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Radevormwald
GGS in der Hauptschule - das klappt gut!

Radevormwald: GGS in der Hauptschule - das klappt gut!
Obwohl sie mit 26 Kindern im kleinsten Raum sitzen, ist die Klasse 4c zufrieden. Klassenlehrerin Sandra Burgmer improvisiert ein bisschen mehr und hilft hier gerade Michelle, Luis und Dominik (v.l.) bei den Aufgaben. FOTO: jürgen moll
Radevormwald. So langsam leben sich die Mädchen und Jungen der Gemeinschaftsgrundschule Stadt in den Räumen der Geschwister-Scholl-Schule ein. Regulärer Unterricht findet zwar noch nicht statt, trotzdem kehrt so etwas wie Alltag ins Schulleben. Von Joachim Rüttgen

Am Dienstag vergangener Woche war Jutta Felderhoff völlig fertig. Eine Welt brach zusammen. "Das war eine harte Nummer", sagt die Leiterin der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Stadt gestern, als sie den Gast in der eigens für sie zum Rektorenzimmer umfunktionierten Lehrerbibliothek der Geschwister-Scholl-Schule an der Hermannstraße optimistisch begrüßt. "Wir sind alle froh über die neue Herberge, sind hier aber nicht auf einem Ponyhof", sagt sie schmunzelnd und ernst zugleich.

Nachdem vor zehn Tagen eine Deckenplatte in der GGS an der Carl-Diem-Straße herabgestürzt war und die Schule auf unbestimmte Zeit gesperrt werden musste, ist viel passiert in kürzester Zeit. "In nur einer Woche sind wir mit dem gesamten Team und allen Kindern umgezogen", sagt sie. Noch gelte nicht der reguläre Stundenplan, aber jeden Tag gebe es vier Stunden Deutsch, Mathe, Sachkunde und Englisch.

Von einer "kongenialen Leistung" spricht Jutta Felderhoff, wenn sie das große Engagement der Musikschule hervorhebt, denn innerhalb von zwei Tagen wurden Räume freigegeben, in denen seit Montag vier Klassen (3a, 4a, 4b und 4c) unterrichtet werden. Die kleineren Schüler (1a, 1b, 1c, 2a, 2b, 2c, 3b und 3c) werden komplett in der oberen Etage betreut. "Da ist endlich wieder Licht und Leben auf dem Flur", schwärmt Sandra Pahl, Leiterin der Hauptschule, die mit ihren Kollegen sieben Klassen und anderthalb internationale Klassen unterrichtet.

Etwas unglücklich findet es Jutta Felderhoff, dass sie die Klasse 4c mit 26 Kindern wegen eines eigenen Planungsfehlers ausgerechnet im kleinsten Raum untergebracht hat. "Zu eng, nicht optimal", sagt sie. Das sieht Lukas anders: "Ich finde das nicht schlimm", meint der Viertklässler. "Das ist ganz schön gemütlich hier", bestätigt Michelle. Klassenlehrerin Sandra Burgmer muss improvisieren: Da landet der Adventskranz mal auf einem Stuhl, weil auf den Tischen Platz zum Basteln der Weihnachtsgeschenke für die Eltern benötigt wird. Wie der Unterricht nach den Ferien gestaltet wird, steht noch nicht fest. "Das hängt davon ab, ob wir die Sporthalle II an der Hermannstraße nutzen können. Zurzeit gibt es keinen Sport, weil der Fußweg für die Erstklässler zu weit ist", sagt Jutta Felderhoff. Klappt es nicht mit Hallenstunden, könnte sie sich vorstellen, alle zwei Wochen einen sportlichen Aktionstag anzubieten. Sandra Pahl überlegt, Hallenzeiten der Hauptschüler an die Grundschüler abzutreten. Das Miteinander der Schulen klappt. Es wird viel besprochen, koordiniert und improvisiert.

Dabei scheitert Jutta Felderhoff manchmal an ihren hohen Ansprüchen. "Wenn Garderoben und Schuhregale vor den Klassenzimmern noch fehlen, stört das mich und die Kollegen am meisten", sagt sie. Sandra Pahl versucht zu helfen, wo es nur geht. Als die Grundschüler in die Hauptschule kamen, war sie entzückt. "Das war ein völlig anderes Empfinden. Während die Grundschüler einfach nur süß sind, sind meine Schüler toll, die kann ich nicht mehr süß finden", sagt sie und lacht. Für sie sei es normal, zusammenzurücken. Vorausschauend habe sie bereits Wochen vor der Schließung der GGS die Lehrerbücherei geräumt, in der Jutta Felderhoff mit Stefan Berghaus als Schulleitung sitzt. Felderhoff meint scherzhaft, dass das was von Belagerung habe. Sandra Pahl spricht von "freundlicher Übernahme".

Zum Schulanfang hatte die Hauptschule die Grundschüler zu einer Zirkusaufführung eingeladen. Das habe ihre Schüler nachhaltig beeindruckt, so dass sie beim Spontanumzug oft von Schülern gehört habe, sie zögen da hin, wo der Zirkus war, berichtet Jutta Felderhoff. Auch wenn der Umzug gut geklappt hat, müssen die Grundschüler auf einiges in der Vorweihnachtszeit verzichten: Das Plätzchenbacken entfällt, ebenso das adventliche Vorlesen oder die Weihnachtsfeier. "Der Umzug hat uns die Weihnachtszeit schon vermasselt", sagt Jutta Felderhoff. "Grundtendenz ist aber dennoch, dass die Kinder das hier sehr spannend und aufregend finden." Auch wenn auf dem Pausenhof noch Spielzeug fehlt und die OGS im Wartburghaus stattfinden muss.

Jutta Felderhoff plant nach den Ferien einen Elternabend, um die Fragen der Mütter und Väter zu beantworten. Sie rechnet erstmal damit, zwei oder drei Monate in der Hauptschule zu bleiben. Falls es länger dauern sollte, müssten noch sämtliche Medien und Ordner an die Hermannstraße umziehen.

Die Hauptschüler haben den Einzug der Grundschüler gelassen hingenommen. "Die Reaktionen reichten von 'wie süß' bis 'oh Gott, die werden nerven'", sagt Sandra Pahl und lacht. Beide Schulleiterinnen sind trotz des guten Beginns froh, wenn jetzt endlich Ferien sind. Das gebe Zeit zum Durchatmen und Entspannen. "Das haben wir auch dringend nötig", sagen sie.

Quelle: RP
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