wichtigen Teil der Industriegeschichte Radevormwalds abzubilden und diesen historischen Schatz an die Öffentlichkeit zu bringen. Bürgermeister Johannes Mans setzt sich seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr mit der Zukunft der Gebäude der ehemaligen Textilfabrik auseinander und findet die Aufarbeitung und Dokumentation wichtig. "Ich freue mich über die Chronik und möchte eine für die kommenden Jahre eine sinnvolle Nutzung für die ehemalige Fabrik finden", sagte er.

Quelle: RP
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