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Radevormwald
Großes Interesse am Vortrag über die Kirche in der NS-Zeit

Radevormwald. 700 Jahre Radevormwald bedeuten nicht nur Vorfreude auf die Zukunft, sondern auch ein Blick in die Vergangenheit der Stadtgeschichte. Wolfgang Motte, Pfarrer der Reformierten Kirchengemeinde im Ruhestand, hat sein Wissen über die Rader Kirchengemeinden in der Zeit von 1933 bis 1945 bereits 2010 in einem 115-seitigen Buch geteilt - und am Mittwochabend noch einmal mit vielen Bürgern aus Radevormwald. Von Flora Treiber

Zu der Vortragsreihe "Kirche im Gespräch" hatte ihn Pastor Johannes Dress in die Martini-Gemeinde eingeladen. "Das Thema darf nicht in Vergessenheit geraten. Und wie man sieht, stößt es immer noch auf viel Interesse", sagte er, während sich das Gemeindehaus an der Uelfestrasse füllte.

"Die Rolle der Kirchen in Radevormwald in der NS-Zeit" hatte Motte seinen Vortrag genannt, der einen Überblick über die Gegner und die Anhänger des NS-Regimes geben sollte. "Mein Wissen habe ich aus Stadt- und Kirchenarchiven sowie Gestapo-Akten aus dem Landesarchiv. Zeitungen oder Sitzungsprotokolle waren ebenfalls wichtige Quellen für mich", sagte Motte. Die wichtigsten Ergebnisse seiner Forschungsarbeit fasste er in einem einstündigen Vortrag zusammen.

In Radevormwald brach, wie in den meisten deutschen Städten, ein Kirchenstreit zwischen der 1934 in Wuppertal-Barmen initiierten Bekennenden Kirchen und den Deutschen Christen aus.

Unter ihnen gab es viele radikale Meinungen, aber auch solche, die zwischen dem Wort Gottes und den Vorschriften des Staates schwankten und verunsichert waren. "Pfarrer Hermann Becker hat sich immer wieder gegen die Deutschen Christen geäußert und ist in den Gestapo-Akten offiziell als Staatsfeind genannt. Damals war allerdings jeder ein Staatsfeind, der kein Staatsfreund war", sagte Motte. 1933 zählte Radevormwald 13 000 Einwohner.

Ein einschneidendes Ereignis war die Aufnahme des Arierparagrafen in die Kirchenordnung. "Unsere Gemeinde ist da zum Glück drumherum gekommen und war weiterhin frei. Wir waren eine ruhige Gemeinde in der Hinsicht und zum Glück staatsunabhängig", sagte Dress, der die damalige Zeit als eine mit hoher "Sprengkraft" bezeichnet.

Wolfgang Motte hat nicht nur den Kampf zwischen den Deutschen Christen und der Bekennenden Kirche aufgearbeitet, sondern auch das Verhalten der Presbyterien, die Anordnung kirchlicher Behörden und die Eingliederung der Jugendarbeit in die Hitlerjugend. "Viele Pfarrer haben damals freie Predigten gehalten und ihre Worte aus Angst vor dem Staat niemals schriftlich festgehalten. Das war Selbstschutz", erklärte Motte. Er berichtete auch über Kurt Hiesfeld, den Organisten der Reformierten. "Es gab Zeiten, in denen er in Uniform musiziert hat." Details dieser Art erschreckten die Zuhörer und führten ihnen die Auswirkungen der NS-Zeit auf kirchliche Strukturen vor Augen. "Das Interesse war groß und alle haben gespannt zugehört. Ich bin froh, mein Wissen weitergeben zu können", sagte Motte.

Quelle: RP
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