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Radevormwald
Gymnasium möchte bei G 8 bleiben

Radevormwald. Die Schulpflegschaft am Theodor-Heuss-Gymnasium hat einen neuen Vorsitzenden: Martin Zimmermann löst nach seiner Wahl in der Schulkonferenz Reinhard Schröder ab. Der 51-Jährige sieht sich fortan als Sprachrohr für die Eltern. Von Flora Treiber und Joachim Rüttgen

Herbstferien. Zeit zum Durchatmen auch an den Schulen der Bergstadt. 2004 ist der erste G 8-Jahrgang (Abitur nach acht Jahren Gymnasium) am Theodor-Heuss-Gymnasium gestartet. Mittlerweile hat sich das Gymnasium von der Umstellung von insgesamt 13 auf zwölf Schuljahre erholt, aber die Umstellung war mit vielen Umständen und Arbeit für die Schulleitung, das Kollegium und die Schüler verbunden. Die schulpolitischen Diskussionen der vergangenen Monate, die einen Rückgang auf G 9 (Abitur nach neun Jahren) in Aussicht stellen, werden auch in Radevormwald diskutiert.

THG-Leiter Matthias Fischbach-Städing sieht die aktuellen Debatten kritisch. "Als ich das erste Mal von den Diskussionen gelesen habe, konnte ich nur den Kopf schütteln. Wir haben hart für die Umstellung auf G 8 gearbeitet. Eine erneute Umstellung würde dem Schulbetrieb schaden und viel Arbeit bedeuten. Im Moment kann ich die Umsetzbarkeit für uns nicht erkennen", sagt der Pädagoge.

Dass sich G 8 negativ auf die Zufriedenheit der Schüler oder ihren Erfolg ausgeprägt hat, kann er nicht bestätigen. Die Zahl der Sitzenbleiber sei zurückgegangen, und die Komprimierung des Lehrmaterials sei mit den richtigen Lehrplänen auch gelungen.

Der Schulpflegschaftsvorsitzende Reinhard Schröder hat die ersten Reaktionen auf G 8 in den vergangenen Jahren mitverfolgt und sieht auch keine Beeinträchtigung der Schüler. "Das einzige Problem war, dass die ganze Arbeit an den Lehrern hängengeblieben ist, weil keine Lehrpläne fertig waren und die Abstimmung mit den Grundschulen nicht organisiert war. Die Universitäten waren auch nicht auf den Doppeljahrgang, der 2013 kam, vorbereitet", sagt er. Er wünscht sich für das THG nicht noch mal eine so gewaltige Umstellung. "Wir sind gerade erst richtig in G 8 angekommen. Der Umstellungsumstand ist für eine kleine Schule, wie das THG zu groß. Die Rückführung auf G 9 würde an größeren Gymnasien sicherlich besser funktionieren", sagt Schröder. Der Schulpflegschaftsvorsitzende hat selber eine Tochter in der zwölften Jahrgangsstufe, die im nächsten Frühjahr Abitur macht. Fischbach-Städing wird die politischen Diskussionen und Entscheidungen in den nächsten Jahren verfolgen und hofft auf Rücksicht gegenüber Lehrern und Schulleitern. Die Möglichkeit, die Wahl zwischen G 8 und G 9 sogar den Schulen oder Schülern selbst zu überlassen, hält er für nicht zielführend. "Klare Linien und Vorgaben sind im Schulbetrieb wichtig. Alles andere führt zu Chaos und Überlastung. Falls wir zurück zu 13 Schuljahren gehen müssen, hoffe ich auf die Unterstützung der Politik durch mehr Lehrkräfte und eine bessere Vorbereitung der Materialien und Lehrpläne. Das hat ja schon bei G 8 nicht funktioniert."

Mittlerweile wurde Reinhard Schröder in der Schulkonferenz von seinem Nachfolger Martin Zimmermann abgelöst. Der Ur-Rader hat einen sehr persönlichen Bezug zum Gymnasium. Ihm gefällt die familiäre Schule mit 700 Schülern, einem jungen Kollegium und die moderne Ausstattung. "Dieses Angebot müssen wir auf einem hohen Standard halten", sagt der 51-Jährige, der seit einem Jahr als Stellvertreter in der Schulpflegschaft fungierte. Zimmermann sieht sich in seiner Funktion als Vorsitzender nicht als Einzelkämpfer, sondern möchte sich gemeinsam mit den Eltern für die Schule einsetzen.

Mit seinem Stellvertreter Thomas König, der ebenfalls am THG sein Abitur abgelegt hat, sieht sich Zimmermann als Sprachrohr für die Eltern - mit guten Kontakten zur Schulleitung und zur Schülervertretung. "Beim Thema G 8/G 9 habe ich eine persönliche Meinung, die gerne auf G 9 zurückgehen würde. Als Vorsitzender der Schulpflegschaft vertrete ich aber die Meinung der Eltern, und die geht in Richtung G 8", sagt er. Ein ständiges Hin und Her sei nicht förderlich. "Die meisten Eltern möchten Konstanz für ihre Kinder. Wir sollten bei G 8 bleiben und das Beste draus machen", sagt Zimmermann. Schon der Doppeljahrgang habe dem Gymnasium Probleme bereitet. Er hoffe künftig auf eine konstruktive Zusammenarbeit im Sinne der Kinder. Als Arbeitsschwerpunkte nennt der Vorsitzende moderne Sanitäreinrichtungen, eine auch künftig gut aufgestellte Mensa mit entsprechendem Catering und den Ausbau des Bestandes mit neuen Medien.

Quelle: RP
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