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Radevormwald
Gregor Gysi von den Linken hat keine Angst vor Neuwahlen

Radevormwald: Gregor Gysi von den Linken hat keine Angst vor Neuwahlen
Die Volksbank-Vertreter Thomas Schäfer, Lutz Uwe Magney, Andreas Otto und Hardy Burdach (v.l.) nehmen in der Stadthalle Gregor Gysi in die Mitte. FOTO: Henning Röser
Radevormwald. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen las sich der Titel auf der Einladung schon fast prophetisch. "Wie weiter? Nachdenken über Deutschland" hieß das Motto des Vortrags von Gregor Gysi beim Symposium der Volksbank Bergisches Land mit Filiale in Radevormwald. Vor 500 geladenen Gästen in der Wuppertaler Stadthalle war das gescheiterte "Jamaika"-Bündnis und die Folgen für Deutschland natürlich ein zentrales Thema in den Ausführungen des langjährigen Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag.

Gysi brachte diese überraschende Volte der Deutschen Geschichte nicht im Mindesten aus dem Konzept. Im Gegenteil. Gysi, der wegen seiner Eloquenz, seiner Schlagfertigkeit und seinem Witz ein beliebter Gast in Talkshows ist, fächerte schon im Vorgespräch vor Journalisten die möglichen Auswirkungen auf. Natürlich mit Blick auf seine Partei. Neuwahlen am 22. April wären aus seiner Sicht die beste Lösung, eine schwarzgrüne Minderheitsregierung sei maximal bis zur Wahl in Bayern eine Übergangslösung. Dann sei Vieles möglich, denn die Hoffnung der CDU, von der aktuellen Entwicklung zu profitieren, sei trügerisch. Bundeskanzlerin Angela Merkel trage eine Mitschuld am Scheitern der Verhandlungen: "Sie hatte keine Idee für dieses Bündnis." Sie sei uneitel, nicht an materiellen Dingen interessiert, was gut sei. Aber ihr fehle die Vision für Europa. Gysi: "Sie verwaltet nur."

Der SPD empfahl der Redner, nun auf ein "Reformbündnis" mit Linken und Grünen zu setzen, dies im Wahlkampf aber nicht zu sehr rauszukehren. Eine Rückkehr in die Große Koalition werde der SPD auf jeden Fall weiter schaden. Den Linken traut er dagegen zu, sich nach den jüngsten Personaldebatten wieder zu berappeln. "Das können die."

Ihm selber, der bei jeder Bundestagswahl seit 1990, bei der er antrat, das Direktmandat holte, wäre vor dem Urnengang nicht bange. "Ich habe keine Angst vor einer Neuwahl." Wichtig sei es ihm zu betonen, dass er die Sache auch mit eine Portion Humor angehe. "Entschuldigung, dass ich Sie schon wieder um ihre Stimme bitten muss", könne ein Motto auf seinem nächsten Wahlplakat in seinem Wahlkreis in Köpenick sein, schlug er schmunzelnd vor.

Zahlreiche Größen aus der Bundespolitik waren in den vergangenen Jahren schon zu Gast bei den Symposien der Volksbank. Nach der Fusion der Volksbank Remscheid-Solingen mit Wuppertal zur Volksbank im Bergischen Land fand die Veranstaltung nun erstmalig in Wuppertal statt. Ein Zeichen des Zusammenwachsens.

Für diese Premiere habe man jemand als Redner gewinnen wollen, "der zieht", sagte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, Andreas Otto. Dass Gysi die Rolle der Genossenschaftsbanken ausdrücklich lobte, wird er sicher gerne gehört haben.

(hr)
 
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