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Radevormwald
Grundschüler von Besuch in der Moschee begeistert

Radevormwald. Henrik und Michael traten bewusst mit dem rechten Fuß zuerst in die Moschee an der Kaiserstraße ein. Die beiden Schüler der Grundschule Stadt hatten sich diese Verhaltensregel gut gemerkt, als sie gestern mit ihrem Religionskursus in die Moschee gingen. "Wir wollen höflich sein und uns richtig verhalten", sagte der zehnjährige Michael. Bevor die Schüler von Religionslehrerin Silke Humpert die Gebetsstätte der muslimischen Gemeinde betraten, zogen sie ihre Schuhe in dem Vorraum aus und verstauten sie, Mädchen und Jungen getrennt, in den Regalen. Eine Tür weiter erwartete die Kinder ein großer, mit Teppich ausgelegter Raum. "Der fühlt sich ganz warm und weich an", sagte Henrik. Auf Socken wanderten die Jungen und Mädchen durch die Moschee, bevor Emin Kugu die Ansprache des Vorbeters Bayram Ural übersetzte. Er ist nur fünf Jahre als Imam in Deutschland und wird danach wieder in die Türkei zurückkehren. Von Flora Treiber

Silke Humpert hat ihre Klasse in den vergangenen Wochen auf den Besuch in der Moschee vorbereitet und mit ihnen die Merkmale der drei großen Weltreligionen kennengelernt - darunter auch die des Islam. "Wir wollen Vorurteile abbauen, Gemeinsamkeiten mit unserer eigenen Religion herausfinden und uns anderen Religionen gegenüber öffnen", sagte die Lehrerin. Dass Muslime die gleichen übergeordneten Ziele, nämlich Frieden und die Achtung von Menschenrechten, wie die Christen verfolgen, war den Schülern der vierten Klasse schnell bewusst. "Hier ist alles freundlich und nett", sagte Henrik.

Zuerst lernten die Kinder die Gebetsuhr, dann die Vortrags- und die Predigtkanzel kennen. Sie versammelten sich in der Mitte der Moschee vor der Gebetsnische. Sie ist Richtung Mekka, in Deutschland nach Südosten, ausgerichtet. Ein Informationsfilm zeigte die Gebetsabläufe, inklusive der rituellen Waschung. Dustin hatte direkt viele Nachfragen. Er wollte den Waschraum kennenlernen, wissen, wo die muslimischen Frauen beten und erfahren, was es mit den großen Türmen auf sich hat, die neben der Gebetsnische stehen. "Das sind unsere Minarette. Weil wir draußen keinen Platz hatten, mussten wir sie in der Moschee errichten", sagte Emin Kugu. Normalerweise bildet ein Minarett den höchsten Punkt einer Moschee, von dem aus Gebetsrufe besser gehört werden können.

Die vielen neuen Erfahrungen müssen die Schüler der GGS Stadt erstmal verarbeiten. "Wir werden alles im Religionsunterricht besprechen und erklären. Die Kinder sind von den Eindrücken erschlagen, aber begeistert", sagte Silke Humpert. Sie findet es wichtig, dass man andere Kulturen nicht nur theoretisch erforscht. Der Praxisbezug ist entscheidend, wenn es um das Verständnis geht.

Bei Henrik und Michael scheint der Besuch in der Moschee viel bewegt zu haben. "So habe ich mir das nicht vorgestellt. Ganz anders als unsere Kirche, aber auch schön", sagte Michael.

Quelle: RP
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